Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 152)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 145 — eine Gewähr für unsere absoluten Erfolge zu erblicken uns einreden. Wir wissen auch heute, daß diese oder jene Schöpfung, die wir in Palästina schaffen, uns nicht zufrieden machen darf. Seien wir doch ganz ehrlich miteinander! Worin besteht eigentlich, wenn ich so sagen soll, der Unterschied zwischen den beiden Riehtungen, nicht in bezug auf die Arbeit, sondern in bezug auf die Zufriedenheit und die Unzufriedenheit. Es gibt einen Teil unter uns, und zwar den größeren Teil, welcher mit dem jetzigen Stadium zufrieden ist — ich spreche nicht vom E. A. C. — zufrieden ist mit der Position, welche wir jetzt innerhalb der Judenheit einnehmen, und einen anderen Teil, der unzufrieden ist mit der Position, die wir in der Judenheit einnehmen, und darin besteht der große Unterschied. Aber, meine Damen und Herren, dieser Unterschied ist bloß eine Stimmungssache. Dieser Unterschied ist bloß von Wert für die Propaganda. Dieser Unterschied kann sich verdichten in den verschiedenen Reden, in den verschiedenen Monographien, in den verschiedenen Preßartikeln. Dieser Unterschied kann sich aber nicht verdichten in unserer wirklichen realen Arbeit, wie sie notwendig ist. (Lebhafter Beifall.) Nun meine Damen und Herren! Kein Zweifel, diesen Unterschied hätte auch das E. A. C. sich zu Gemüte führen müssen, als es die Leitung übernahm. Eine Leitung, die von einem Kongreß gewählt wird, der nur einmal in zwei Jahren tagt, muß sich von vornherein sagen, daß diese Leitung die Vertreterin des gesamten Zionismus ist, und daß die Leitung nicht die Möglichkeit hat, selbst auch nur einen kleinen Teil des Zionismus zu verstoßen. Dies hat die Leitung nicht verstanden. Das muß ich hier ausdrücklich erklären. Die Leitung hat zwar gesucht, Personen aus der Opposition soviel als möglich heranzuziehen, sie hat aber nicht gesucht, die Gefühle der Opposition, die Gefühle der anderen Teile zu schonen, sie allmählich daran zu gewöhnen, daß die Leitung der Richtung der Majorität an der Spitze ist. Dies war ein Irrtum der Leitung. Die Leitung einer Organisation, die freiwillig ist und die schließlich aus Teilen besteht, die durch ständige Arbeit und durch ständige Propaganda zusammengeschmiedet werden müssen, hat die Pflicht und Schuldigkeit, immer daran zu denken, daß es eine freiwillige Organisation ist, und daß es die erste Pflicht ist, diese Organisation zusammenzuhalten. (Lebhafter Beifall.) Und nun, meine Damen und Herren, will ich nur darauf hinweisen, inwiefern die Leitung Fehler begangen hat, als sie nicht nach diesem Prinzip verfuhr. In allererster Reihe in der „Welt" selbst. Es wurde schon darüber gesprochen, darum werde ich hier mich nicht in ausführlicher Weise äußern, aber ich kann es nicht unterlassen, auch meinerseits noch einmal zu betonen, daß es keine verantwortlichere Aufgabe gibt, als daß die „Welt" von uns allen samt und sonders, ganz gleich in welchem Lager wir stehen, als unser Organ betrachtet wird (lebhafter Beifall) und daß die „Welt" die Aufgabe hat, dieser Pflicht eingedenk zu sein, selbst für den Fall, daß sie nicht sensationelle und angeblich interessante Artikel in bezug auf die Gegensätze innerhalb des Zionismus zu bringen imstande sein würde. Denn es ist besser, wenn sie nicht solche bringt, als wenn sie solche bringt, die dem Zionismus Schaden verursachen (Zustimmung). Ein Zweites, womit ich unzufrieden bin, ist folgendes: Die Redaktion der „Welt" muß derart sein, daß man das Gefühl hat, sie sei ein Organ des Judentums, nicht nur des Zionismus, sie sei ein Organ, in dem das gesamte jüdische Leben und Streben, und in dem die gesamten Massenerscheinungen ihren Widerhall finden, anstatt sich damit zu befassen, ob ein Oppositioneller da und dort jenes gesprochen hat, anstatt sich .damit zu befassen, daß irgendein Oppositioneller in einer Versammlung dies oder jenes ketzerische Wort gesagt hat. Darüber haben wir auf dem Kongresse und nicht in unserem Organe, der „Welt", zu sprechen. Anstatt dessen muß man das Gefühl haben, daß an der 10