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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 95

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 95 (sequence 102)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 95 — einzusetzen, wahrlich, ich wäre nicht hierher gekommen, zu sagen: Meine Herren, ich habe vor Euch keine Achtung! Das hätte ich nicht getan. Ich behaupte aber dieses. Wenn es tatsächlich unter uns Kämpfe gibt, so lasse ich mir nicht einreden, daß die gegensätzlichen Ansichten lediglich auf persönlichen Antipathien beruhen. Das kann nicht sein. Wenn ich die Delegierten des XI. Kongresses hier in diesem Saale ansehe, so muß ich annehmen, daß jeder, der hier sitzt, einer der besten Juden ist, die wir heute haben. (Zustimmung.) Ich zweifle nicht daran. Und wenn dieser Kongreß aus seiner Mitte 25 Mitglieder des Actions-Comites wählt, so kann ich nicht glauben, daß diese Leute so gewissenlos sind, ihre politischen Ansichten persönlichen Reibereien unterzuordnen. Wenn es geschieht, daß wir Reibereien haben, müssen prinzipielle Differenzen vorliegen, und ich sehe nicht ein, weshalb man sich bemüht, das zu vertuschen. Die offizielle Leitung hat sich durch ihr Zentralorgan die ganze Zeit bemüht, zu behaupten, daß es keine prinzipiellen Differenzen gibt. (Zwischenrufe und Unruhe.) Zwar leben wir noch alle, wir Politischen stehen noch da, wenn wir auch überstimmt werden, trotzdem wird behauptet, es gibt keine Differenzen. Wie das zu vereinbaren ist, verstehe ich nicht. Wir leben, sind im Zionismus tätig und doch behauptet man, es gibt keine Differenzen in der Auffassung des Zionismus. Nun gegen diese Behauptung, daß die Synthese bereits vollzogen ist, sage ich, 'daß ich im Zionismus klar zwei Richtungen sehe, ich wünsche sie nicht, ich sehe sie. Wenn ich das ausspreche, glaubt man, ich bin ein Friedensstörer. Nein, ich will keine zwei Richtungen haben, ich habe bloß einen Wunsch, daß Sie alle alte Herzlianer werden. Aber ich sehe vorläufig zwei Richtungen und wenn die eine Richtung aus 100 und die andere aus 200 im Saale besteht, so sehe ich nicht ein, warum das nicht zwei Richtungen sein sollten. Im übrigen weiß ich nicht, wie es bei einer Zählung ausschauen würde. Meine Damen und Herren! Herr Ussischkin hat hier gesprochen — ich verstehe leider nicht genug hebräisch — das tut mir leid. Man hat mir übersetzt, daß er in der zionistischen Politik eine Differenz festgestellt hat, die Einen legen den Schwerpunkt nach dem Orient (Misrach), die Anderen nach dem Okzident (Maariw). Ich habe auch mit Herrn Ussischkin darüber korrespondiert und er hat mir zugestanden, es gibt in der Auffassung des Zionismus Differenzen. Herr Dr. W e i z - mann hat mir einmal in der Debatte zugerufen: Uns trennt eine Weltanschauung! (Del. Dr. Weizmann: Sehr richtig!) Ich glaube nicht, daß uns eine Weltanschauung trennt, sonst wären wir nicht alle hier im Saale. (Lebhafter Beifall.) Aber wenn man sich dazu versteigt, zu sagen, es gibt zwei Weltanschauungen, so müssen doch tiefergehende Differenzen vorhanden sein, als bloße Aeußerlichkeiten. (Zustimmung.) Nach dem X. Kongreß hat ein Mitglied des Actions-Comites in Rußland öffentlich erklärt, der politische Zionismus ist tot. Es ist möglich, daß man wieder nach Hause fährt und erklärt: Jetzt ist er endlich begraben. Meine Herrschaften! Sie werden Wunder erleben! Nachdem Sie ihn begraben, wird er im nächsten Jahre wieder auferstehen. (Heiterkeit.) Ich bitte Sie, solche Wendungen nicht zu gebrauchen, sonst werde ich sagen: das System der praktischen Arbeit ist bankerott. (Unruhe und Zwischenrufe.) Wenn ich heute zu Ihnen beispielsweise sagen würde, die von uns bekämpfte sogenannte praktische Richtung macht aus dem Zionismus eine Kolonisations- und eine Kulturvereinigung, einen Chowewe-Zionismus und Achaad-Haamismus (Zwischenrufe), also etwas dem innersten Wesen nach grundsätzlich vom politischen Zionismus verschiedenes, so würden Sie nach der Eröffnungsrede vom XI. Kongreß dies nicht billigen.

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