Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 171)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 164 — aber daß man zwei Lager schafft. Durch den Ausdruck des Vertrauens zur Leitung sagen wir, daß sie in der Agitation sehr fähig gewesen ist, aber in vielen anderen Dingen, in der Politik, in der praktischen Arbeit war sie nicht auf der Höhe, weil es an Menschen in der Leitung gefehlt hat, die im richtigen Moment gefühlt haben, daß sie appellieren sollen. Es muß betont werden, daß die Leitung nicht einseitig sein darf und daß sie hervorragende Männer von uns nicht wegziehen läßt. Wir als Amerikaner sind absolut unparteiisch. Wir schätzen Ussischkin und Marmorek und sagen, daß für beide Platz ist. Wir haben in Amerika 214 Millionen freie Juden, die noch nicht zum Zionismus gekommen sind, und wenn wir diese gewinnen, so werden wir auch Palästina erwerben. Ich beantrage, die Abstimmung über den Beschluß auf Gewährung des Vertrauens zu trennen von dem Antrag über die Bank, über den man noch debattieren lassen soll. (Beifall.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Verehrter Kongreß! Es sind schon einige Redner zur Geschäftsordnung gemeldet. Wir haben den Wunsch, mit dieser Sache noch zu Ende zu kommen. Wir wollen auch noch die anderen Agenden des Kongresses erledigen. Ich bitte Sie also dringend, keine -Geschäftsordnungsanmeldungen hierher zu bringen. Wir werden nach Anhörung des Vertreters des E. A. C. über die eingelaufenen Anträge abstimmen. Bei dieser Gelegenheit wird die Möglichkeit vorhanden sein, daß die Redner im Wege der Geschäftsordnung in fünf Minuten ein Redner pro und ein Redner contra sich äußern und daß wir dann zur Abstimmung schreiten. Das ist der Weg, den wir gehen wollen, und wenn der Kongreß uns folgt, werden wir heute Vormittag mit dieser Sache fertig werden. Herr Dr. Hantke hat das Wort. Berichterstatter Dr. Hantke (mit stürmischem Beifall begrüßt): Der Vorsitzende des E. A. C, Herr Prof. W a r b u r g, hatte die Absicht, jetzt hier zu sprechen, um dadurch auch nach außen zu dokumentieren, daß sich das E. A. C. in seinem Berichte und seinen Ansichten vollkommen solidarisch fühlt. Nur weil Herr Prof. W a r b u r g infolge der Ihnen bekannten Umstände gezwungen ist, auf zwei Tage zu verreisen, bin ich wieder ausersehen worden, auch das Schlußwort namens meiner Kollegen zu sprechen. Unsere Generaldebatte, geehrter Kongreß, hat einen ganz merkwürdigen Charakter angenommen. (Unruhe.) Wenn es nicht ruhig wird, kann ich nicht sprechen, Herr Präsident! Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich habe schon vorhin darauf hingewiesen, daß die Akustik dieses Saales zu gut ist, so daß man jeden einzelnen Kongreßdelegierten, auch wenn er nur flüstert oder leise spricht, hört. Ich bitte also um striktestes Silentium. — Ich bitte fortzufahren. Berichterstatter Dr. Hantke: Ich will nicht davon sprechen, daß einige Redner wieder die alte Frage „Politisch oder praktisch?" angeregt haben. Diese Frage ist schon so oft behandelt worden und diesmal in der Diskussion so gut beleuchtet worden, daß Sie es verstehen werden, wenn ich über diese theoretische Frage hinweggehe. Merkwürdig ist meines Erachtens in 'der Debatte, daß die wichtigsten Ergebnisse der letzten Periode im Grunde genommen gar nicht berührt worden sind. Nur so konnte es kommen, daß man den Eindruck gewann, wir brauchen noch einen XII. Friedenskongreß. Wenn es je die Möglichkeit eines Friedenskongresses in dem Sinne gegeben hat, daß man auf einer weitgehend gemeinsamen Grundlage zur Beratung zusammengetreten ist, so ist es jetzt der Fall, denn die wichtigsten Fragen der früheren Kongresse sind aus der Diskussion entschwunden. Sprachen Sie mit einem Worte darüber, wo das E. A. C. sitzen soll, wer seine Mitglieder sein