Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 100)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 93 — nicht nur auf dem Eifer der Leitung, die wir an unsere Spitze stellen, sondern in dem Eifer eines jeden Genossen, eines jeden Gliedes der Bewegung, auf dem Eifer, der immer mehr und mehr gestärkt wird. Deswegen glaube ich die Berechtigung zu haben, im Namen der Galizischen Landsmannschaft Ihnen den Antrag zu stellen, daß der Kongreß der Leitung für ihre verdienstvolle Tätigkeit in der letzten Periode Vertrauen und Dank ausspreche. (Stürmischer, langandauernder Beifall.) Wir bitten die Leitung, daß sie ihr jetziges System und ihre jetzige Richtung beibehalte und daß sie die Mängel, die hier erwähnt wurden und deren Bekrittelung häufig begründet ist, abstelle. Wir wünschen, daß sie uns alle wieder vereinigen soll und daß sie vor allem das Rüstzeug schmieden soll gegen unsere Feinde, nicht gegen uns selbst. Machiavelli sagte: „Ueber unbewaffnete Propheten spottet die Geschichte/*' Wer nur Prophezeiungen über die Zukunft und über die Regenerierung des Judentums predigt, aber nicht gleichzeitig die Waffen schmiedet, über den wird die Geschichte als über einen „unbewaffneten Propheten" spotten. Schmieden Sie unsere Waffen weiter! Die Waffe des jüdischen Volkes ist nichts anderes als der jüdische Geist und die jüdischen Hände, die jüdische Arbeit. Geben Sie den Pflug in die jüdische Hand und kämpfen Sie für den jüdischen Geist. (Stürmischer, sich mehrmals erneuernder Beifall.) Präsident Wolffsohn: Das Wort hat nun Herr Jean Fischer. Del. Jean Fischer: Hoher Kongreß! Es ist heute zum ersten Male, daß ich die Ehre habe, hier im Kongresse eine Rede zu halten; es ist heute überhaupt zum ersten Male, daß ich eine Rede im eigentlichen Sinne des Wortes halte. Ich besitze keine Redegabe, aber ich stehe heute hier, um eine Sache zu verteidigen, und es liegt mir also nichts daran, wenn ich als ein Besiegter von dannen gehe. Ich lege deshalb im vorhinein hier Verwahrung ein: Sollten diejenigen, die nach mir zum Worte kommen, mich demolieren, so erkläre ich, daß damit nicht meine Sache demoliert ist, sondern daß ich dann eben ein schlechter Verteidiger dieser Sache war. Herr Dr. Reich, der soeben diese Tribüne verließ, hat zu Ihnen im Namen seiner Landsmannschaft gesprochen. Ich, hoher Kongreß, spreche zu Ihnen nicht im Namen meiner Landsmannschaft, ich spreche zu Ihnen lediglich in meinem eigenen Namen und für eine Sache, und will Ihnen erklären, weshalb ich das betone. Man hat in der letzten Zeit viel von einer „Opposition" gesprochen. Nun hat Herr Dr. Nordau in seiner Rede am 24. Juli dieses Jahres in Paris erklärt, daß er eine solche Opposition nicht kennt. Hoher Kongreß! Ich, der ich zu dieser Opposition gehören soll, kenne diese organisierte Opposition ebenfalls nicht und deshalb habe ich kein Mandat, im Namen einer Gruppe zu sprechen, deshalb kann ich niemanden engagieren, kann also nur für mich allein sprechen und für niemand anderen sonst. Gestern haben wir die Debatte damit eröffnet, daß zwei Actions- Comite-Mitglieder hierherkamen und der Leitung Lobreden hielten. Es hat mich ganz eigentümlich angemutet, als ich dies hörte, denn im Grunde genommen, steht heute die Leitung auf dem Standpunkte, daß sie die Exekutive des G. A. C. ist. Wenn wir also hierherkommen und uns selbst Lobreden halten, so sehe ich nicht ein, was wir hier zu tun haben. Wir könnten ja dann ganz gut die Stenogramme unserer Actions-Comite- Sitzungen abdrucken lassen und Ihnen mitteilen. Uebrigens ist dies in den letzten zwei Jahren nicht geschehen, und es wundert mich geradezu, daß es niemandem eingefallen ist, zu fragen, weshalb in den letzten zwei Jahren über die Actions-Comite-Sitzungen kein Bericht veröffentlicht wurde. (Zustimmung.)