Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 140)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 133 — ist? Ich bitte die Ordner, sich auf ihre Plätze zu begeben und dafür zu sorgten, daß die Ruhe hergestellt werde. Wir sind doch eine politische Bewegung, und ich glaube, es ist eine politische Tradition, daß man den Gegner anhört. (Rufe: Kein Gegner!) Es ist eine politische Tradition, daß man die gegnerische Meinung ruhig anhört. Ich bitte also nochmals um völlige Ruhe. Sollte es nicht möglich sein, in Ruhe zu verhandeln, wären wir genötigt, von den Grundsätzen der Geschäftsordnung Gebrauch zu machen und eventuell die Sitzung zu unterbrechen. Ich möchte Sie dringend bitten, mich zu unterstützen. Ich bitte auch den Herrn dort drüben, der immer etwas erregt zu sein scheint, Ruhe zu haltten. (Heiterkeit.) Präsident Wolffsohn (fortfahrend): Geehrter Kongreß! Ich befürchte nicht, daß man meinethalben die Versammlung auflösen wird. Sie werden mir zutrauten, daß ich schon eine gewisse Uebung im Zionismus erlangt habe und weiß, ob ich über eine Sache reden darf, weiß auch meine Ausdrücke zu wählen, und wenn ich auch etwas temperamentvoll bin, wie dies ein Zionist sein soll, werde ich nicht über die Stränge schlagen. Wenn Sie dazwischen rufen und sich aufregen, dann können allerdings Mißverständnisse vorkommen, dann bin aber nicht ich verantwortlich, sondern Sie, weil Sie dazwischen rufen. Wir wollen jetzt zur Sache kommen. Herr Dr. Leon Reich hat hier gesagt: Die Bewegung ist die Seele, die vertraut man der Leitung an, aber das Geld, das will man der Leitung nicht geben, und er hat dies als „unwürdig" bezeichnet. Ich glaube, Herr Podiische wski hat in einer Sitzung des Actions- Comites einen sehr guten Vergleich angestellt. Er sagte, es komme ihm so vor, als ob jemand seine Tochter dem Schwiegersöhne gibt, aber die Mitgift ihm nicht anvertrauen will. (Heiterkeit.) Das ist aber auch sehr richtig. Wenn man sich einen Schwiegersohn nimmt, der von Geschäften nichts versteht, dann gibt man ihm wohl die Tochter, wenn er ein anständiger Mensch ist, aber man vertraut ihm das Geld zur Verwaltung nicht an (erneute lebhafte Heiterkeit und Beifall), und zwar, geehrter Kongreß, im Interesse der Tochter und des Schwiegersohnes. Der Schwiegervater sorgt dafür, daß das Geld gut verwaltet wird. Wenn Herr Leon Reich sich wundert, daß man die Seele der Leitung anvertraut und nicht das Geld, da muß ich sagen: Wenn man Kinder hat, vertraut man sie dem Lehrer an, aber man gibt doch dem Lehrer nicht auch deren Vermögen zur Verwaltung! (Zwischenrufe und Unruhe.) Für alles und jedes muß man die nötigen Kenntnisse mitbringen. Wir sind zwar keine Gesellschaft, die Geschäfte machen will. Wir haben ein hohes Ideal, ein hohes Ziel; wenn wir aber etwas unternehmen wollen, was man ohne Geld nicht machen kann, so darf man dazu nur solche Leute nehmen, die das Geld auch verwalten können. (Lebhafter Beifall.) Meine Herren! Ich zweifle nicht daran, wir waren auch keine geborenen Bankiers. Herzl war auch kein Bankier, aber als er die Bank gegründet hat, da hat er sich Leute zusammengesucht, denen er die Bank übergeben hat. Es sind auch damals manchmal Streitigkeiten vorgekommen, die Bankleitung hat zuweilen auf ihrem Standpunkt beharrt, manchmal hat sie nachgegeben, je nach den Umständen. Aber Herzl hat die Leute mit allen Mitteln, die ihm zu Gebote standen, zu halten gesucht. Bei jeder Bankdebatte, in der Herzl das Wort ergriffen hat, pflegte er immer wieder zu betonen, die Banksadhen müssen von Leuten verwaltet werden, die mit Geldern umzugehen verstehen. Er hat die Bankverwaltung, die heute noch zum größten Teil besteht, zu halten gesucht. Unsere jetzige ,Leitung hat weniger Verständnis dafür, indem