Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 137)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 130 — Präsident Wolffsohn: Geehrter Kongreß, meine verehrten Damen und Herren! Ich bin nicht, wie Freund Syrkin, der Ansicht, daß unsere Idee und unsere Organisation zu einer Geldsache geworden ist. Er sprach davon, daß man sich bei uns um die Seele nicht mehr kümmert, nur um den Körper. Ich möchte aber diesen Vergleich annehmen. Ich betrachte die zionistische Idee als die Seele, die Organisation als den Körper, und ich möchte nicht, wie Herr Syrkin, nur für die Seele sorgen, ich sag: Ha-Nschomoh loch we Ha-Guf scheloch — die Hauptsache ist: asseh le maan schemecho. (Lebhafte Zustimmung, Beifall.) Ebenso wie die Pflege der Seele ist auch die des Körpers notwendig. Es ist notwendig, daß unsere Organisation gepflegt wird, denn nur in einem gesunden Körper kann auch eine gesunde Seele Tüchtiges schaffen und wirken. Herr Dr. Tschlenow, mein Vorredner, sagte, er sei zufrieden. Er zitierte Dr. Klee, der auch einmal auf einem Kongresse gesagt hat: Wir sind zufrieden. Meine Damen und Herren! Ich kann das leider nicht sagen. Es ist für mich eine unangenehme Aufgabe, wenn ich hier als Generalredner auftreten muß, um Kritik an meinen Nachfolgern, an der jetzigen Leitung, zu üben. Ich hätte es auch nicht getan, wenn dieses E. A. C. vom Kongreß nicht etwas verlangt hätte; was ich geradezu als eine Gefahr für unsere Bewegung und für unsere Organisation betrachte. Wenn ich befürchte, daß unsere Organisation irgendwie in Gefahr kommen könnte, dann werden Sie begreifen, meine Damen und Herren, daß ich keine Rücksichten nehmen kann und nehmen darf. Dennoch fürchten Sie nicht, daß ich etwa eine Kritik üben werde, wie ich sie im Laufe der drei Kongresse, als ich an der Spitze der Leitung gestanden habe, zu hören bekommen habe. Was hat man der Leitung nicht alles vorgeworfen: warum sie uns noch nicht zum Ziele geführt hat u. dgl. Für alle Fehler und Zänkereien, die in irgendeiner Landsmannschaft vorgekommen sind, wurde die Leitung verantwortlich gemacht, kurz, man hat oft Unmögliches von der Leitung verlangt. Ich verlange nichts Unmögliches. Was ich verlange, glaube ich, muß jeder Zionist verlangen ohne Rücksicht, ob er dieser oder jener Richtung angehört. Ich verlange von der Leitung, daß sie sich als Leitung der gesamten Organisation fühlt, nicht als die einer Partei in jler Organisation. (Lebhafter Beifall.) Diese Leitung ist durch einen Kampf auf dem Kongreß gewählt worden und hat jetzt die Zügel in den Händen. Aber von dem Momente, wo sie an die Spitze der Organisation getreten ist, hätte sie keine einzelnen Parteien mehr kennen, sondern jeden Zionisten und jede Richtung als Richtung innerhalb der Organisation anerkennen und unparteiisch gegen jedermann sein sollen. (Stürmischer Beifall.) Daraus resultieren aille Fehler, deren man hier das E. A. C. angeklagt hat: mit der „Welt", mit Dr. Nord au und verschiedenes andere, das ich nicht wiederholen will. Ich habe das Gefühl, und jeder von Ihnen wird dasselbe Gefühl haben, daß man nicht ganz unparteiisch vorgegangen ist, und das ist ein großer Fehler, aus dem die anderen Fehler wieder herauswachsen. Zweitens: Ich verlange von der Leitung, daß jedes Wort, das sie schreibt und ausspricht, ohne jedwede Rücksicht auf Parteien oder auf Gegner oder auf Feinde absolut glaubwürdig sein soll, insbesondere wenn es sich um Zahlen handelt. Ich hätte auch das nicht erwähnt, wenn ich nicht durch das Verlangen der jetzigen Leitung, die Bank in die Hände zu bekommen, dazu gezwungen wäre. In dem Bericht, den wir vom E. A. C. bekommen haben — ich spreche nur über die Geldangelegenheiten — sind drei Seiten, die Seiten 79—81, die tatsächlich — wie soll ich das sagen — ich möchte wirklich keine Worte gebrauchen, die beleidigend klingen könnten — nicht richtig sind. (Hört! hört!)