Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 97)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 90 - Präsident Wolffsohn: Das Wort hat Herr Dr. Leon Reich. Del. Dr. Reich (mit stürmischem Beifall begrüßt): Verehrter Kongreß I Im Namen der galizischen Landsmannschaft gestatte ich mir, hier unsere Stellung gegenüber dem jetzigen Actions - Comite und gegenüber den Fragen, die im Bericht des Actions-Comites berührt werden, darzulegen. Ich glaube, daß unsere Stellungnahme um so beachtenswerter ist, als wir tatsächlich über Sachen und Menschen urteilen können, da wir weder im E. A. C. eine Vertretung hatten, noch auch zu dieser oder jener Opposition geschworen haben. Vor allem stelle ich fest, daß die galizische Landsmannschaft der Arbeit des bisherigen Actions- Comites mit vollem Vertrauen entgegengesehen hat und daß sie das System und die Richtung, in der die Arbeit der jetzigen Leitung geführt wurde, mit voller Sympathie begrüßt. (Lebhafter Beifall.) Wir wissen dem Actions-Comite Dank, daß die Arbeit in Palästina so intensiv, mit solchem Eifer, aber auch mit solchem Verständnis geführt wurde, wir wissen ihm Dank für seine Bestrebungen um die Nationalisierung und Hebraisierung des jüdischen Volkes, wir wissen ihm Dank dafür, daß die Organisation konsolidiert wurde und daß jeder von uns, der bis vor zwei Jahren immer bloß wußte, daß er ein Instrument der Bewegung ist, jetzt wirklich sich angegliedert fühlt an die Bewegung, und sich als Subjekt, das sein eigenes Schicksal schmiedet, fühlt. Dies hindert uns freilich nicht, auch die verschiedenen Mängel zu sehen, die an der Leitung zu konstatieren waren. Diese Mängel sind jedoch von allzugeringer Bedeutung gegenüber dem System der Großzügigkeit, gegenüber der Richtung, die die ganze Bewegung beherrscht hat, der Richtung der Arbeit, des Fortstrebens, der immer weiteren Entwicklung. (Lebhafter Beifall.) Und deswegen, weil wir zum Actions-Comite Zutrauen haben, und es nur normal finden, was die jetzige Leitung von uns verlangt, werden wir uns dafür einsetzen, daß das Instrument, das zur Realisierung des Programmes und zur Fortbewegung der Idee dient, also das Finanzinstrument,, so geleitet werden soll, daß die Leitung der Bewegung auch einen Einfluß auf die Leitung der Finanzinstrumente habe. (Lebhafter Beifall.) Ich bekenne Ihnen, auch ich selbst habe und hatte Skrupel dagegen,, daß durch dick und dünn die Kolonialbank und deren Leitung in die Hände der Leitung der Bewegung ausgeliefert werde. Ich erwähne das Wort „ausgeliefert", weil es unsere Widersacher gewöhnlich gebrauchen. Ich habe Skrupel deswegen, weil ich dem Herrn Dr. Katzenelsohn recht gebe, der gesagt hat, die Bank ist ein kommerzielles Unternehmen, wiewohl ich wirklich wünschen würde, daß wir von dieser Kommerzialität auch jetzt schon, wo die Leitung der Bank in anderen Händen sich befindet, als in den Händen des Actions-Comites, mehr merken sollen. (Lebhafte Zustimmung.) Ich glaube, daß wir diesen Umstand jedenfalls auf diese Weise werden regeln können, daß nicht absolut alle Professoren, wie man ironisch sagt, die in der Leitung stehen, auch selbständig die Bank werden leiten müssen, aber auf jeden Fall werden wir den Modus finden müssen, daß diese Gruppe, die heute — wenigstens meiner Ansicht nach — die Majorität der Bewegung bildet, deren Meinung ausschlaggebend ist für die Leitung der Bewegung, auch ihre Meinung ausschlaggebend behalten soll für die Leitung der Finanzinstrumente der Bewegung. (Lebhafter Beifall.) Ich kenne sehr gut die Einwendungen, die dagegen gemacht werden, und ich bemerke, die Einwendungen sind nicht unbegründet. Es ist nicht unbegründet, wenn man uns sagt, die Leitung der Bewegung könnte die Gelder der Bank für irgendwelche momentanen Zwecke vergeuden, und die Aktionäre der Bank könnten dastehen und die Depositare könnten ihre Depositen nicht haben; aber über dem Geld steht noch etwas anderes und Heiligeres, was wir der Leitung anvertraut haben. Wenn man sagt,