Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 92)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476276--4004-3480147- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 85 — Was Palästina anbelangt, so können wir zu unserer Freude feststellen, daß die Arbeit dort besser gewesen ist, als in den früheren Jahren. Wir sind zufrieden, daß unsere neue Leitung mehr Aktivität in Palästina entwickelt hat. (Lebhafter Beifall.) Aber damit will ich nicht sagen, daß wir mit allem zufrieden sind, was das Actions-Comite in Palästina getan hat. Wir haben eine Reihe von Klagen über die Arbeiten, die das Actions-Comite und seine Aemter in Palästina geschaffen haben. Wir haben die Klage, daß der Nationalfonds, weicher geschaffen wurde zur Nationalisierung der Erde, verwendet wurde für private Zwecke. (Lebhafter Beifall.) Wir wiederholen diese Klage von Kongreß zu Kongreß und werden sie solange wiederholen, bis das Actions-Comite den Nationalfonds zu seinem ursprünglichen Zweck zurückführt. (Lebhafter Beifall. Rufe: Was heißt Privatzwecke?) Für Tel - Awiw und andere solche Sachen. Meine Herren! Ueber diese Frage und ähnliche werden unsere Vertreter aus Palästina sprechen, und daher will ich zu anderen Fragen übergehen. Einen großen Teil unserer Beratungen nimmt Max N o r d a u in Anspruch, dessen Abwesenheit sich so fühlbar macht. Er ist der Gegenstand unserer Debatte. Wir stimmen weder mit den Prinzipien noch mit der Taktik des Herrn Nordau überein. Aber wir meinen durchaus, daß das Actions-Comite nicht frei von Schuld an den Vorkommnissen ist. Es hätte mehr Rücksicht auf ihn und seine Freunde nehmen müssen. Wir stimmen nicht mit ihm darin überein, daß die Idee, auf welche er sich als das Erbe Herzls beruft, der wichtigste Teil des Erbes sei. Wir denken nicht, damit steht und fällt die ganze Gedankenarbeit Herzls. Wir hätten am wenigsten erwartet, von einem Manne, wie Nordau, der die „Konventionellen Lügen" schrieb, daß er von einer Botschafterkonferenz in London Hilfe für das jüdische Volk erwartet hätte. Das ist ein Unsinn, eine Lächerlichkeit. Disziplin muß in jeder Organisation sein und für jeden ist sie maßgebend, groß oder klein. Wenn er einen Brief schrieb in der „Times" und „Präsident des X. Zionistenkongresses" zeichnete, dann hätte er zuerst das Actions- Comite fragen sollen, ob es damit feinverstanden ist, und da er es nicht tat, so beging er damit einen Disziplinbruch. Aber trotzdem durfte das Actions-Comite Nordau nicht zum alten Eisen werfen. Wir sind gegen den Personenkultus, der seit je im Zionismus betrieben wird, deshalb macht es aber einen um] so peinlicheren Eindruck, daß ein Mann, der Herzl fast gleichgestellt und gleich diesem wie ein Halbgott verehrt wurde, mißhandelt wird, im Momente, wo er in die Opposition tritt. Warum wurde die Rede Nordaus nicht in der „Welt" abgedruckt, dagegen war eine Unzahl von Preßstimmen gegen ihn zitiert? Wir fragen uns mit Unruhe, was würde mit einer anderen Opposition geschehen, welche kleiner als Nordau ist? Wir sind dafür, jede Opposition soll zum Worte kommen, und daher protestieren wir gegen den Ton der „Welt" gegen Nordau. (Zustimmung.) Die Haltung der Leitung Nordau gegenüber erinnert an jene Heiden, die ihre Götzen in Scherben schlagen, wenn ihre Gebete unerfüllt bleiben. Wir sind entschieden gegen den Götzendienst im Zionismus, wir sind aber ebenso entschieden gegen die Scherbentaktik. Meine verehrten Herren! Ich muß heute mehr über die „Welt" sprechen. Wenn man sich für Politiker hält, dann müssen an der Spitze verantwortliche und taktvolle Personen stehen. Wir wissen nicht, was hinter den Kulissen vorging, aber nach dem, was wir in der „Welt" gelesen, haben wir den hindruck, daß hier eine Unkorrektheit geschehen, für die das Actions-Comite verantwortlich gemacht werden muß. Ferner protestieren wir gegen die verächtliche Behandlung der jüdischen Sprache in der „W e 11". Die „Welt" ist kein Organ der deutschen Zionisten, sie ist ein Organ des Zionismus. Meine Herren! Ich muß sagen, die kulturelle Höhe