Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 96)
- Language
- German, English, Hebrew
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die sich als solche bezeichnen, ein besonderes politisches Verständnis oder besondere politische Beziehungen besitzen, die dem E. A. C. nicht zur Verfügung stehen. Das ist die Behauptung, die in der „AVeit" gestanden hat, und für die einzustehen ich bereit bin. Dieses Gebiet verlasse ich nun und gehe auf andere Bemerkungen über, die gegen die Redaktion der „Welt" gefallen sind. Herr Dr. Rosen feld und Herr Chasanowitsch haben sich gegen die theoretische Haltung der ,,Welt" gewendet. (Chasanowitsch: Warum sprechen Sie nicht über die Pariser Rede Nordaus?) Wir haben die Rede Dr. Nordaus, die er zuletzt in Paris gehalten hat, aus dem Grunde nicht abgedruckt, weil wir nicht unmittelbar vor dem Kongreß diese ganze Angelegenheit aufrollen wollten (Ohorufe und Zwischenrufe des Herrn Chasanowitsch). Herr Chasanowitsch, wenn Sie eine Anfrage an mich stellen, müssen Sie mich ausreden lassen. Wir haben uns nur gegen einen Passus in der Rede Nordaus verwahrt und verwahren müssen, nämlich gegen die geschäftlichen Bemerkungen in dieser Rede und wir . . . (Zwischenrufe des Del. Dr. K 1 a t z - k i n) Herr Dr. Klatzkin, stören Sie mich nicht. (Unruhe — Präsident Wolffsohn gibt das Hammerzeichen.) Meine Herren! Wir haben uns sofort gegen einen Passus in der Rede verwahrt, nämlich gegen die Kritik, die Dr. Nordau an der Geschäftsführung des E. A. C. geübt hat. Dieser Passus ist dann in die gesamte ostjüdische Presse übergegangen und lebhaft kommentiert worden, und diese Kommentare haben wir abgedruckt. Wir haben es aber abgelehnt, über die allgemeinen politischen Ausführungen Dr. Nordaus noch einmal unmittelbar vor dem Kongreß zu diskutieren und haben geschrieben, wir überlassen das Urteil dem Kongreß. Das war die Sachlage. Ich gehe auf das über, was Herr Dr. Rosenfeld und Herr Chasanowitsch über die theoretische Haltung der „Welt" gesagt haben. Es ist selbstverständlich, daß man nicht alle Gruppen des Kongresses in dieser Richtung voll befriedigen kann. Die Redaktion der„Welt", die nur aus zwei Personen besteht, kann nur auf dem einen oder anderen Standpunkt stehen bei den vielen Streitfragen, um die es sich hier handelt. Es gibt allerdings Nuancen, die so stark von unserer zionistischen Anschauung abweichen, daß man sie direkt bekämpfen muß, z. B. die Nuance des jetzt modern gewordenen All Judentums, das sich eine eigene Revue in Westdeutschland gegründet hat. Charakteristischerweise in Westdeutschland, weil man dort schon weiter vom Osten entfernt ist und die Dinge nicht mehr so genau kennt. (Sehr richtig!) Diesen Standpunkt konnten wir in der „Welt" nicht akzeptieren. Denn ich bin tatsächlich der Meinung, es wäre der Ruin des Zionismus, wenn wir unsere zionistische Grundanschauung ersetzen wollten durch ein verschwommenes Alljudentum, das behauptet, es gibt da und dort ein Judentum, das sich organisch entwickelt, und man soll zusehen, wie sich diese verschiedenen Judentümer entwickeln. (Lebhafter Beifall.) Auf diesen Standpunkt konnte sich die Redaktion der „Welt" nicht stellen. Sie mußte daran festhalten, daß es für den Zionismus ganz unwesentlich ist, wie man über diese theoretischen Fragen im Judentum denkt. Die politische Aufgabe des jüdischen Volkes im gegenwärtigen Zeitpunkte ist, sich eine Heimstätte in Palästina zu schaffen und dort durch Belebung der hebräischen Sprache ein nationales Zentrum zu bilden. (Lebhafter Beifall.) Das ist keine Theorie, das ist Tagespolitik eines Volkes, das erkennt, welches seine erste, nötigste und dringendste Aufgabe ist, und das ist der Standpunkt, den die „Welt" vertreten, hat. (Erneuter lebhafter Beifall.)