Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 138)
- Language
- German, English, Hebrew
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— lai — Herr Dt. Hantke hat gestern, um Ihnen nur ein Beispiel anzuführen, gesagt, daß die neue Leitung 50 <y0 mehr Schekel hineinbekommen habe als die alte Leitung. Darunter versteht jeder normale Mensch, daß die Schekel sich im letzten Kongreßjahre verdoppelt haben. (Lebhafter Widerspruch. Lebhafte Zwischenrufe.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich bitte um Ruhe! Herr W o 1 f f - söhn wird antworten. Präsident Wolffsohn: Meinen Sie wirklich, ich wisse nicht, was 50 o/o sind? Ich will damit sagen, Herr Dr. Hantke habe behauptet, daß die Schekel sich um 50 °/o vermehrt hätten. Meine Herren, ich traue Herrn Dr. Hantke nicht zu, daß er hier ein Taschenspielerstüdkchen machen wollte, möchte Sie aber auf die Tatsache verweisen, daß man früher 40 % an die Landsmannschaften zurückvergütet hat, ferner darauf, daß in diesem Jahre, wie uns gesagt wurde, 127 000 Schekel — von der „Well" sind 116 000 ausgewiesen — eingegangen sind, während auf dem vorigen Kongresse 104 000 Schekel ausgewiesen waren. Wo also sind die 50 o/o Mehreinnahme? Ich führte das nur als Beispiel an und werde mich damit nicht weiter aufhalten. Ich behaupte, daß die Seiten 79 bis 81 des Berichtes, die Zahlen und die Erklärungen dazu, nicht so sind, wie eine Bilanz nach kaufmännischem Usus sein muß. Eine Bilanz muß klipp .und klar sagen, wie die Verhältnisse liegen. Sucht man diese, was das ,E. A. C. doch nicht beabsichtigt haben kann, irgendwie anders darzustellen, dann haben die Kaufleute eine sehr unangenehme Bezeichnung für derartige Bilanzen. Ich habe dies, wie gesagt, nur als Beispiel angeführt, und zwar notgedrungen. Ich mache dem E. A. C. nur das zum Vorwurf, daß «es sich nicht dazu Fachleute nahm, die ihm die Bilanz so gemacht hätten, daß derartige Kritiken nicht möglich gewesen wären. Ich könnte auch über die Ausgaben für das Jahr 1912/13 sprechen, die absolut nicht übereinstimmen mit dem Voranschlage, ferner darauf hinweisen, daß ein Posten „Handlungsunkosten" hineingekommen ist, ein großer Posten, der früher in der „kaufmännisch-zionistischen" Bilanz niemals vorgekommen ist, denn wir machen keine Handelsgeschäfte. Ich könnte auch darauf hinweisen, daß die „Welt" von der man uns gesagt hat, daß sie kolossale Ueberschüsse bringen werde, große Abschreibungen nötig macht usw. usw. Dies, geehrter Kongreß, nebenbei erwähnt, ich will diesen ^Gegenstand verlassen, über den ich nur deshalb gesprochen, weil ich darauf hinweisen wollte, daß es wohl einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen geistiger und kaufmännischer Arbeitsweise. (Lebhafter Beifall.) Geehrter Kongreß! Ich bin jahrelang — das wissen ja die meisten von ihnen — hauptsächlich damit bekämpft worden, daß ich zuviel Kaufmann bin. Man hat mir vorgeworfen, daß ich es nicht verstanden habe, unser Ideal hochzubringen, die zionistische Idee zu vertiefen, und wie alle diese Anklagen gelautet haben; man hat dafür ein Wort geprägt, das besonders unsere Hebräer und die Jiddisch-Schreibenden ironisch mit dem Worte bezeichneten: „Echt kaufmännisch!" (Zwischenrufe.) „Echt kaufmännisch" hat man mir also zum Vorwurfe gemacht. Man sagte also, man könne nicht dem Kaufmann in Köln die Bewegung überlassen, dazu müssen wir uns geistig hochstehende Männer wählen, Männer, die das jüdische Leben kennen usw. Nun, meine Herren, das ist geschehen, unter Bedingungen, die heute bereits Herr Fischer auseinandergesetzt hat. Ein Friedensvertrag war es: Ihr bekommt die Leitung, auf die Bank habt Ihr einen Einfluß, aber im übrigen bleibt es beim alten! Und nun kommt dieses E. A. C., das für unsere kulturellen und geistigen und hohen Interessen zusammengesetzt und gewählt worden ist, und sagt zum Kongresse: Gebt uns das Geld! (Lebhafter Beifall. — Zwischenrufe.) 9*