Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 93)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476276--4005-3480148- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 86 — der „Welt" paßt nicht für die zionistische Organisation. Sie muß besser sein als irgendein Organ einer Landsmannschaft. In ihr sollten alle großen Schriftsteller und Publizisten zu Worte kommen, die wichtigsten Probleme sollten beleuchtet werden. Was sehen wir statt dessen? Vereinsmeierei. Sie ist wie ein gelbes Käseblättchen. Präsident Wolffsohn: Herr Chasanowitsch, Sie haben das Recht, Kritik zu üben, sind aber nicht berechtigt, unser Zentralorgan verächtlich zu machen. Nehmen Sie das Wort zurück. Sie sind in der Lage, in parlamentarischen Ausdrücken, auch in der jüdischen Sprache zu sprechen. Del. Chasanowitsch: Ich versteife mich nicht auf Ausdrücke, aber der Inhalt der „Weit" steht nicht auf der entsprechenden Höhe. Ich muß feststellen, daß in der „Welt" keine Wortfreiheit herrscht. Man ließ uns nicht zu Worte kommen. Dagegen protestieren wir. Ich habe den direkten Auftrag von der Poale-Zionistischen Organisation, von der Konferenz, die in Krakau abgehalten wurde, gegen die Art der Beziehungen der „Welt" und der zionistischen Redner zur jüdischen Sprache zu protestieren. Der Zionismus muß zum Herzen des Volkes dringen. Auch protestieren wir gegen die Schwäche, die das Actions-Comite dem Misrachi gegenüber gezeigt hat. Das Actions-Comite hat sich eine rabbinische Kontrolle geschaffen. (Pfuirufe.) Es liegt im Interesse des Zionismus, direkt zum Volke zu gehen. Ich stelle nun fest, daß beispielsweise Herr So ko low sich geweigert hat, im jüdischen Viertel Londons, Whitechapel, jiddisch zu reden. Ich stelle fest, daß etwas ähnliches mit den zionistischen Rednern in G al i z i e n passiert ist, und daß diese Tatsachen im Widerspruch stehen mit den Anschauungen, welche auf dem letzten Kongresse ausgesprochen wurden. Gleich nach dem letzten Kongresse hat man von einem Vertrage gehört, den das Actions-Comite ganz gegen die Statuten mit dem Misrachi abgeschlossen hat, demzufolge diesem eine rabbinische Aufsicht in allen Kulturangelegenheiten eingeräumt wurde. (Hört, hört!) Wer hat dem Actions-Comite das Recht auf Schwäche gegeben, wer hat ihm das Recht gegeben, eine rabbinische Kontrolle zu schaffen? Stärke und Toleranz müssen sich im Zionismus paaren. Wir wünschen aber nicht ein Zurückweichen bei der ersten Drohung. Wir brauchen keine rabbinische Aufsicht. (Pfuiruf auf der Galerie.) Präsident Wolffsohn (das Hammerzeichen gebend): Ich glaube, von der Galerie ist ein Pfuiruf gefallen! (Ein Galeriebesucher: Ich nehme es zurück!) Ich mache die Gäste darauf aufmerksam, daß ich mich, wenn Sie sich in dieser Weise an den Verhandlungen beteiligen werden, zu strengeren Maßregeln genötigt sehen werde. Pfui ist überhaupt kein Ausdruck (lebhafter Beifall) und insbesondere die Gäste haben sich ruhig zu verhalten. Ich bitte Herrn Chasanowitsch, fortzusetzen. Del. Chasanowitsch (fährt fort): Wir stellen mit Zufriedenheit fest, daß manches sich gebessert hat, speziell die Palästinaarbeit befriedigt uns mehr als früher; wir haben aber noch Klagen und Forderungen bezüglich der Agitation, in bezug auf Behandlung der jüdischen Sprache und bezüglich der Taktik. Hier haben das Actions- Comite und seine Organe versagt, ich wiederhole, erst wenn man uns einen Bericht über die Palästinaarbeit vorgelegt hat, der uns befriedigt, können wir uns über das Vertrauensvotum entscheiden. (Lebhafter Beifall) Präsident Wolffsohn: Ich erteile das Wort Herrn Redakteur Lichth e i m, welcher vom E. A. C. zur Antwort auf einzelne Angriffe, weiche in der Debatte gegen „Die Welt" gerichtet wurden, delegiert ist. Del. Redakteur Lichtheim: Geehrter Kongreß! Ich habe in den