Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 147)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 140 — haben, durch derartige Anträge unmöglich mächt, weiter mitzuarbeiten .... (Ruf: Warum?) Das will ich ihnen gleich sagen. Es gibt gewisse Grenzen, wie weit man sich für eine Bewegung opfern kann. Man kann sein Leben, man kann seine Gesundheit, sein Vermögen, man kann alles hergeben, aber wenn es sich um fremde Gelder handelt, da hört die Gemütlichkeit auf. Wenn ich mir sagen muß, ich kann die Verantwortung nicht mehr tragen, wenn unsere Bank an eine Partei ausgeliefert wird (Ruf: Sie sind doch auch eine Partei!), dann wird keine Macht der Erde mich zwingen, weiter ein Amt anzunehmen. Dde Verantwortung für eine Bankleitung kann nur von den Leuten getragen werden, die die inneren Verhältnisse genau kennen. Der gute Wille ist bei Ihnen allen ebenso wie bei der Leitung vorhanden. Aber mit dem guten Willen allein ist es hier nicht getan. Ich sage Ihnen, ich und meine Kollegen würden nicht die Verantwortung übernehmen können, wenn man mit der Bank so verfahren sollte, wie jetzt hier beabsichtigt wird. Meine Damen und Herren, ich befinde mich in einem Zustande, daß ich wirklich nicht weiß, ob ich noch so glücklich sein werde, mehrere Kongresse mitzumachen. Es hat beinahe schon jetzt so ausgesehen, als ob ich auch diesen Kongreß nicht mehr werde mitmachen können. Trotzdem der Arzt und alle mir geraten haben : Gehen Sie nicht zum Kongreß, Sie werden mit Ihrem Herzen, das krank ist, sprechen, und das wird Ihnen nicht gut tun, sagte ich mir: Das letzte, um unsere Finanzinstitutionen zu beschützen, damit sie nicht ein Spielball von Parteien und Streitigkeiten innerhalb der Parteien werden! (Stürmischer, sich immer wieder erneuernder Beifall. — Bewegung.) Ich appelliere an den hohen Kongreß; ich appelliere an die Leitung selbst, der ich die ganzen zwei Jahre treu zur Seite gestanden habe, und sage: Solange ich leben werde, werde ich mich der Leitung unterordnen, auch wenn ich mit manchen Dingen unzufrieden sein sollte, denn gerade wir müssen strenge Disziplin halten, wir, die wir keine Mittel haben, zur Disziplin zu zwingen, wir, die wir keine Soldaten und keine Gendarmen haben, wir, die wir unserer Organisation freiwillig angehören. Ich appelliere an Sie Alle: Machen Sie es einer ganzen Reihe von Männern nicht unmöglich, weiter mitzuarbeiten. Zwingen Sie sie nicht, beiseite zu stehen. Geehrter Kongreß! Auf dem vorigen Kongresse wollte man eine Partei bilden. Wiederholt ist man an mich herangetreten: Gründen Sie eine politische Partei! Ich habe mich dagegen mit Händen und Füßen gewehrt, ich habe gesagt, ich anerkenne keine Parteien in unserer Bewegung, keine Partei, treu wie die Soldaten wollen wir dienen. Wenn Sie es uns aber unmöglich machen, dann werden wir zwar in der Bewegung bleiben, aber es könnte sich eine Partei bilden, die einen häßlichen Namen tragen würde: Partei zum Schutze der Finanzen! Ich richte nochmals den Appell an Sie, ich bitte Sie: Erschüttern Sie nicht die Grundsäulen unserer Organisation! Ueberlegen Sie, was Sie tun. Der Antrag auf Dechargeerteilung, der hier gestellt wurde, besteht, wie wir gehört haben, aus zwei Teilen. Der erste Teil will der Leitung das Vertrauen ausdrücken, der zweite Teil verlangt, daß die Leitung die Banken — Sie mögen es nennen wie Sie wollen, ich nenne das so — in die Hände bekomme. (Lebhafter Beifäll.) Wenn Sie einen derartigen Antrag stellen werden — werde ich Nein sagen, ich werde auch gegen die Diecharge stimmen müssen, weil ich es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren kann, daß man mit den Banken Experimente macht. Verketten Sie diese beiden Sachen nicht miteinander, lehnen Sie den zweiten Antrag von vornherein ab. Wenn Sie geeignete Leute haben, die in die Leitung der Bank hineinkommen sollen, so wählen Sie sie. Mir ist es ganz egal, was für Leute das sind, wenn sie nur