Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 103)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 96 — Wenn ich dann andererseits noch sagen würde, der politische Zionismus will die Bedingungen schaffen, nicht die Dinge, — wie unser einstiger Gesinnungsgenosse und leider unser jetziger Gegner einst von derselben Tribüne gesagt hat, — um es den Juden möglich zu machen, nach Palästina einzuwandern und sich dort organisiert festzusetzen, und wir deshalb die Aufgabe haben, die Hindernisse und Beschränkungen, die sich unseren Bestrebungen entgegenstellen, aus dem Wege zu räumen, daß wir in Palästina nur solche Institutionen zu schaffen haben, welche die Einwanderung und Seßhaftmachung begünstigen, so werden Sie dies ebenfalls nach den Eröffnungsreden nicht als das Monopol der politischen Zio- nisten gelten lassen. Halten Sie das, wie Sie wollen. Ich will darüber nicht diskutieren. Aber die Tatsachen sprechen eine unwiderlegliche Sprache und über die Tatsachen will ich Sie hier nicht lange aufhalten. Man hat mich gebeten, nicht zu lange zu reden. (Zwischenrufe: Tatsachen.) Ich verspreche Ihnen, daß die Tatsachen Ihnen durch Herrn Kann gegeben werden über das, was die praktische Arbeit betrifft. Es hat also keinen Zweck, wenn wir die Zeit damit verlieren, zweimal dasselbe zu wiederholen. Ich will hier aber etwas anderes betonen. Es sind namhafte Zionisten von allererstem Range aus Palästina zurückgekommen und haben das Urteil fällen müssen, daß das, was wir da schaffen, etwas Künstliches ist. Meine Damen und Herren! Demgegenüber muß ich sagen, daß unsere Aufgabe nur darin bestehen kann, Bedingungen zu schaffen für eine natürliche Entwicklung der Kolonisation, weil kein künstliches Schaffen auf die Dauer zu halten ist. (Zwischenrufe.) Was sehen wir heute vor uns? Betrachten wir einmal die Herzischen Schöpfungen] Sehen Sie sich einmal den Kongreß und die Organisation an! Glauben Sie wirklich, daß wir hier zu sammenge» treten sind aus der ganzen Welt, bloß weil man uns Einladungen geschickt hat? So steht die Sache nicht! Der Zionismus entspricht einem natürlichen Bedürfnisse des jüdischen Volkes und deswegen besteht die Organisation und deswegen sind wir heute hier. (Lebhafter Beifall — Zwischenrufe.) Wäre das ein rein künstliches Schaffen gewesen, wir wrären längst auseinandergefallen, schon bei Herzls Tode und bei den furchtbaren Kämpfen, die wir nachher auszustehen gehabt haben. Auch dieser Kampf wird vorüberziehen und wir werden bestehen bleiben, denn der Zionismus ist für uns eine Lebensnotwendigkeit geworden, er ist eben keine künstliche Schöpfung. (Unruhe und Zwischenrufe.) So aber steht es mit der praktischen Arbeit nicht. Die Vertreter der praktischen Arbeit müssen zu der Ueberzeugung kommen, wir hätten etwas Künstliches geschaffen. Ich meine nämlich das, was die Organisation an praktischer Arbeit gemacht hat. Wenn man eine Bewegung auf dieses künstliche Schaffen einschwört, dann läuft die Bewegung Gefahr, daß, wenn einmal über dieses System der KraCh hereinbricht, daß auch die Organisation zu Grunde geht. Dagegen legen wir Verwahrung ein. Wenn Sie alle Ihre Karten auf dieses künstliche Schaffen setzen, sagen wir: Nein! Selbst wenn alles kaput geht, steht noch immer der He rzlsche Zionismus, der das jüdische Volk befreien will. (Lebhafter Beifall — lebhafte Zwischenrufe und Lärm.) Der Nationalfonds, der unter Herzl gegründet wurde, entwickelt sich zusehends zu unserer Freude. Manchmal ist er unsere einzige Freude. Ich will das Verdienst der Leitung des Nationalfonds gewiß nicht schmälern, aber glauben Sie, daß sich in der ganzen Welt Menschen finden, für den Nationalfonds zu sammeln, bloß weil man ihnen eine Mahnung schickt? So ist wieder die Sache nicht. Der Nationalfonds entwickelt sich, weil wir mit dem ganzen Herzen dabei sind, weil wir das dem jüdischen Volke geben wollen. (Zwischenrufe und Lärm.) Meine Herren, es kann sich