Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 107)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 100 — wir unsere Ueberzeug-ungvertreten, und Sie nicht nur bekämpfen wollen. (Zwischenrufe.) Man fragt mich hier, wie ist das zu machen? Darauf muß ich Ihnen sagen: Die politische Arbeit entzieht sich einer öffentlichen Diskussion. Ich will Ihnen das beweisen, nicht mit meinen Worten, sondern mit den Worten der Leitung selbst. Es ist gerade vorhin die Rede gewesen von den berühmten 'Artikeln in der „Welt". Ich nehme die Nummer, die meinen zweiten Artikel enthält. Da heißt es (liest): „In Nr. 23 dieses Jahrgangs hat Herr Fischer sich ausführlich über die theorethischen Grundsätze innerhalb der Organisation verbreitet. Seine Absicht war, den Nachweis für das Bestehen zweier gegensätzlicher Anschauungen zu erbringen, die Trennung in „praktischen" und „politischen" Zionismus auch weiterhin zu rechtfertigen. Wir sind damals den Ausführungen des Herrn Fischer entgegengetreten-. Wir haben darzulegen gesucht, daß die von ihm behaupteten theoretischen Gegensätze in der Anschauung der Majorität längst zu einer Synthese verbunden sind, daß zwar ursprünglich tiefgehende Differenzen bestanden, daß die heutige Leitung aber von bestimmten politischen Anschauungen geleitet wird, die zu einem umfassenden System der Arbeit geführt haben." Nach dem, was ich Ihnen heute vorgetragen habe, glaube ich, den Beweis erbracht zu haben, daß diese Synthese, die hier offiziell dekretiert wurde, nicht besteht (Liest): „Wir erklärten demgemäß den theoretischen Beweis des Herrn Fischer für mißglückt und forderten, er solle nun durch Tatsachen erweisen, daß die Leitung — auch wenn sie theoretisch recht habe — ihrer Aufgabe nicht gewachsen sei. Nun hat Herr Fischer sein Tatsachenmaterial vorgetragen, und man muß sagen, daß es erstaunlich arm ist." Auf sämtliche Leser der „Welt" muß dies den Eindruck machen, als ob mein zweiter Artikel die Antwort auf den Artikel der Redaktion der vorhergehenden Nummer der „Welt" sei. So war es nicht, und ich kann es dem Zentral-Bureau — an die „Welt" habe ich die Artikel nicht geschickt — nicht verzeihen, daß man meinen Artikel nicht gleich in der zweiten Nummer abgedruckt hat. Es haben mich viele Zionisten gefragt, weshalb haben Sie den zweiten Artikel nicht geschrieben, den Sie versprochen haben? Dieser Artikel war 10 Tage vor dem Erscheinen dieser Nummer im Bureau der „Welt", die Redaktion wußte also von ihm. Trotzdem steht hier ein Satz, als ob mein Artikel eine Antwort wäre auf die Antwort der „Welt". (Redakteur Lichtheim: Diese Darstellung ist falsch!) Ich werde keine falschen Darstellungen geben. Wenn ich gegen Sie ins Feld ziehe, werde ich gewiß recht behalten. Sie hatten zwei Tage nach dem Ererscheinen der ersten Nummer den zweiten Artikel in Berlin! Das ist noch nicht alles. Ich habe den zweiten Artikel nicht gleich gelesen. Meine Frau las mir ihn am zweiten Tage vor und da merkte ich, esfehlt ein Satz! Ich schrieb dann ans Zentral-Bureau am 22. Juni folgenden Brief (liest): „Sehr geehrte Herren! In meinem zweiten Artikel in der „Welt" heißt es: „Die Ereignisse bestätigen leider, was wir Oppositionellen voraussagten. Und man behauptet glatt weiter allen Tatsachen zum Hohn: die Politik der Majorität ist die beste" usw. Da fehlt ein Satz, auf den ich ganz besonderes Gewicht lege. Es soll heißen: „Die Ereignisse und die Mitteilungen, welche das E. A. C. am 6. Mai d. J. an das Actions-Comite zu machen gezwungen war, bestätigen leider usw." Ich bitte Sie, diese Zeilen zum Abdruck zu bringen usw." Dieser Satz, meine Herren, der Hauptsatz in meinem A r - kel, steht nicht darin. (Redakteur Lichtheim: Mit Recht!) Ich glaube, man konnte so loyal sein und Herrn Fischer fragen: Willst du gestatten, daß man das ausläßt? Besonders wenn man einen solchen Oppo-