Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 97

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 97 (sequence 104)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476276--4016-3480159
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 97 — jeder zum Worte melden. Ich kann nicht zuhören, was Sie sagen. Selbst die Bank, auf die man so sehr schimpft und über die wir noch viel schimpfen hören werden auf diesem Kongreß, und an der es viel auszusetz&n gibt — denn ich würde genau so kritisieren, wie die anderen — selbst die Bank, diese Herzische Schöpfung, besteht und ist gesund, ja, meine Damen und Herren, ich habe in der letzten Actions-Comite-Sitzung in Berlin folgendes festgestellt: Vor dieser Actions-Comite-Sitzung war unser Dr. Jacobson einige Tage in London, er war dort in der Bank beschäftigt und ich habe ihn da gesprochen. Sie werden begreifen, daß, wenn man soviel über die Bank schimpft, selbst ich als Aufsichtsrat unruhig werden kann, und ich fragte Herrn Dr. Jacobson in der letzten Actions-Comite- Sitzung: Sie waren in London, haben in der Bank soviel als möglich kontrolliert, haben Sie irgendwelche Unregelmäßigkeiten festgestellt? Ja oder nein? Darauf hat mir Herr Jacobson geantwortet: Nein, ich habe nichts Derartiges festgestellt. Da habe ich zu den Actions-Comite- Mitgliedern gesagt: Ich stelle fest, daß das Kapital der Bank faktisch intakt ist, das ist etwas, was man von den anderen Institutionen nicht so leichtweg sagen kann. Mein Standpunkt, nachdem ich ein praktischer Zionist bin — ich bin tatsächlich ein praktischer — ist, daß wir, was die praktische Arbeit anbelangt, nichts anderes tun können, als was ein Staat für sein Volk tut. Das sind die Aufgaben, die uns als Organisation in kleinem Maße zufallen. Aber einen Schuhladen eröffen, ein Gewerbe treiben, eine Wirtschaft führen, etwas, was in jedem Volke das einzelne Individuum tut, ist nicht unsere Aufgabe und kann sie nicht sein. Eine solche Aufgabe ist von vornherein dazu verurteilt, immer steril zu bleiben. (Lebhafter Beifall — lauter Widerspruch.) Präsident Wolffsohn: Ich bitte um Ruhe. Dei. Jean Fischer: Ich stehe auf dem Standpunkt eines praktischen Zionisten und erkläre, der Zionismus als solcher kann derartige Kleinlichkeiten nicht machen, nicht aus dem alleinigen Grunde, daß wenn sie zugrunde gehen, jeden von uns eine Unruhe befällt, sondern deshalb nicht, weil die Sache unfruchtbar ist. Nun werden Sie fragen, wie soll die Arbeit gemacht werden, da das jüdische Volk heute nicht reif ist für praktische Arbeit in Palästina? Darauf sage ich Ihnen etwas anderes. Die Zionisten, diejenigen, die sich Zionisten nennen, haben allerdings die heiligste Pflicht, alles zu wagen, um dort zu arbeiten. Mit dem Gelde der Zionisten, das in Palästina verloren geht, habe ich absolut kein Mitleid und ich behaupte, daß unsere reichen Zionisten noch lange nicht gelernt haben, Opfer zu bringen. (Lebhafter Beifall.) Und daß keiner das Recht hat, hierher zu kommen und Gelder einer Aktiengesellschaft zu verlangen, solange wir das unsrige fest in der Tasche halten. (Lebhafter Beifall.) Meine Herren, wenn wir in Palästina Institutionen schaffen, die k a p u t gehen, so wirken wir negativ, nicht nur dadurch, daß wir ein schlechtes Beispiel geben, sondern wir können niemals mehr aus Organisationsgeldern diese Dinge wieder beginnen, erreichen also den umgekehrten Effekt dessen, was beabsichtigt worden ist. (Lebhafte Zurufe: Was ist kaput gegangen?) Fragen Sie, was noch nicht kaput gegangen ist! Wir stehen davor, um zu warnen, bevor alles ganz zugrunde gegangen ist. (Lebhafter, lauter Widerspruch.) Ich muß für meine Ueberzeugung hier einstehen, deshalb lassen Sie die Zwischenrufe, Sie werden mich nicht davon abbringen, das zu sagen, was ich auf dem Herzen habe. — Wenn wir zu diesem von mir auseinandergesetzten Arbeitssystem nicht gelangen sollten, so befürchte ich, daß wir heruntersinken werden zu einer verbesserten Auflage der Alliance Israelite (Widerspruch), zu einer verbesserten allerdings, weil die andere nicht den Geist hat, den wir besitzen. Daneben werden wir auch zu einer verschlechterten Auflage der Ica, die über 200 Millionen 7

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.