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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 94

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 94 (sequence 101)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 94 — Herr Simon hat gestern gesagt, die politischen Zionisten seien mit dem französischen Adel zu vergleichen, der nichts gelernt und nichts vergessen hat. Wir politischen Zionisten sind nur insoferne Franzosen, meine Herren, als wir neben den vier üblichen Sprachen, die wir sprechen, nämlich jüdisch, deutsch, jüdisch-deutsch und deutsch-jüdisch (Heiterkeit), auch noch französisch sprechen. Das ist unser Franzosentum. Adelig sind wir allenfalls, das muß ich sagen, denn wir sind die Nachkommen von Abraham, Isaak und Jakob! (Del. U s s i s c h - k i n: Wir auch!) Natürlich, wir alle, aber das ist der Adel, den ich akzeptieren kann, einen andern akzeptiere ich nicht als politischer Zionist. Nun hat Herr Simon noch hinzugefügt, daß wir nichts gelernt und nichts vergessen haben. Wegen des „nichts gelernt" befinde ich mich zufälligerweise in ausgezeichneter Gesellschaft. Es kommt mir das so vor, als ob jemand mir sagen würde, du bist der Kompagnon von Rothschild, aber Ihr seid beide Schnorrer. (Heiterkeit.) Wenn aber gesagt wird, daß wir nichts vergessen haben, so muß ich zugeben, daß dies richtig ist. Wir sind noch heute politische Zionisten, wie es Herzl war! Das ist es, was wir politischen Zionisten tatsächlich nicht vergessen haben. (Lebhafter Beifall.) Wenn Sie glauben, daß es keinen politischen Zionismus gibt, so bitte ich Sie, nur in der Eröffnungsrede nachzulesen, wo uns von Herrn Professor W a r b u r g über drei Perioden im Zionismus erzählt wurde. Meine Damen und Herren! Wenn es tatsächlich jetzt schon drei Perioden im Zionismus gibt, glaube ich, Ihnen ankündigen zu können, daß wir einer vierten entgegengehen, und zwar werden wir uns wieder der ersten zuwenden. Außerdem hat mir nachher Herr Böhm eine sehr gute Handhabe gegeben, um Herrn Simon zu antworten über das, was wir gelernt haben und über das, was wir nicht vergessen haben. Er sprach von der Thesaurierung, als ob die politischen Zionisten wirklich nichts anderes im Sinne hätten, als die Gelder der Bank aufzuspeichern, bis wir daran zerplatzen werden. Und dann fügt Herr Böhm hinzu: „Wären wir wenigstens bei diesem Standpunkte stehen geblieben, so hätte er noch Achtung vor uns; so kann er keine Achtung haben." Ich erinnere Sie an die jahrelangen Kämpfe, die gegen Wolffsohn geführt wurden. In wessen Namen hat man damals gekämpft? Man hat gegen den politischen Zionismus im Namen der praktischen Arbeit gekämpft. Das ging so jahrelang. Wieso kamen wir überhaupt dazu, nachzugeben und praktisch zu arbeiten? Wenn man solange für die praktische Arbeit agitiert hat, so lag es doch in der Natur der Sache, daß man dieser Strömung nachgeben mußte! Denn solange der Beweis nicht erbracht war, daß dieses System unhaltbar sei, konnten die Herren sagen, mit welchem Rechte verweigern Sie dies. Deswegen hat damals Wolffsohn nachgegeben und die andern haben natürlich auch Amen gesagt. Die einen mit gutem Willen und die andern mit weniger gutem Willen. Aber heute stehen wir vor Tatsachen und heute heißt es abrechnen über das, was wir den Praktischen nachgegeben haben. Eine andere Sache ist zu bemerken: Kaum waren die Praktischen am Ruder, haben sie sich sofort politische Zionisten genannt. Wenn Sie das nicht ernstlich beachten wollen, tut es mir sehr leid, aber bedenken Sie, es muß doch etwas vorgegangen sein, die Herren müssen zu ihrer Parole kein Vertrauen mehr gehabt haben (Oho-Rufe) und wurden deshalb plötzlich politisch. (Del. Dr. Hausmann: Das ist eine Legende!) Das ist keine Legende, Herr Hausmann, ich spreche von Tatsachen, die kann jeder kontrollieren. Alle hören ja. Eines aber muß ich Ihnen sagen: Hätten beispielsweise die Praktischen im vorigen Jahre oder vor lVo Jahren uns nachgegeben, und uns zugestanden, ein politisches Komitee

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