Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 153)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 146 — Spitze der „Welt" Männer stehen, welche mit ganzem Wesen innerhalb des Judentums sich befinden. (Lebhafter Beifall) Wenn, meine Damen und Herren, an der Spitze jedes jüdischen Organes ein Mann stehen muß, der ganz und gar vom Judentum durchtränkt ist, so muß an der Spitze der „Welt" noch mehr der Mann stehen, der voll und ganz aus dem Judentum selbst kommt und das Judentum wiederzugeben hat. (Lebhafter Beifall.) Das werden Sie in jedem Artikel dann empfinden. Dann wird auch der ganze Kampf, der zum Ausdruck kommt, einen ganz anderen Charakter gewinnen. Dann wird er einen Charakter gewinnen des jüdischen Geistes und nicht der Parteipolitik. Denn, meine Damen und Herren, und das ist die letzte Schuld, die ich noch dem E. A. C. vorzuwerfen habe — das haben wir während der ganzen Zeit noch immer empfunden. Viele von uns, auch ich bin darunter, haben dem E. A. C. bei der Uebernahme seiner Aufgaben gesagt: Meine Herren, bis zum nächsten Kongreß müssen Sie vergessen, daß es eine Parteipolitik gibt. Bis zum nächsten Kongreß gibt es für Sie nur einen Zionismus und nichts anderes! (Lebhafter Beifall.) Und wenn Sie dies nicht vergessen, so werden Sie sich selbst damit schaden. Sie sind unsere Vertrauensleute. Gekämpft haben wir auf dem Kongresse, nach dem Kongresse gibt es keinen Kampf und nach dem Kongresse müssen Sie diesen Kampf abschütteln mit allen Machtmitteln, dürfen Sie diesen Kampf nicht zulassen, Sie müssen das erste Beispiel geben. Sie müssen allen ihren Sekretären, Redakteurein, allen Personen, die Ihre Funktionäre sind, es durchaus als Richtschnur geben, daß sie sich nirgends mit Parteipolitik, sondern nur mit Zionismus zu befassen haben. (Lebhafter Beifall.) Jeder andere Versuch, meine Herren, wird Sie zweifellos schädigen und nicht nur Sie, sondern auch den Zionismus. Aber dies ist leider nicht befolgt worden. Das sind die Beschuldigungen, welche ich gegen das E. A. C. vorzutragen habe, und Sie wissen, daß ich überhaupt kein Blatt vor den Mund nehme, und dann immer das ausspreche, was ich tatsächlich denke. Ich werde aber Ihnen auch die andere Seite zeigen. Ich stimme trotzdem absolut dem Vorschlage zu, daß man dem E. A. C. volles Vertrauen zu geben hat, und zwar aus folgenden Gründen: In erster Reihe hat das E. A. C. gearbeitet. Ich habe Gelegenheit gehabt — ich kann sagen — zahllose Male die Arbeit zu beobachten, ich habe dies als eine meiner Pflichten betrachtet, denn schließlich sind wir doch diejenigen, die von Ihnen bei der Wahl in das Actions-Comite gewissermaßen auch mit dieser Pflicht ausgestattet wurden. Ich habe also die Arbeit des E. A. C. beobachtet und, geehrter Kongreß, ich kann wohl sagen, was die Menge der Arbeit anlangt, so ist das E. A. C. noch von keinem übertroffen worden, so hat dieses E. A. C. mit einer Intensität, mit einer Ergebenheit, mit einer Stetigkeit und Konsequenz gearbeitet, daß dies ihm die Berechtigung verleiht, von uns Vertrauen zu verlangen. (Lebhafter Beifall.) Das E. A. C. hat es verstanden, die Organisation sehr gut weiter auszubauen, es hat neue Mittel gefunden, um die Organisation fast zu einem Mechanismus zu machen, der von selbst arbeitet. Es hat es soweit gebracht, daß man mit Recht sagte, in Berlin könne heute die zionistische Organisation eine Zeitlang weiterarbeiten, selbst wenn das gesamte E. A. C. wegbleibt und das ist sehr wertvoll. Auf etwas anderes will ich jetzt eingehen, bezüglich dessen ich mit dem E. A. C. auch ganz besonders zufrieden bin. Gestern hat Herr Jean Fischer eine große Rede gehalten, in der er auseinandersetzte, was politischer Zionismus ist. Eines aber ist mir nicht klar geworden, warum e r nämlich den politischen Zionismus monopolisiert. (Sehr richtig.) Ich habe nicht nur politisch-zionistische Anschauungen, sondern auch in erster Reihe politisch-zionistische Stimmungen und Traditionen, denn wir