Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 120

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 120 (sequence 127)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476276--4039-3480182
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 120 — tragen, das Leben der Juden in Erez Jisroel und in der Diaspora zu heben und zu fördern. (Lebhafter Beifall. — Rufe: Sehr richtig!) Jawohl, richtig ist das, was Ihr sagt, nicht richtig ist das, was Ihr tut! Daran geht unsere Bewegung fehl. Es ist eine kolossale Kluft zwischen Bekenntnis und Tun, zwischen Programm und aktiver Tätigkeit. Das eben wollen wir politische Zionisten vermeiden. Es scheint da ein bestimmtes Gesetz der Natur einzutreffen, daß sich jetzt die Palästinaarbeit rächt. Sie hat Nekome. Viele Jahre haben wir die reale Arbeit in Palästina vernachlässigt und nun scheint sie sich zu rächen und, statt daß wir der Palästinaarbeit als einem der eminentesten Teile der Bewegung einen entsprechenden Platz einräumen, begehen wir einen anderen Fehler und vollenden nur eine Arbeit, und auch die Arbeit vollenden wir nicht ganz, wie ich Ihnen darlegen werde. Die reale Arbeit in Palästina, behaupten wir politische Zionisten, kann nur dann gut gedeihen, wenn wir den Zionismus in seinem ganzen' Umfange bearbeiten und verbreitern, wenn wir anfangen, eine zionistische Stimmung vermittelst politischer Arbeit in den verschiedenen Ländern, wo wir verstreut sind, zu schaffen. Dann schaffen wir auch für Palästina. Ich glaube nicht, daß die Arbeit in den Golusländern und in Erez Israel so grundverschieden und nicht voneinander abhängig ist. Nein, es herrscht ein bestimmtes gerades Proportionsverhältnis zwischen diesen zwei Teilen; denn vergrößern und verstärken wir diese Arbeit in den Golusländern, wird auch unsere reale Arbeit in Palästina größer und stärker. Das E. A. C, das doch berufen ist, an der Spitze unserer Bewegung zu stehen, hätte sich ein gar viel größeres Ziel setzen müssen. Wir sind zu stolz darauf, um uns damit begnügen zu können, daß unsere Mitglieder des E. A. C. Verwalt er unserer Bewegung werden. Nein, meine Herren, wir wollen aus den Mitgliedern unseres <E. A. C. Führer haben und nicht nur Verwalter, und Führer hatten wir keine, meine Herren! (Lebhafter Beifall.) Wir wollen, daß unser E. A. C. ein politisches Synhedrion werde für das ganze Judentum. Die zionistische Bewegung ist die einzige radikale Bewegung, in deren Händen die Lösung der Judenfrage ruht, und infolgedessen bildet das zionistische E. A. C., das an der Spitze, dieser Volksbewegung steht, die höchste Behörde, die, wie im Mittelpunkte, alle Strahlen des Judentums einsaugen muß, und von deren Zentrum alle Strahlen nach außen ausgehen müssen. Meine Herren! Ist diese Aufgabe erfüllt worden? (Rufe: Ja!) Wenn wir uns nicht übertaumeln wollen und mit Hedadschreien uns überschreien wollen, müssen wir sagen, wir sind auch daran schuld, aber auch das E. A. C. ist daran schuld: Diese Aufgabe wurde nicht erfüllt. Starr und gleichgültig steht unser E. A. C. angesichts verschiedener Zustände und verschiedener Erscheinungen, die jetzt in unserem Leben vorkommen, da. Ich werde nur an einiges erinnern. In Rußland haben wir jetzt Kämpfe wegen des Erziehungsproblems. Meinen Sie, daß wir Zionisten, deren Spezialität doch das ist — unser Spezialfach ist die nationale Erziehung — meinen Sie, daß wir an der Spitze dieser Kämpfe gestanden haben? Nein, leider waren wir nur Sympathiker. Wir waren nur in die zweite oder fünfte Reihe gedrängt, weil uns die Initiative fehlte. Wenn wir uns selbst als einfache Soldaten in der zionistischen! Bewegung auch beschuldigen können, so ist doch unsere Behörde, die zionistische Führung, am meisten daran schuld. Eine Führung muß immer die Hand am Puls des Lebens halten, und wenn sie eine Bewegung sieht, nicht erst wenn sie schon entstanden ist, sondern wenn sie fühlt, daß etwas in der Luft liegt und etwas im Entstehen ist, muß sie mit ihrer Initiative kommen. Hierin fehlte die zionistische Initiative und ich, der ich ein stolzer Zionist bin, bin gekränkt, daß wir nicht die Anführer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.