Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 139)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 132 — Meine Damen und Herren! Das Geld, das wir haben, ist nicht wie gewöhnliches Geld, es ist Geld, das man uns unter ganz besonderen Umständen und für ganz besondere Zwecke anvertraut hatte, aber es muh wie anderes Geld, es muß doppelt so gut wie gewöhnliches Geld verwaltet werden. Das wird jeder von Ihnen begreifen. (Lebhafte Zustimmung. — Berichterstatter Dr. Hantke: Sehr richtig!) Herr Dr. Hantke sagt auch: Sehr richtig! Ich möchte auch niemandem raten, zu sagen: Nicht richtig! Da kommen nun die Herren und sagen — und ich habe es heute von sehr gescheiten Leuten, von Dr. Reich, von anderen Herren und sogar von Herrn Ussischkin gehört — die Banken sind nur für unsere Bewegung da, das Geld ist zionistisches Geld und gehört nur für Palästina. Geehrter Kongreß! Sie irren sich: Die Schekelgelder sind zionistische Gelder, meinetwegen auch der Nationalfonds. Diese Gelder hat man uns für bestimmte Zwecke zur Verfügung gestellt, und wir können damit schalten und walten/ wie wir wollen und haben höchstens moralisch Rechenschaft abzugeben. Wenn wir unser Bestes tun und die Gelder gut verwenden, wird uns kein Mensch einen Vorwurf machen können. Die Gelder unserer Banken aber sind fremde Gelder. (Stürmischer Widerspruch. — Rufe: Unser Geld! — (Lange andauernder Lärm.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer (das Hammerzeichen gebend): Ruhe! Ruhe! Präsident Wolffsohn: Sagen Sie, meine Herren, wäre es nicht gescheiter, wenn Sie mich reden ließen oder meinetwegen einer von den Herren dazwischen reden würde, aber doch nicht alle auf einmal! (Rufe: Sie provozieren uns!) Sie sagen, ich provoziere Sie. (Zwischenrufe seitens des Delegierten Wo 11 s t e in e r.) Herr Wollsteiner, ich sage Ihnen . . . Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Herr Wolffsohn, ich bitte einen Augenblick innezuhalten. Der Zwischenruf, der eben von Herrn W o 11 s t e i n e r erfolgt ist, grenzt an dasjenige, was parlamentarisch noch eben erlaubt ist. Präsident Wolffsohn: Aber nein, ich will . . . Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Erlauben Sie, Herr Wolffsohn! Ich möchte die Herren dodh bitten, alle Zwischenrufe zu unterlassen. Herr Wolffsohn hat wohl das Recht, seine Ansicht dem Kongresse mitzuteilen und darf darauf rechnen, daß er ruhig angehört wird. Präsident Wolffsohn: Ein Herr hat mir zugerufen, daß ich provoziere, wenn ich sage: andere Gelder (Rufe: fremde Gelder!), fremde Gelder. Das ist es eben, worüber ich sprechen will: Ich habe das Geld der Aktionäre im Auge. (Zwischenrufe.) Wenn Sie Aktien haben, sehr schön von Ihnen. Ich möchte aber behaupten, daß hier im Saale nicht so viel Aktien vertreten sind, wie die jüdische Kolonialbank hat (lebhafter Bteifall), und ich möchte, meine Damen und Herren, den sehen . . . (Lebhafte Zwischenrufe. — .Ruf: Was beweisen Sie damit?) Sie lassen mich ja nicht reden. Und wenn Sie schon, meine Herren, sich so furchtbar aufregen und es als Provozierung betrachten, wenn ich sage, das Aktienkapital ist nicht unser Geld, über welches die Leitung zu verfügen hätte, dann frage ich Sie: Sind die zehn Millionen Depots bei unseren Banken, die wir verwalten, vielleicht auch unser zionistisches Geld; (Rufe: Nein! — Stürmischer Beifall. — Lärmender Widerspruch. — Zwischenrufe: Sie schaden der Bank! — Großer, langanhaltender Lärm.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer (unausgesetzt den Hammer schwingend): Geehrter Kongreß! So können wir nicht verhandeln! Ich bitte um Ruhe. Darf ich bitten, daß der Herr da unten, der jetzt spricht, ruhig