Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 143)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 136 — ich darüber spreche und ich bin mir wohl bewußt, daß man darüber nicht öffentlich reden soll, aber Sie zwingen mich dazu. Wäre ich nicht überzeugt, daß jeder von Ihnen es ebenso ehrlich meint, wie ich und die Direktoren, ich würde mit Ihnen nicht so reden. Ich bin überzeugt, Sie j meinen es gut, aber man darf nicht in alle Dinge dreinreden. Schenken Sie doch jenen Vertrauen, die zehn bis zwölf Jahre an der Spitze gestanden und gearbeitet haben. Wenn Sie mit den Resultaten nicht zufrieden sind, sehen Sie sich doch das Hauptresultat, die Arbeit in , Palästina, an! Geehrter Kongreß! Was glauben Sie denn? Glauben Sie, ich will die Bank für mich? (Rufe: Nein!) Die Antwort war selbstverständlich! (Heiterkeit.) Glauben Sie, ich will die Bank für meine Erben? Glauben Sie, daß ich sie für die Direktoren oder meine Freunde will, oder für deren Erben? Glauben Sie vielleicht, daß es ein Vergnügen ist, für Geldinstitute jahrein jahraus zu arbeiten und als die einzige Tantieme, die man dafür erhält, alle zwei Jahre einmal beschimpft zu werden. (Heiterkeit. — Lebhafter Beifall.) Glauben Sie, meine Herren, daß es ein Vergnügen ist, für eine Bank zu arbeiten, die in London ihren Sitz hat und deren Direktoren in der ganzen Welt zerstreut sind? Ich sehe gerade vor mir einen Herrn sitzen, der in Rußland ebenfalls schwere Arbeit leistet. Irre ich nicht, dann hat dieser Herr früher heftig kritisiert, .aber jetzt, nachdem er mit uns arbeitet, jetzt kritisiert er nicht mehr. Meine Herren, 250 000 Coupons an 135 000 bis 150 000 Aktionäre, Leute, die nur 25 Kronen für die Sache hergegeben, aber nun dreinreden. Und das ist der Hauptfehler. Aber selbst das würde ich nicht übelnehmen, \ denn ^wir haben uns daran gewöhnt. Wir haben in zwölfjähriger Arbeit erreicht, daß die Gelder, die Fachleute und Bankiers für verloren erklärt haben, die Gelder einer Bank, von der alle gesagt haben, daß sie zugrunde gehen müsse, auf Heller und Pfennig bewahrt sind. Ja, es ist mehr da, <als man uns ursprünglich anvertraut hat. Hoher Kongreß! Wir haben ialso eigenes Kapital mehr, wir haben uns Vertrauen erworben und arbeiten im stillen. Lesen Sie den Bericht der A. P. C. nach — er ist in vier Sprachen erschienen —, sehen Sie sich an, was die A. P. C. geleistet hat, isehen Sie sich an, wieviel Vermögen darin steckt, sprechen Sie mit Fachleuten, iund man wird Ihnen sagen, das ist eine sehr schöne Arbeit. Wir verlangen aber nicht, daß Sie uns dafür belohnen oder uns Ihren Dank aussprechen. Was ich verlange, ist, daß Sie begreifen, warum wir uns dagegen sträuben, daß unsere Banken zum Spielballe von Parteiinteressen gemacht werden. (Stürmischer Beifall.) Geehrter Kongreß! Als wir die Bank gegründet haben . . (Unruhe) — es war hier in Wien, im Frühling 1898 — da waren einunddreißig Herren dem Rufe Dr. Herzls gefolgt. Dr. Herzl meinte, wir müssen eine Bank gründen. Von den 31 Herren, die anwesend waren, haben, glaube ich, mindestens 31 das Wort ergriffen (Heiterkeit). Und unter sämtlichen Herren waren nur zwei, die sich mit aller Entschiedenheit dagegen aussprachen. Der eine war Herr Stanislaw Landauj Lodz, ein Bankier, und der zweite war ich. Ich sagte Dr. Herzl, eine f Bank können nur Bankiers machen, Schriftsteller, Professoren — da waren \ Nord au, Mandelstamm u. v. a. — können das nicht. Und ich bin damals sogar grob geworden und sagte: Stiefel kann nur ein Schuhmacher machen. Doktor ^Nordau ist der größte Mann unter uns, aber wenn er mir Stiefel machen sollte, würde ich sie nicht tragen. (Lebhafte Heiterkeit.) Es will alles gelernt sein, und wir haben keine Bankiers unter uns, die eine Bank gründen können, deshalb dürfen wir noch nicht eine Bank gründen. Darauf hat mir Dr. Herzl geantwortet: Was wir nicht haben, werden wir uns eben schaffen. Ich habe seinen Mut,