Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 160)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 153 — eine Folge des Schutzes der Bank geworden ist. (Lebhafter BeifalL) Ob nicht die Bank, wenn sie weniger geschützt wäre, die Zionismen soweit aneifern könnte, daß auch tatsächlich etwas mehr für die Bank geleistet werden könnte? (Zustimmung.) Woher kommt es, daß merkwürdigerweise für den Jüdischen Nationalfonds jährlich Hunderttausende gesammelt werden und für die Jüdische Kolonialbank so wenig neu zusammenkommt. (Lebhafter Beifall.) Vielleicht ist gerade das! Prinzip des Schutzes der Bank ein so schädliches geworden, vielleicht müssen wir mit diesem Prinzipe brechen? Und weiter, meine Herren. Wie wird tatsächlich die Wahl zustande kommen, wenn Sie etwa den Beschluß fassen sollten, daß das Große Actions-Comite und die Mitglieder des Aufsichtsrates nicht identisch sein sollen? Das wird zur Folge haben, daß nicht hier und auch nicht im Permanenzausschusse, sondern draußen zwischen ein paar Personen verhandelt werden wird — so wie es das vorige Mal gewesen ist — ob die Liste so oder so sein soll. Da wrird über jeden Einzelnen verhandelt, und es wird gefragt werden, ist es mein Mann oder nicht? Das ist für uns demoralisierend, das ist ein Zustand, den wir auf die Dauer nicht aufrecht erhalten können. Wir können eine derartige Wahl überhaupt nicht Zustandekommen lassen, und wenn es wirklich darauf hinauslaufen sollte, würde ich es für meine Person wahrhaftig nicht als eine hohe Ehre betrachten, dem Actions-Comite anzugehören. (Zustimmung.) Doppelt unerhört wäre aber der Zustand innerhalb unserer Sitzungen. Gewöhnlich pflegten sich unsere Sitzungen folgendermaßen abzuspielen. Erst findet eine Sitzung des Großen Actions-Comites statt und darin — das Große Actions-Comite ist doch Ihre Vertretung, nicht die Vertretung des Direktoriums der Bank — bespricht man die Fragen, welche man eben zu besprechen hat, die prinzipiellen Fragen, entscheidet darüber, und oft kommt es vor, daß das Große Actions-Comite der Ansicht ist, daß hier die Bank, sagen wir temporär oder nicht temporär eingreifen muß; und daß das Eingreifen der Bank für die zionistische Organisation und für die Entwicklung des Zionismus und für die Entwicklung unserer Palästina-Institute von ungeheurem Werte ist. Dann findet eine Pause statt, und jetzt hält der Aufsichtsrat der Bank seine Sitzung ab. Da geht nun eine Anzahl von Mitgliedern heraus. Diese sind nicht mehr würdig, in dieser Sache mitzuberaten: Ihr gehört nicht zum Aufsichtsrate! Jedesmal fühle ich mich gekränkt, wenn ich sehe, wie meine Kameraden, wie meine Kollegen, die nicht weniger fähig sind als ich und andere, diese Angelegenheit zu beurteilen, herausgehen müssen. (Zwischenrufe.) Da läßt sich nichts bemänteln. Unter uns gibt es nur zwei Bankiers, die übrigen sind Kaufleute, und Kaufleute sind keine Bankiers! Jedenfalls fühlte ich mich jedesmal gekränkt. Ja ich fühlte mich nicht einmal imstande positiv mitzureden, selbst wenn ich das Recht gehabt hätte — ich hatte nicht das Recht, denn hinter mir stand ein bestimmtes Programm, aber ich wußte nicht einmal, welches Programm es war, für welches ich in den Aufsichtsratssitzungen zu kämpfen hatte. Oft setzte ich mir, der ich mit 13 gegen 8 Stimmen infolge der Macht einer einzigen Persönlichkeit gewählt worden war, die Frage vor: Habe ich nicht die Pflicht zu demissionieren, und oft genug war ich in der Lage, demissionieren zu wollen, ich wollte mich nicht in einer Zwangslage befinden, aber jedesmal sage ich mir, ich habe nicht das Recht, zu demissionieren, denn das sind Kampfkongresse gewesen, und wenn diese aufhören werden, dann wird sich auch eine solche Situation ergeben, daß jeder von uns in der Lage sein wird, so zu stimmen, wie es ihm sem Gewissen befiehlt und nicht so, wie ihm Einzelne zu stimmen zur Pflicht machen, Einzelne auf Grund irgend eines unbestimmten, nebelhaften Programmes. So war es auch zuletzt. Deshalb möchte ich, hoher Kongreß, Sie bitten, stimmen Sie dafür, daß das Große Actions-Comite mit dem Aufsichtsrat der Bank identisch sein soll, sonst werden Sie auch weiter den