Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 94)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 87 - letzten zwei Jahren die Ehre gehabt, Chefredakteur Ihres Zentrabrganes zu sein und fühle mich daher verpflichtet, auf einige Bemerkungen, die hier über die „Welt" gemacht worden sind, zu antworten. Ich möchte zunächst eine Angelegenheit klarstellen, die in der ganzen jüdischen Oeffentlichkeit, insbesondere in sehr vielen Blättern in Osteuropa, falsch dargestellt worden ist, nämlich die Haltung der „Welt" gegenüber unserem, von uns allen hochverehrten Herrn Eh*. Max Nordau. Es ist verbreitet worden, die „Welt" habe gleichsam systematisch sich bemüht, Herrn Dr. Nordau anzugreifen. (Sehr richtig.) Ich bitte diejenigen Herren, welche auf diesem Standpunkt stehen, mir das Material vorzulegen, bevor sie „richtig" rufen. Ich behaupte, daß niemals ein Wort in der „Welt" gestanden hat, das als kränkend für Dr. Nordau aufgefaßt werden könnte, und damit Sie nicht denken, meine Damen und Herren, daß ich mich etwa hinter Formalien verschanzen will, daß ich eine Angelegenheit übergehen will, die Sie vielleicht nicht genau in Erinnerung haben, so will ich Ihnen selbst das Material vortragen, daß man gegen die „Welt" in bezug auf die Affäre Dr. Nordau vorbringen könnte. Als der Artikel des Herrn Dr. Max Nordau in der „Times" erschienen war, befand sich die „Welt" vor der Frage, wie soll sie sich zu diesem Artikel verhalten? Die „Welt" ist das offizielle Organ der Partei und sie mußte daher einen Standpunkt einnehmen, der dem Standpunkt des E. A. C. entsprach. Nun wissen Sie alle, daß der Artikel Nordaus gegen den ausdrücklich geäußerten Willen d e s E. A. C. erschienen ist, und zwar mit der Unterschrift „Präsident des X. Z i o n i s t e n - K o n g r e s s e s". Die „Frankfurter Zeitung" hat sich darüber in einem eigenen Telegramm aus London berichten lassen, in welchem stand, Herr Dr. Nordau habe im Namen des Actions-Comites der zionistischen Organisation an die Botschafterkonferenz in London zugunsten des Zionismus appeliert. Das war die Situation. Nun sagten wir uns, wenn wir den Artikel Dr. Nordaus ohne jeden Kommentar abdrucken, so heißt das, die „Welt" identifiziert sich mit diesem Artikel; auf der anderen Seite wollten wir es durchaus vermeiden, in der „Welt" eine große Campagne gegen Dr. Nordaus Artikel zu führen; wir glaubten, die Oeffentlichkeit werde über die Sache rasch hinweggehen, und die nichtjüdische Oeffentlichkeit hat das ja auch getan. Wir wollten also keine Polemik entfesseln, sondern beschränkten uns darauf, daß wir in der Rubrik, die für parteioffiziöse Nachrichten bestimmt ist, in der Rubrik „Aus der Bewegung" — das ist keine Beleidigung, wenn man auf der 12. Seite der „Welt" steht, dort erscheinen sämtliche Communiques des Großen Actions-Comites — eine parteioffiziöse Notiz brachten, in der wir sagten: Herr Dr. Max Nordau habe einen Artikel veröffentlicht, in dem er die allgemeinen Grundsätze und Gedanken des Zionismus entwickelte. Dann sagten wir, die Darstellung der „Frankfurter Zeitung"^ die zionistische Organisation hätte an die Botschafterkonferenz appelliert, sei falsch, es handle sich nicht um einen offiziellen Schritt des Zionismus und nicht um einen Appell an die Botschafterkonferenz. Das war die Art und Weise, in welcher wir die Sache — wie Sie verstehen werden — aus politischen Gründen behandelt haben. Wenn man nun glaubt, wir hätten diesen Gesichtspunkt zurückstellen sollen, weil es sich um Nordau handelt und uns mit seinem Artikel identifizieren sollen, so ist das zwar ein Standpunkt, den ich vom Gesichtspunkt der Pietät gegen einen so hervorragenden Mann begreife, den ich aber als verantwortlicher Redakteur der „Welt" nicht teilen konnte. Und wenn ich wieder in eine solche Situation käme, so würde ich wieder gezwungen sein, die politischen Gesichtspunkte, die für die Gesamt-Organisation schwerwiegend sind, voranzustellen. (Lebhafter Beifall.)