Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 81)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 74 gewöhnen. Das ist die Hauptsache. Und ich werde Ihnen auch erklären, warum. Das E. A. C. hat einen sehr ungünstigen Augenblick gewählt. Sie wissen, Kann kommt mit einer Broschüre, in der Ziffern stehen — und die Leute liaben große Achtung vor Ziffern — und wo er sagt: Die Geschäfte werden nicht kaufmännisch genug geführt. Max Nordau hält eine Rede, aus der die Zeitungen einige Teile herausgerissen haben: „Geht dort alles redlich zu?" In diesem Augenblick, wo eine von allen Seiten untergrabene Meinung sich breit macht, wollen Sie .kommen und der großen Masse sagen, gebt uns die Banken, wir wollen sie in unseren Händen haben. Sie führen dadurch diesen Vorurteilen nur Nahrung zu! Es genügt nicht, zu erklären, oder zu sagen, es ist keine Gefahr, es ist dasselbe. Ich weiß nicht, ob das alle verstehen, ob alle damit einverstanden sind. Ich habe Protestrufe gehört, wie ich gesprochen habe. In den großen Massen des jüdischen Volkes in Rußland ist mein Einfluß, der auf diesem Kongreß nicht ausreichend ist, gewiß nicht ausreichend, vielleicht nicht einmal der des E. A. C. Bevor die Geldfrage nicht klargestellt ist, ist nicht einmal der Einfluß des Kongresses ausreichend, denn Sie dürfen nicht vergessen, daß bei unseren zionistischen Unternehmungen nicht die Zionisten allein, sondern auch Nichtzionisten mitreden. Ist denn diese Frage wirklich von so großer Bedeutung, daß wir nicht zwei Jahre warten können? Vielleicht ist die Frage doch nicht so wichtig und man kann die zwei Jahre warten, bis die jüdischen Massen die Gewißheit haben, — ich spreche nicht von den Aktionären, sondern von denen, die uns Geld geliehen haben, Depots bei uns haben — daß ihre Depots, daß ihr Geld in sicheren Händen ruht. (Lebhafte Zwischenrufe). Ich bitte, mich nicht mißzuverstehen. (Erneute Zwischenrufe). Ich glaube, Sie haben mich nicht gehört, sonst könnte ein Mißverständnis nicht vorgekommen sein. Meine Herren! Ich muß den Grundgedanken wiederholen, denn; ich bin mißverstanden worden. Es ist jetzt ein Moment, wo falsche Gerüchte — ich sage nicht subjektiv, sondern objektiv falsche Gerüchte — verbreitet werden, und die Frage ist in den großen Massen nun einmal da. Dieser Moment ist am allerwenigsten geeignet, Aenderungen herbeizuführen. (Zwischenrufe). Damit habe ich für niemanden etwas Beleidigendes gesagt. Ich halte, wie gesagt, keine Agitationsrede, dazu habe ich am allerwenigsten Grund, aber ich habe es für meine Pflicht gehalten, meine Meinung zu sagen. Ihre Sache wird es sein, danach oder dagegen zu handeln. (Lebhafter Beifall.) Vizepräsident Dr. Gaster: Herr Dr. Rosenfeld hat das Wort. Del. Dr. Rosenfeld (mit lebhaftem Beifall begrüßt, spricht jüdischdeutsch): Ich meine, wir können hier nicht von dem Votum des Actions- Comites reden, ohne den Bericht des Nationalfonds und den über die Palästinaarbeit gehört zu haben, und wir können auch vorläufig kein Votum abgeben. Wir halten das Actions-Comite auch für die Palästinaarbeit verantwortlich. Was man uns in dem dicken Buche vorgelegt hat, kann man keinen Bericht nennen. Die Fraktion, der ich angehöre, die jüdisch-sozialistische Arbeiterpartei Poale Zion hat viele Beschwerden über die jetzige Leitung. Herr Dr. H a n t k e hat von der Hebraisierung der Bewegung gesprochen. Diese ist aber nicht eingetreten. Es ist ein einseitiger Achad Haamismus eingetreten, den wir für schädlich halten. Ich meine das Auftreten Achad Haams vor seiner Reise nach Palästina in seinem Artikel im „Hasdhiloach": „Resume". Wir wissen, daß er auf dem Standpunkte steht, wir brauchen keine Bauern in Palästina. Es genügt uns ein Kulturzentrum. Dr. P a s m a n i k sprach sich dagegen aus, und die „Welt" trat damals gegen Pasmanik auf. (Ruf: Dafür waren die Poale Zion seine Leibgarde!)