Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 98)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 91 — die Bank hat die Gelder nicht nur von Zionisten bekommen, so muß ich bemerken, auch die Idee, der wir dienen, soll nicht nur den Zionisten allein nützen, sondern sie ist die Idee des jüdischen Volkes. Und wenn wir der Leitung die Idee, also unsere Seele, unser Gewissen und die Zukunft des jüdischen Volkes anvertraut haben, so müssen wir, ob wir es wollen oder nicht, auch soviel Gewissenhaftigkeit besitzen und ihr das Geld des jüdischen Volkes anvertrauen. (Lebhafter Beifall.) Wir werden auf dem Kongresse vor eine gewaltige Frage treten, vor die Frage der Gründung der Universität in Jerusalem. Es wäre verfrüht, bevor wir noch das Referat angehört haben, über diese Frage zu diskutieren. Wir müssen jedenfalls ohne Rücksicht darauf, ob wir uns dafür oder dagegen aussprechen, Ehrfurcht empfinden vor der Größe des Gedankens, welcher hier in Schwebe ist und, wie immer diese Frage entschieden werden wird, sie wird jedenfalls positiv entschieden werden müssen; wenn sie nämlich verschoben wird, bleibt sie eine Frage der Zeit, denn ich hoffe, daß wir mit der Zeit in Palästina dahin gelangen müssen. Wie immer aber die Frage entschieden wird, verlangen wir, daß jetzt schon die Leitung ihre Aufmerksamkeit all diesen Institutionen zuwende, die gewissermaßen als Unterlage für die zu gründende Universität dienen werden. Es gibt in Palästina eine Reihe von Instituten, wie das mikrobiologische Institut, es gibt die Nationalbibliothek in Jerusalem, es gibt einen Keim von einem naturwissenschaftlichen Museum beim Bezalel. Das sind alles Sachen, die als Grundlagen der großen Hochschule dienen könnten, die wir einst dort erhoffen, und da verlangen wir jetzt schon von der Leitung, daß sie ihre Aufmerksamkeit darauf richtet, daß diese Institute gestärkt und gepflegt werden. (Beifall.) Weil wir eben so große Aufgaben an das Actions-Comite stellen, bedauern wir, daß nicht alle, die in der zionistischen Bewegung sich befinden, mit uns und bei uns sind, um über alle diese Fragen zu diskutieren. Ich bin nicht der Ansicht, wie es einige Herren der Leitung sind, daß es sich wirklich hier um den persönlichen Ehrgeiz mancher Herren handelt, die im Zionismus großgeworden sind und im Zionismus auch viel geleistet haben. Ich muß hier meiner Ueberzeugung dahin Ausdruck geben, daß ich die Herren, von denen man schon so viel gesprochen hat, Herrn Dr. Nordau, Herrn Dr. Marmorek und andere viel zu hoch schätze und gleich anderen deren Verdienste um den Zionismus viel zu sehr zu würdigen weiß, als daß ich annehmen könnte, daß etwas von persönlichen Motiven hier mitspielt. Leider muß ich auch nach der Erklärung des Herrn Redakteurs der „Welt" hier feststellen, daß, wie immer sich der Sachverhalt hier stellt, wir in der galizischen Landsmannschaft den Eindruck haben — und schließlich operiert man häufig auf Grund von Eindrücken — daß von Seite der Leitung, daß von Seite des leitenden Organes der Organisation diesen Herren gegenüber, die am Kongresse heute fehlen, unrecht geschieht. (Lebhafter Beifall.) Wir müssen auch der Ueberzeugung Ausdruck geben, daß es manchmal so den Anschein hat, daß das Parteiblatt zu einem Parteilichkeitsblatt geworden ist. (Lebhafter Beifall.) Allein, meine Herren, diese Frage, die eine kleine Nüance einer Personenfrage haben könnte, ist deshalb so wichtig, weil sie für mich sich wieder als eine Prinzipienfrage darstellt. Es ist wieder eine Kluft zwischen zwei Anschauungen zum Vorscheine gekommen; die eine wird von den Herren, die sich vom Kongresse absentiert haben, vertreten und die andere Anschauung von jenen, die hier sind, wenigstens von der großen Majorität derselben. Aus den Reden der Herren Dr. Nordau und Dr. Marmorek ist zu ersehen, daß sie glauben, man könne wieder auf diplomatischem Wege zum Ziele gelangen, und daß sie der Majorität und der Leitung vorwerfen, daß sie vor allem ihr Augenmerk auf die Arbeit in Palästina richten. Wir