Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 129)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 122 — in Erez Israel, sondern auch in der Diaspora, im Galuth. Wir fordern nicht nur die papierene Anerkennung dieses Programms, sondern seine Uebertragung in die Wirklichkeit in dem Sinne, daß die Gegenwartsarbeit gefördert wird, im nationalen Sinne. Nun sagt man: Wenn Sie das tun, so bringen wir in den Zionismus alles hinein, nur die reale Arbeit in Palästina wird darunter leiden. Das ist eben auch eine Folge der Kurzsichtigkeit. Wenn jemand sagt, was ich säe, muß ich ernten, so ist das ein großer Fehler. Ein Politiker, ein politischer Arbeitet, sieht weiter und sagt sich: Zu allererst muß ich das Feld vorbereiten, ich muß eine bestimmte Atmosphäre, eine Stimmung schaffen, und dann wird das im Nu gelingen, was jetzt Mühe und Pein kostet. Meine Herren, ich kenne die Arbeit meiner Kollegen, die zugunsten verschiedener Institutionen nach verschiedenen Städten kommen, und da Kiew fast ein kleines Dorado ist, habe ich das Privilegium, mehrere zu sehen. Meint nicht, daß ich diese Arbeit unterschätze, meine größte Hochachtung vor dieser Arbeit. Ich kenne die Chaluzim, ich kenne diese Mühe und die Pein, die Sorge, die sie dabei haben, diese aufreibende Arbeit, und ich weiß sie auch zu schätzen und ich bin überzeugt, daß auch der Kongreß sie zu schätzen weiß, aber wenn wir das kleine Teilchen zum Ganzen machen, dann leidet unsere Sache. Wenn wir uns sagen, wir werden al zchiach selah, auf dem Felsen säen, dann ist das wirklich nicht praktisch. Besser wäre es, wenn diese unsere vortrefflichen Kollegen, Brüder und Gesinnungsgenossen zu uns kommen würden, um den zionistischen Gedanken zu stärken, damit sie zuerst die Seele erwärmen, das Rchusch wird schon kommen. Bei uns ist aber eine verkehrte Ordnung. Man düngt nicht, man bereitet das Feld nicht vor, man sät um zu bald zu ernten, und daher bekommen wir nur eine spärliche, eine karge Ernte. Wir müssen jetzt die Ordnung ändern, und dann werden wir viel mehr ernten. Es gibt keinen politischen Zionisten, der auf dem falschen Standpunkte stände, die reale Arbeit in Palästina sei nicht eine der wichtigsten Grundlagen der zionistischen Arbeit. Nun gibt es aber einen kolossalen Unterschied zwischen unserer Auffassung und der Auffassung der sogenannten Praktischen. Wir meinen, daß das E. A. C, das an der Spitze einer großen Volksbewegung steht, in erster Reihe die Bedingungen schaffen muß, unter denen sich eine große Kolonisation verbreitern und gründen könnte. Wir sind nicht der Atisicht, daß wir die Arbeit unseres E. A. C. zu einer Kolonisationsgesellschaft herunterdrücken müßten, (lebhafte Zwischenrufe. Ruf: Was sollen wir tun?) Machen Sie mir doch, meine Herren, die Aufgabe nicht schwer. Ich weiß, wir sind in der verschwindenden Minorität. Nie aber ist noch auf dem Zionistenkongreßi eine Minorität vergewaltigt worden. Meine Herren, wir politischen Zionisten stehen auf dem Standpunkte, daß das E. A. C. sich nach jeder Richtung Mühe geben muß, die private Initative zu fördern, Menschen, Kapitalien, für Palästina heranzuziehen und zu ordnen. In allererster Reihe steht aber die Aufgabe, daß das E. A. C. die Bedingungen zu schaffen sucht, unter welchen die Kolonisation gedeihen kann. (Zwischenrufe: Wie?) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich bitte doch den Herrn Redner nicht zu unterbrechen. Del. Syrkin: Ich bin herausgefordert worden und muß antworten. Man fragt: Wie macht man das? (Rufe: Jawohl!) Auch das ist eine Folge der Kurzsichtigkeit unserer Politik. Meint man wirklich, wir kommen her und haben dieses Geheimnis in der Tasche und wollen dieses Geheimnis hier im Kongreß wie die Lichtstrahlen von einem Leuchtturm aus herumwerfen? Die Tragödie, das Wehe, das Leid, besteht eben darin, daß wir diese nötigen klaren Wege erst suchen müssen. Ihr aber wollt sie gar nicht suchen (lebhafter Beifall und lärmender Widerspruch).