Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 145)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476276--4057-3480200- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 138 — lieh bemüht, sie zu halten. Es ging nicht. Unsere Leitung — und da mache ich ihr einen Vorwurf — hat sehr wenig getan, um Männer wie N o r d a u und Marmore k, aber auch einen Mann wie Kremen e z k y zu halten. Ich habe Kremenezky wiederholt gebeten, zum Kongresse zu kommen, er aber erklärte, es sei ihm unmöglich. Er hat an Prof. Warburg einen Brief gerichtet und seine Gründe auseinandergesetzt. Ich muß sagen, daß mir die Tränen in die Augen gekommen sind, als ich aus dem Brief entnahm, wie er mit sich kämpfte und es schließlich doch nicht über sich bringen konnte, zum Kongreß zu kommen. Wir sind Optimisten, aber wenn wir nur eine Schar Auserwählte bleiben, die den Zionismus in seiner ganzen Tiefe erfaßt haben, dann) kommen wir nicht vorwärts. Der Zionismus soll das ganze Judentum umfassen und unsere Arbeit, die erste, die wir neben der praktischen machen, muß sein, jeden zu überzeugen, daß es das Beste für ihn und uns alle ist, wenn er »Zionist wird. (Zustimmung.) Aber wehe uns, wenn wir anfangen, Leute vom uns abzustoßen. Das darf nicht vorkommen, daß man es Männern wie Dr. Nordau und Marmore! unmöglich macht, zum Kongreß zu kommen. (Lebhafter Beifall — Unruhe und Zwischenrufe.) Man hatte Nordau deshalb Vorwürfe gemacht, — und, meine Herren, auch ich habe ihm Vorwürfe gemacht und habe ihm gesagt: Sie haben kein Recht, fern zu bleiben. Er aber antwortete mir: Es hätte ja doch keinen Zweck. Die Zusammensetzung des jetzigen Kongresses nach der Arbeit, die die Sekretäre und die Leitung geleistet haben, wird eine derartige sein (Zwischenrufe und Unruhe) — ich zitiere nur Nordaus Worte —, daß Ihr doch nichts werdet ausrichten können. (Zustimmung — Unruhe. Del. Fischer: Ein Vater wird nicht „broiges"!) Ich sagte mir, der Kongreß wird es nicht zulassen, daß man mit unserer Bank, die zwar nicht das Fundament unserer Bewegung, aber das Fundament unserer Organisation bildet ... (Unruhe und Zwischenrufe.) Wenn wir nicht die Bank hätten, wären Sie hier überhaupt nicht zusammengekommen. (Oho-Rufe.) Ja, wissen Sie das nicht, daß am vorigen Kongreß die Leitung erklärt hat, wenn die Bank ihr kein Geld gibt, könne sie die Leitung nicht übernehmen? Wissen Sie nicht, daß zu allem, was die Organisation gebraucht hat, die Bank, was selbstverständlich tistt,, die Mittel hergegeben hat? Wenn Herzl die Banken nicht geschaffen hätte, ich weiß wirklich nicht, womit er die Organisation hätte zusammenhalten können. (Dr. Thon macht einen Zwischenruf.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Herr Dr. Thon, Sie sind ak Uebersetzer bestellt, aber nicht als Zwischenrufer. (Heiterkeit.) Präsident Wofffsohn (fortfahrend): Wenn ich sagen würde, die Leitung soll keinen Einfluß haben, dann hätte die Leitung recht. Als die Leitung im Direktorium durch ein Mitglied vertreten sein wollte, haben wir selbst gleich das geeignetste Mitglied, Dr. Jacobson, vorgeschlagen. Im Aufsichtsrat sitzen ja nur Mitglieder des Actions-Comites. Denn nur Mitglieder des Actions-Comites können Mitglieder des Aufsichtsrates sein. Die Bank liegt ja von jeher in den Händen der Bewegung. Nun kommt die jetzige Leitung und schlägt eine Neuerung vor. Früher gab es ein Actions-Comite von 60—70 Mitgliedern, von denen 21 Aufsichtsräte waren. Jetzt besteht das Actions-Comite .aus 30 Mitgliedern, wovon wieder 21 Aufsichtsräte sind. Da sagten Sie, es ist unwürdig, daß es Mitglieder des A. C. gibt, die nicht im1 Aufsichtsrate sitzen. Ja, meine Damen und Herren, ein Kaufmann, der eigentlich mehr Lust dazu haben müßfre als die Herren Gelehrten, Schriftsteller usw., fühlt sich gar nicht beleidigt, wenn er nicht in dein Aufsichtsrat kommt. Unsere Leitung stellt ein Prinzip auf, das geradezu gefährlich ist. (Zustimmung —- Widerspruch.) Heute ist diese Leitung am Ruder, und ich weiß nicht, was