Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 130)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 12a — Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Es ist wohl keine Beschränkung der Redezeit beschlossen worden, allein ich möchte den Herrn Redner Hoch bitten, sich möglichst kurz zu fassen, damit die andern Redner auch zum Worte gelangen. Del. Syrkin (fortfahrend): Wenn jemand zum Zionistenkongresse kommt und sagt: Die Wege, die wir bis jetzt eingeschlagen haben, sind nicht die einzig richtigen, es müssen andere Richtlinien aufgestellt) werden, so heißt das mit anderen Worten: wir müssen zusammen neue Wege suchen, parallel den alten, die jetzt eingeschlagen werden, die uns unserem Ziele näher bringen könnten. Die politischen Zionisten legen ein bestimmtes Programm vor. Wir sind aber nicht dazu da, um in Einzelheiten einzugehen. Ich habe mehr Vertrauen in unser E. A. C. und glaube, wenn wir diese kategorische Forderung von der Höhe dieser Tribüne aus an unsere Behörde stellen, so wird sie Mittel und Wege finden können, die uns auch in dieser Richtung vorwärts bringen können. Vielleicht sind die Herren des E. A. C. im Irrtum, weil sie diese Forderungen sehr selten gehört haben. Und wenn einmal eine derartige Forderung ertönt, wird sie überschrien, und man läßt sie nicht zum Worte kommen (Zwischenrufe). Ich komme nun zu einem wunden Punkte (LärnnRuf: Sie sind ja ein Obstruktionsredner. Es kommt ja niemand mehr zum Worte!) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich bitte, derartige Zwischenrufe zu unterlassen. Del. Syrkin: Und nun komme ich zum Schluß noch dazu, einen wunden Punkt zu berühren. Es ist für niemanden ein Geheimnis, daß in unserer Organisation wieder einmal eine Opposition entstanden ist. Es ist für keinen ein Geheimnis, daß einige eminente Persönlichkeiten dieser Opposition aus dem Standpunkte ihrer oppositionellen Stimmung dem Zionismus gegenüber falsche Konsequenzen gezogen haben und vom Kongresse ferngeblieben sind (Zwischenrufe). Ich möchte über diese Opposition noch ein paar Worte sagen. Es sind Leute da, die meinen, daß es uns nicht schaden werde, wenn eine Gruppe, die jetzt noch in der Opposition ist, dem Kongresse fern bleibe. Es gibt Leute, die sich sägen, daß wir über eine solche kleine Gruppe einfach zur Tagesordnung hinweggehen können. Ich behaupte nun, es gibt keine solche große Kluft zwischen dieser Opposition und der jetzigen Majorität, daß man sie nicht überbrücken könnte. Deshalb appelliere ich an Sie, meine Herren, die Kluft jetzt nicht zu erweitern und keine neuen Trennungsmotive zu suchen, sondern im Gegenteil, eine Brücke des Friedens zu bauen und diejenigen, die jetzt in der Opposition stehen, heranzuziehen zu suchen. (Beifall.) Es wird von großem Nutzen für unsere Bewegung sein, wenn wir mit großer Toleranz die Stimme dieser Opposition anhören, vorausgesetzt, daß diese Stimme der Opposition hier im Kongreßsaale oder in der Mitte der zionistischen Körperschaften ertönt, vorausgesetzt, daß diese Opposition in unserer Mitte bleibt. (Lebhafte Zustimmung.) Und von hier aus sende ich den Ruf einerseits an die Opposition, daß sie zu uns zurückkehrt, und hier mit uns in ihrem Geiste zusammen arbeitet, und anderseits an unsere Majorität, daß man Wege und Brücken suche, wie man diese Kluft überbrücken könne (lebhafter Beifall). Und nun zum Schluß gestatten Sie mir, meine Herren, Ihnen folgende Resolution vorzuschlagen. (Liest hebräisch und übersetzt dann deutsch): „Der XI. Kongreß, die politische volkstümliche Grundlage des Zionismus hervorhebend und die Wichtigkeit der kulturell nationalen und politisch ökonomischen Gegenwartsarbeit in Palästina und in der Diaspora betonend, spricht dem E. A. C. sein volles Vertrauen aus. (Lebhafter Beifall.)