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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 121

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 121 (sequence 128)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 121 — waren, daß wir uns von anderen diktieren lassen mußten und wir waren die Mitläufer. (Lebhafter Beifall.) Meine Herren! Sie wissen, die ökonomische Lage in unserem Lande war nie glänzend. Zu den früheren Faktoren ist neu hinzugekommen eine progressive Kraft, die uns jetzt gefährdet, das ist die Kraft der kooperativen Bewegung, die den Vermittler, den Juden also, aus prinzipiellen Gründen ausstoßt. Es sind jüdische Organisationen dazugetreten, eine jüdische Kooperativbewegung zu schaffen, jüdische Kooperativinstitute zu gründen. Nicht Zionisten waren das leider, Fremde waren es. (Unruhe.) Wenn wir am Kongresse sind, können wir uns alles zuschreiben und sagen, das haben wir gemacht Aber nach den Feiertagen kommt der graue Alltag der Arbeit. Können wir da auch mit diesem unseren Verschreien eine Antwort auf die brennenden Lebensfragen geben! Das ist nicht der Weg. Der allrussische Delegiertentag der Kooperativbewegung in Kiew zählte 250 jüdische Mitglieder. Darunter waren vielleicht 15 Zionisten. (Zwischenrufe und lebhafte Unruhe.) Jawohl — es ist keine Kongreß»- sache? Ich erdreiste mich, zu glauben, daß es aber doch eine Kongreßfsache ist, denn die erste Kongreßsache ist die Einigung und die Einheit des jüdischen Volkes. Nun stehen wir vor einer anderen Schmach, und ich glaube, daß das E. A. C. auch auf das reagieren mußte. Nie war in unserem Lande eine solche Erscheinung vorgekommen, wie in der letzten Zeit diese schmähliche scheußliche Bewegung des Schmad. Nie hatten wir so verbrecherische, leichtsinnige Verräter, die die blutübergossene Fahne verlassen und in das Lager des Feindes, des Verfolgers übergehen. (Unruhe.) Ja, meine Herren, alles könnt Ihr verhöhnen, das weiß ich. Ihr werdet mir auch sagen, können wir denn dem Schmad Einhalt gebieten? Es gibt aber eine Kehrseite dieser Bewegung. Ja, Verräter hatten wir immer in unserem Lager. (Lärm.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich möchte Sie doch bitten, mit größerer Ruhe zuzuhören und Zwischenrufe zu unterlassen. Wenn Sie anderer Meinung sind, können Sie ihr nachher bei der Abstimmung Ausdruck geben. Was der Redner sagt, ist seine persönliche Meinung. Dafür sind weder Sie, noch ist der Kongreß dafür verantwortlich. Ich bitte, den Redner ruhig bis zum Schluß anzuhören. Del. Syrkin (fortfahrend) Ich weiß wohl, solche Sachen tun weh. Man darf aber nicht versuchen, sie zu verschreien. Ich weiß wohl, wir Zionisten sind leider noch nicht imstande, diese Epidemie aufzuhalten, aber es ist eine andere Erscheinung, auf die das E. A. C. reagieren müßte, das ist nämlich das verbrecherische indifferente Verhalten der übrigen jüdischen Gesellschaft zu diesen Verrätern. Wir hatten immer in unseren Reihen Verräter; denn natürlich ist es für Schwächlinge, für Menschen ohne Prinzipien, daß sie von den Reihen der Verfolgten weggehen. Aber für alle Zeiten waren solche Leute bei uns tot. Ihre Eltern sind Schiwe gesessen und haben Kaddisch gesagt. Wir stehen aber an der Schwelle einer anderen gefährlichen Erscheinung. Wir stehen jetzt an der Schwelle einer indifferenten Gleichgültigkeit, die die jüdische Geschichte nicht kennt. Die Uebriggebliebenen schauen dem zu, als ob es natürlich wär.e Sie stoßen nicht 'die Verräter aus ihrer Mitte aus, sie bleiben gleichgültig, und ich glaube, daß wir, der stolze Zionistenkongreß, hätte verlangen können, daß die Zionisten, die am meisten konsequenten nationalen Gruppen im Judentum zu allererst ihre Stimme zum Protest erheben und für die ganze Welt proklamieren sollten: „Hikareth tikareth hanefesch hahi meameha." (Stürmischer Beifall.) Meine Herren, wir formulieren unsere Forderung folgendermaßen: Wir sagen, der Zionismus ist ein historischer Evolutionsprozeß nicht nur

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