Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 105)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 98 — verfügt, während wir kein Geld haben. (Lebhafte Zwischenrufe.) Wenn wir in Palästina, meine Herren, 10 Bezalelunternehmungen, 10 P. L. D. C. haben werden, die nicht schlecht, sondern gut verwaltet werden, so haben wir damit gar nichts erreicht. Wenn wir dagegen 10 Bezalelunternehmungen und 10 P. L. D. C. haben werden, die nicht von der Organisation, sondern von Privatpersonen geleitet, existieren, so muß das Nachahmung finden. Eine Organisation wird man nicht nachahmen, schon deshalb nicht, weil der Privatmann sich nicht danach richten kann. Wenn es der Organisation gelingt, das zu machen, so ist das für den Privatmann noch kein Beispiel, selbst wenn es gut ist. Deswegen fällt uns einzig und allein die Aufgabe zu, die Privatinitiative anzuregen und wir müssen es verhüten, daß wir durch schlecht geleitete Unternehmungen den Privatleuten Furcht einjagen, in Palästina Geld anzulegen, weil sie es verlieren könnten. Meine Herren, die Politik der Praktischen drückt sich in dem Streben nach einer Penetration pacifique aus. Aber selbst für eine solche, für das Minimum dessen, was wir fordern können, muß erst die Möglichkeit geschaffen werden. Heute sind alle Einrichtungen, die dort bestehen, gegen diese Penetration pacifique, und deshalb ist alles, was wir dort schaffen, künstlich, weil wir nicht die Möglichkeit haben, alles auf eine gesunde Basis zu stellen. Ich habe den Herren bei einer anderen Gelegenheit schon einmal gesagt, „Penetration pacifique" ist ein sehr schönes Wort, aber wir dürfen nicht vergessen, daß die Entwicklung der geschichtlichen Ereignisse sich in einem anderen Tempo vollzieht, als unsere praktische Arbeit. Es ist so, als ob ein Fußgänger einem Automobil nachjagen würde. Auch dieser Vergleich genügt noch nicht. Und ich sage Ihnen, daß wir mit unsierer praktischen Arbeit diesen geschichtlichen Ereignissen nicht einmal anständig nachhinken können. Nachdem aber die Dinge so stehen, nachdem wir das wissen, müssen wir uns eingestehen, daß die Sache so nicht durchführbar ist. Weshalb bestehen Sie bloß auf praktischer Arbeit und nicht auch darauf, das zu machen, was wir wünschen und das zum Zweck hat, erst einmal diese Steine aus dem Wege zu räumen? Unsere Aufgabe besteht vor allem darin, alle Hindernisse zu beseitigen, die sich der Palästinaarbeit entgegen stellen, damit man erst den Anfang machen könne, auf dem man dann weiter aufbauen kann. Ich erkläre, das ist meine und meiner Freunde tiefste Ueberzeugung, daß, so lange nicht die natürlichsten Widerstände überwunden sind, unsere Arbeit unmöglich gemacht und an ein Vorwärtskommen im großen Stile überhaupt nicht zu denken ist. Deshalb ist das Erstreben politischer Rechte die Grundlage, das Alpha und Omega des politischen Zionismus; deshalb heißt er eben „politisch". Und da der Zionismus sich jetzt nicht in diesem Rahmen bewegt, von dem ich hier gesprochen habe, deswegen sind die politischen Zionisten unzufrieden. Sie sind nicht bloß unzufrieden mit den Leistungen der zionistischen Organisation, sondern auch mit den Leistungen aller Organisationen zusammen, unzufrieden mit der Gesamtleistung des Judentums angesichts der Aufgabe, die unser harrt. Aber diese Unzufriedenheit kontrastiert gar gew altig mit der Zufriedenheit, die hie und da in den Reihen der Praktischen zutage tritt. Wir Politischen begnügen uns nicht mit den Zielen der Praktischen. Das muß ich auf das Schärfste betonen. Wir wollen nicht bloß Kolonisationsarbeit und ein Kulturzentrum, sondern wir wollen die Verwirklichung des Baseler Programms in seiner Gänze. Wir wollen die Befreiung vom Galuth,