Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 154)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 147 — haften ja alle so stark an Traditionen. Ich habe mir nun immer wieder die Frage vorgelegt, was Herr Fischer von uns eigentlich wolle. Das ist sehr wichtig, denn ich erkläre, daß Herr Fischer wirklich zu den Besten unter uns gehört, zu den Ehrlichsten, die mit Leib und Seele der Sache ergeben sind. Und nun frage ich mich, was eigentlich will er? Es handelt sich für ihn nicht nur um Propaganda. Was die Propaganda betrifft, so habe ich schon dieses Gebiet vorhin in kurzen Worten gestreift —- und ausgeführt, daß ich auf dem Standpunkt stehe, man könne die Propaganda des Zionismus ganz ruhig so weiterführen, wie sie früher war, man dürfe nicht die Absicht haben, das ehemalige System zu zerstören. Es handelt sich hier auch um reale Sachen. Und was die Realität betrifft, habe ich nicht herausfinden können, daß ein Unterschied besteht. Mit Worten allein kann nicht gedient sein, namentlich, wenn man an einen sozusagen unter vier Augen herantritt und ihm sagt: Lieber Freund, ich will jetzt ehrlich wissen, ich habe eine Verantwortung, das Gewissen drückt mich oft genug, sage mir, welchen Fehler weist der jetzige Zionismus in bezug auf die politische Arbeit auf, daß er für den Zionismus verhängnisvoll werden sollte, was eigentlich wünschest du an dessen Stelle? Und da, um es Ihnen kurz zu sagen, besteht der Unterschied nur in der einen (Formel — wenn man es überhaupt eine Formel nennen kann —: das gegenwärtige E. A. C. arbeitet mit dem Orient und Herr Fischer möchte mit dem Okzident arbeiten. Ich sehe hier nicht den geringsten Unterschied in der Weltanschauung. Es kann vorkommen, daß man heute mit dem Orient und morgen mit dem Okzident arbeitet. Es gibt keine absoluten Prinzipien in bezug auf Politik von vornherein. Klar aber ist, daß wir in einer solchen Situation sind und mit Rücksicht auf die Verhältnisse in Palästina und im gesamten Orient immer sein werden, daß jeder andere Rat, der uns erteilt wird, uns nur die Prämissen nehmen kann, die zur Erreichung unseres Zieles führen können. Jeder andere Rat bleibt nicht nur ein Rat, sondern er wird zu einer Katastrophe. (Beifall.) Ich sehe in dem Rate des Herrn Fischer nichts, wodurch wir unser Ziel positiv erreichen könnten, vieles aber, wodurch wir den Teil der Arbeit, den wir in Palästina und Konstantinopel leisten müssen, absolut unmöglich machen würden. Und mehr als das. Mit welchem Rechte nimmt sich Herr Fischer heraus, uns zu sagen, daß diejenigen, die gerade für die jetzige Politik arbeiten, nicht politische Zionisten, diejenigen aber, die für die andere Politik arbeiten, wohl politische Zionisten sind? (Lebhafter Beifall.) Wenn er gesagt hätte, es seien politische Zionisten, aber ihre Politik sei falsch, so würde ich es verstehen. Wenn man aber sagt, das sind Leute, welche überhaupt keine Politik in ihrer Arbeit anerkennen, so ist das einfach nicht richtig, so entspricht das einfach nicht den Tatsachen. Und weiter, meine Herren! Steht man auf dem Standpunkte — und ich vertrete diesen Standpunkt — daß wir Zionisten etwas für unsere nationale Wiedergeburt in Palästina zu erwarten haben, wenn der Orient stark sein wird — und wir können keinen anderen Weg finden — dann muß man sagen, daß das E. A. C, soweit uns bekannt, alle seine Kräfte eingesetzt hat, um nach dieser Richtung Erfolge zu erzielen. Wenn man behauptet, diese Erfolge träten nicht mit solcher Klarheit hervor, daß man sie genau mit Buchstaben und Formeln feststellen könnte, so ist das überhaupt kein Beweis, denn damit könnten sie unsere gesamte zionistische Arbeit in der Vergangenheit widerlegen; denn diese hat in bezug auf die Politik nicht einen einzigen schlagenden Beweis gehabt. Und trotzdem behaupte ich, daß der Zustand, in dem sich unsere politische Arbeit befindet, jetzt besser ist, als vor zwei Jahren. Das ist etwas, was gar keinem Zweifel unterliegt. (Lebhafter Beifall.) Darüber sollten wir uns alle freuen, auch diejenigen, die früher in der Leitung gesessen haben. Möglich ist — ich will darüber nicht sprechen — daß die frühere 10*