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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 118

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 118 (sequence 125)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 118 — leistet habe; aber wenn ich sehe, daß dieser eine Teil zum ganzen Organismus wird, mit dem ganzen Organismus verwechselt wird, dann müssen wir sagen: Caveant Consules! Eine Gefahr droht unserem Zionismus! Dann müssen wir warnen. (Widerspruch und zahlreiche Zwischenrufe.) In der ganzen jüdischen und zionistischen Presse, in allen Sprachen haben Sie gelesen: Die Eintragung in das Goldene Buch für das Ende des ersten Buches und der Anfang des neuen Buches wird versteigert und wer dafür zahlt — „soche!" Ich frage Sie, meine Herren, ist das die Evolution des jüdischen Geistes, die Sie mit dem Zionismus herbeiführen wollen? (Lebhafte Zwischenrufe, Unruhe.) Ich frage Sie: Wir, eine moderne Volkspartei, eine demokratische Partei, die danach gestrebt hat, den jüdischen Geist zu fördern und eine innere Revolution im jüdischen Geiste hervorzurufen, wir machen jetzt das, daß wir wie Psukim von Atta hereissa die Eintragung in unser Goldenes Buch verkaufen und noch dazu in einer Form, die für unser zionistisches Feingefühl nur verletzend sein kann? (Beifall und Widerspruch.) Das ist nur eine Illustration. Es ist selbstverständlich, wenn Ihr alle, meine Chawerim, damit zufrieden seid, Euch mit dem Zustande zufrieden gebet, in dem sich unsere Bewegung befindet, müßt Ihr mich niederschreien und jeden Redner, der etwas Peinliches sagt, von der Tribüne jagen. Ist das aber der Weg einer Volkspartei? Ich glaube kaum, daß uns das zum Erfolge führt. Ich will mich in Einzelheiten nicht verlieren, aber eines ist klar: Wir befinden uns jezt in dem Zustande des merkantilen Zionismus, des „Business"-Zionismus, wie er bis jetzt noch nicht da war, und wissen Sie, warum das geschehen ist? Weil wir aus dem Zionismus alles das entfernt haben, was den früheren Glanz und den früheren Umfang ausmachte. (Lärmende Zwischenrufe.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Wenn Sie den Redner nicht unterbrechen, werden Sie ihn hören. Werter Kongreß! Die Generaldebatte ist doch dazu da, daß eine allgemeine Kritik geübt werde. Die Generalredner sind dazu gewählt, um diese Kritik nach der einen und der anderen Richtung hier vorzubringen. Wenn Sie die Redner aber nicht in Ruhe anhören, werden Sie nicht in der Lage sein, bei der Abstimmung Ihr Votum sachlich abzugeben. Ich bitte Sie deshalb dringend, die fünf Generalredner, die jetzt noch zu sprechen haben, mit der größten Ruhe anzuhören, damit wir eine klare Abstimmung erzielen. Nun bitte ich Herrn S y r k i n , fortzufahren. Del. Syrkin: Meine Herren! Die Agitation in unserer Bewegung hat auch einen schlechten Weg eingeschlagen. Als aktives Mitglied eines Komitees muß ich behaupten, daß die Agitation bei uns sich jetzt nur auf eine kleine Schicht des Volkes, auf eine kleine Gruppe von kapitalkräftigen Zionisten beschränkt. Wir haben aufgehört, in den großen Volksmassen zu agitieren, wir haben aufgehört, die großen Volksmassen aufzusuchen. Wir haben uns beschränkt auf eine kleine Gruppe von kapitalkräftigen Zionisten. (Lärm und Widerspruch.) Geehrter Kongreß! Ich komme aus einem Lande, wo die großen Meetings und Volksversammlungen unmöglich sind, ich weiß, daß diese schönen Aranjueztage für Meetings und zionistische Volksversammlungen vorüber sind. Aber als einer, der inmitten der Bewegung steht, muß ich behaupten, daß vieles unterlassen worden ist, was diese Bewegung schaffen konnte, und zwar aus folgenden Gründen: Da wir uns zur Grundlage unserer Tätigkeit nur die äußeren Merkmale, eben die zionistischen Kollekten gemacht haben, haben wir uns an die Volksseele nicht mehr gewandt und haben nicht mehr die großen Volksmassen aufgesucht. Wir haben uns in unserer Agitation nur auf eine kleine Gruppe beschränkt, und das führt selbst-

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