Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 166)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476276--4078-3480221- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 159 — Leitung etwas auf den Weg geben müssen. Man erwartet von der zukünftigen Leitung, daß sie geradeso wie die gegenwärtige uns wieder einen Schritt näher bringt zu Palästina, und sie soll es dadurch tun, daß sie diese großen Prinzipien der Politik in Wirklichkeit umsetzt. Meine Herren! Ussischkin hat in einer hebräischen Rede hier einige Punkte festgelegt, die nicht weiter von den anderen Rednern berührt worden sind. Aber diese Punkte sind es nach meiner Meinung, die die Grundprinzipen unserer weiteren Politik bilden sollen. Wir müssen sehen, die Tore nach Osten offen zu halten und vor allen Dingen das ottomanische Judentum und das Judentum des Ostens zurückzugewinnen, sollen sehen, in Palästina, sei es durch ökonomische, sei es durch kulturelle Mittel, den Kibbuz Hoorez weiter zu führen. (Beifall.) Das sind die zwei Grundprinzipien der Politik, alles andere ist nur ein Mittel zum Zweck, und nach meiner tiefsten Ueberzeugung ist die Arbeit m der Diaspora auch nur ein Mittel zu diesem Hauptzweck. (Sehr richtig!) Wir müssen ferner sehen, die arabische Bevölkerung aufzuklären. Die uns verwandten Araber werden ein Verständnis für unsere Bestrebungen zeigen und werden unsere Freunde sein. Nun, ich will noch wenigstens mit zwei Worten auf die Bank und den Aufsichtsrat, dem ich nicht angehöre, eingehen. Wie ich bereits erklärt habe, habe ich gar keine Ambition, im Aufsichtsrate zu sitzen. Uebrigens weiß ich ganz genau, was dort vorgeht. Ich habe mir aber auch die Frage vorgelegt: ist es wahrhaft notwendig, daß der Aufsichtsrat aus lauter Kaufleuten besteht? Und ich halte nicht soviel von den kaufmännischen Eigenschaften meines Freundes M o t z k i n , daß e r gerade geeignet wäre, in den Aufsichtsrat zu gehören. (Heiterkeit.) Herr W o 1 f f - söhn lacht, ich weiß, warum Wolffsohn lacht. (Präs. Wolffsohn: Weil ich mich geirrt habe! — Heiterkeit.) Der Aufsichtsrat ist diejenige Körperschaft, die die zionistischen Richtlinien der Banktätigkeit festlegen soll, und um die zionistischen Richtlinien festzulegen, halte ich mich für gerade so kompetent wie Herrn Dr. Katzeneisohn oder Herrn Kann (Zustimmung), und ich sehe gar nicht ein, daß es heißt, die Bank einer Partei auszuliefern, wenn man den Aufsichtsrat und Actions-Comite identifiziert. Jetzt wird die Bank von einer erblichen Oligarchie mit einem Schwiegervater an der Spitze geleitet. (Schallende Heiterkeit. — Stürmischer Beifall.) Eine Oligarchie mit einem Schwiegervater an der Spitze will allein die Richtlinien festlegen. Herr Wolffsohn sagte ganz überzeugungsvoll gestern, wenn etwas zionistisch Wichtiges zu machen ist, dann natürlich, selbstverständlich wird er es unterstützen. Aber, Herr Wolffsohn, wer soll feststellen, was zionistisch wichtiger ist? (Lebhafte Zustimmung.) Es ist möglich, daß wir uns nicht darüber einigen werden, was zionistisch wichtig ist. Manchmal erscheint Ihnen etwas sehr wichtig, was mir unwichtig erscheint, und wahrscheinlich umgekehrt. So geht es also nicht zu machen. Ich glaube an Ihren väterlichen Willen, die Bank zu hüten, und ich weiß, Sie tun es gut, und darum wollen wir, daß Sie es;auch weiter tun. (Lebhafter Beifall.) Aber ich will kein schwiegerväterliches Verhalten von Ihnen, sondern ein brüderliches. (Stürmischer Beifall.) Ich schließe, indem ich Sie bitte, dem Actions-Comite für seine aufopferungsvolle Arbeit Ihren Dank und Ihr Vertrauen auszusprechen, aber ihm auch die Möglichkeit zu geben, zusammen mit dieser Oligarchie weiter die Arbeit zu führen, fruchtbringend zur Ehre der Bewegung und zum Frieden, den ich genau so wünsche, wie Herr Wolffsohn. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Vizepräsident Dr. Bodenheirner (den Vorsitz übernehmend): Ich erteile Herrn Dr. Friedemann das Wort zu einer Anfrage. Del. Dr. Friedemann: Verehrter Kongreß! Ich muß Ihr Gehör auf