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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 80

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 80 (sequence 87)
Language
German, English, Hebrew
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— 80 — Noch sind die Bewegungen auf dem Balkan nicht zum Abschluß gekommen und kein Mensch kann sagen, wie es morgen da unten aussehen wird. Es ist bei dieser Lage der Dinge bei uns direkt eine Sünde, wenn wir jetzt untätig sind und nicht dafür sorgen, daß unsere Leitung die Mittel in die Hand bekommt, die es ihr ermöglichen, zu jeder Zeit und zu jeder Stunde etwas zu tun. Wenn ich von Mitteln spreche, meine ich nicht die Bank, sondern lebendiges Kapital, einen Reservefonds. (Sehr richtig!) Meine Damen und Herren! Noch ein Wort über die anderen Zweige der Tätigkeit unserer hohen Leitung während des genannten Zeitraumes. Ich lese im Berichte, daß so und soviel 1000 Mark für allerlei Kul'turluxus ausgegeben worden sind. (Ohoruf e!) Für mich ist jede Kultur •ein Luxus. (Gelächter.) Kann es die hohe Leitung verantworten, daß, während die jemenitischen Juden unter freiem Himmel schlafen müssen, wir 20 oder 30000 Mark nur für Kulturzwecke ausgeben? Nach meinem Dafürhalten ist eine solche Politik ebenfalls nicht zu verteidigen, umsomehr nicht, als es sich hier nicht nur um eine praktische, sondern um eine prinzipielle Frage handelt. Meine Damen und Herren! Der Zionismus ist kein Verein für jüdische Geschichte und Kultur, sondern er ist eine organische Bewegung. Man macht diesen Prozeß nicht mit neuen Schulen, neuen Gymnasien und neuen Universitäten, sondern man fängt mit dem Bauer an. (Ruf: Warum schreiben Sie Bücher?) Weil ich kein Bauer bin und nicht Gelegenheit gehabt habe, es zu werden, aber meine Kinder sollen es werden! Der ganze Kongreß macht auf mich den Eindruck einer Versammlung, die sich in einer Jiskorstimmung befindet. Präsident Wolffsohn (unterbrechend): Sie haben kein Recht, dem Kongreß eine derartige Injurie ins Gesicht zu schleudern.. Ich entziehe Ihnen das Wort, wenn das noch einmal vorkommt. Wir haben uns genug gefallen lassen. (Stürmischer Beifall.) Del. Dr. Melamed (fortfahrend): Ich will noch auf einen Punkt des Berichterstatters eingehen, nämlich auf die Reise des Herrn Sokolow nach Amerika. Herr Nahum Sokolow hat sich bekanntlich drei Monate in Amerika aufgehalten. Wenn zu mir jemand käme und mich fragen würde, was ist genau Sokolow für drei Monate wert, so würde ich sagen: 1 Million Mark und wer ihn unter dieser Summe hergibt, der verschleudert bloß seinen Wert! Ich möchte die Leitung fragen, hat sie Sokolow jenseits des großen Teiches geschickt, um nur zionistische Stimmung zu machen, was ihm auch geglückt ist, oder für irgendeine unserer großen Institutionen tätig zu sein? Ich halte es für direkt ungehörig, daß praktische Menschen unseren Nahum Sokolow nach Amerika schicken, nach jenem Dollarica. Zu den Amerikanern kommt man und sagt, gebt Geld, wir Juden haben keines, gebt Ihr es her! Und ich glaube, wenn die Sache organisiert gewesen v/äre, wäre es Sokolow geglückt, 1 Million Mark für unsere Institutionen aufzutreiben. Ich glaube, daß in diesem' rastlos pulsierenden Leben Amerikas selbst ein Nahum Sokolow nicht in der Lage ist, einen Eindruck zu hinterlassen, der sich späterhin zu einem1 konkreten Faktor verdichten kann. Das ist in Amerika unmöglich und das hätte unsere Leitung wissen müssen. Wenn sie Sokolow schon für drei Monate hergibt, hätte das einen Zweck haben müssen. Ich sehe nicht ein, daß es sehr zweckmäßig ist, Sokolow drei Monate den Amerikanern herzugeben für den lumpigen Preis von 30 000 Mark. (Andauernder Lärm. — Lebhafte Schlußrufe.) Präsident Wolffsohn: Sind Sie fertig?

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