Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 165)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 158 — auf den Verdienst sofort angewiesen. Was hat uns auch das Leben gezeigt? Wir haben in Palästina gerade nur auf denjenigen Kolonien und Besitztümern, wo die Institute gearbeitet haben, den Typus des jüdischen Arbeiters und des jüdischen Bauern geschaffen. Das ist auch eine Bedingung, für die man schwer bezahlen muß und die noch schweres Geld kosten wird, und nun frage ich Sie, wollen Sie diese Bedingung bezahlen oder nicht? Herr Fischer sagt, alles, was der offizielle Zionismus dort gemacht hat, ist ökonomisch faul. Es ist wahr, daß diese Tätigkeit ökonomisch noch eine schlechte Bilanz zeigt. Sie zeigt aber moralisch eine gute Bilanz, eine Bilanz von so und so viel jüdischen Arbeitern, die für die politischen Zwecke vom Standpunkte der Bedingungen mehr wert sind, als der ökonomische Verlust an den Gütern des Nationalfonds. (Lebhafter Beifall.) Wenn die zionistische Leitung die Gründung von Schulen in Palästina zu einem Bestandteil des Programmes macht, so wird sofort gerufen: Aha! das ist Kulturzionismus! Und Herr Fischer hat in seinem schönen und ehrlichen Artikel eine Rechnung gemacht, mit Proportionen; so und so viel Kultur, so und so viel praktische Arbeit, so und so viel Politik, und infolgedessen hat er aus dieser Berechnung die Summe gezogen, daß wir eher Achad-Haamistische Zionisten sind, als politische Zionisten. Herr Fischer, ich möchte das ein für allemal hier verstanden wissen, ich mache wahrhaftig den verzweifelten Versuch, Grundbegriffe der zionistischen Bewegung von dieser Tribüne aus noch festzulegen. Es gibt Momente im Leben von Völkern und auch im Leben des jüdischen Volkes, wo eine Schule auch eine politische Tat ist. (Lebhafter Beifall.) Legen Sie nicht sofort einen Zettel darauf und stempeln Sie das nicht sofort zu etwas, das nach Ihren Begriffen nicht Politik ist. Es gibt noch Leute in der Welt, die Politik anders anfassen, als die Herren Fischer, Syrkin, sogar als Herr Dr. Nordau. Ich habe, meine Herren, Herrn Fischer zugerufen und wiederhol« es auch jetzt, uns trennt eine Weltanschauung. Ich will das erklären. Wir sind nicht so dumm und so kindisch, wenn wir vielleicht auch Professoren, Dichter oder Gelehrte sind, um nicht die Schwierigkeit unserer jetzigen Aufgabe zu sehen. Wir, die wir seit Jahren an dieser Aufgabe arbeiten, wir sind die Letzten, diese Schwierigkeiten zu verkennen. Aber warum sind wir alle hier trotz der Schwierigkeiten? Weil in uns der Glaube lebt, daß im jüdischen Volke Kräfte schlummern, die erwachen und lebendig werden, wenn sie das jüdische Land berühren. Dieser innere Glaube, gepaart mit dem Willen zur Regeneration dieser Kraft, hat uns hierher geführt, und erst wenn Palästina vom Mittelmeer überschwemmt werden sollte, würden wir keinen Kongreß mehr haben. Solange dies aber nicht geschehen ist, solange werden wir zusammenkommen, weil uns dieser Glaube zusammengebracht hat, uns, die wir in der Judengasse waren und durch die Judengasse zum Zionistenkongresse gekommen sind. (Lebhafter Beifall.) Wenn Nordau nicht der große Einsiedler von Paris wäre, sondern in die Judengasse gekommen wäre, wäre auch er zum Zionistenkongreß gekommen. (Stürmischer Beifall.) Trotzdem uns Wolffsohn mit seiner Resignation gedroht hat, glaube ich es ihm nicht. Er ist besser als sein Wort. Er wird kommen, er wird da sein und arbeiten. (Stürmischer Beifall.) Der Grundsatz unserer Diplomatie ist folgender: Die Hauptgroßmacht, mit welcher wir verhandeln, ist das jüdische Volk. (Beifall.) Von dieser Großmacht erwarten wir alles, von den anderen Großmächten sehr wenig. (Sehr richtig!) Das ist unsere Anschauung und unser leitender Grundsatz. Meine Herren! Sie werden bald über die Bankfrage abstimmen, und Sie werden über die Leitung Ihr Votum abzugeben haben. Sie werden der