Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 163)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 156- — und Eisenbahnen baut, der wüstes Land bewässert und dadurch den Wert des Landes steigert, dadurch vielleicht bares Geld verliert, aber politisch einen ungeheuren Gewinn erzielt. (Lebhafter Beifall.) Nun, meine Herren, hat man eine Buchung vorgenommen. Man hat das investierte Geld abgeschrieben und urbei et orbi erklärt, die P. L. D. C. ist bankrott, ein bankrottes, faules Unternehmen. Nun will man ein anderes Unternehmen schaffen, um Bedingungen zu machen. Meine Herrschaften, Bedingungen kosten Geld, das sollen Sie als Bankiers wissen. Wenn man Bedingungen gratis bekommen könnte, dann wären vielleicht alle Juden Zionisten. (Heiterkeit und Beifall.) Und das ist das Glück, meine Herren, daß die Bedingungen noch teuer sind, sonst hätte lelleicht an Stelle des Herrn Wolffsohn ein ganz anderer gesessen, der auch ein Bankier wäre und uns vielleicht noch ganz andere Reden gehalten hätte. Was haben die Herren von der Politik gegen die P. L. D. C. gekämpft. Fortwährend gab es einen Feldzug gegen diese kleine Institution, die man im Keime ersticken wollte, und sie war nicht im Stande, zu leisten, was sie sich vorgenommen hatte. Wenn die P. L. D. C. noch nicht genug getan hat, so sind Herr Kann und seine Freunde in erster Linie dafür verantwortlich. (Lebhafte Zustimmung und Beifall.) Nehmen wir noch ein Beispiel. Mit der Gründung des Bezalel wurde noch ein Versuch gemacht, Bedingungen zu schaffen. Der Bezalel als Selbstzweck mag vielleicht nicht viel bedeuten. Für uns war der Bezalel eine Zelle, aus der sich weiter ein Organismus entwickeln wird, der gewisse Bedingungen in Palästina schaffen wird, d. h. eine Hausindustrie und Familien, die jetzt von der Chaluka demoralisiert werden, einem Erwerb zuführen wird. Gesetzt, meine Damen und Herren, eine solche Sache würde Millionen kosten, welcher Staat und welche Organisation, die für die Regeneration des Volkes arbeitet, und hauptsächlich doch für die Reorganisation der palästinensischen Juden arbeitet, die doch in erster Linie dafür in Betracht kommen, welche Organisation hätte nicht gesagt: Ich setze Millionen darauf, Wenn es auch Millionen kostet, die Sache muß sein, und die Hausindustrie muß geschaffen werden. (Lebhafter Beifall.) Nein, meine Herren, es ist wahr-- (Zwischenrufe.) Ich bitte, mich in Ruhe anzuhören. Vizepräsident Stand: Ich bitte um vollständige Ruhe und ersuche den Redner, weiter zu sprechen. Del. Prof. Dr. Weizmann (fortfahrend): Es ist ganz wahr, daß der Bezalel vielleicht vorläufig ein schlechtes oder schlecht geleitetes Geschäft ist, aber man darf eben nicht vergessen, daß vom rein merkantilen Standpunkt solche Sachen immer schlechte Geschäfte sind. Mit dem „kaufmännischen System" werden Sie Palästina nicht erwerben. (Stürmischer Beifall.) Heute, meine Herrschaften, kostet in Palästina ein Dunam Land so und soviel Franken. Morgen kann man vielleicht einen Preis bezahlen, der vom kaufmännischen Standpunkte tausendmal mehr ist, als das Land jetzt wert ist. Und ich frage Sie, werden Sie das Land kaufen oder nicht? Sie werden für das Land Palästina noch einen viel teureren Preis bezahlen, als den Sie jetzt in Geld zahlen. Sie wollen Bedingungen schaffen mit dem Bleistifte in der Hand, Sie wollen genau ausrechnen, ob es morgen einen Ertrag bringt und wollen nicht sehen, was übermorgen geschehen kann. Wenn Sie mit Ihren Rechnereien fortfahren, so können Sie an einen Punkt kommen, daß Sie überhaupt nicht imstande sein werden, etwas zu schaffen. Wir wollen nicht, — sagte Herr Fischer, — und das ist ein geflügeltes Wort in gewissen zionistischen Kreisen geworden — wir wollen nicht den Zionismus zu einem Kolonisations- und Kultur-Achadhaamistischen Verein degradieren. (Sehr richtig!) Gewiß! Sehr richtig! Ich werde Ihnen aber