Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 72

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 72 (sequence 79)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
100% known words query
IRI
…/3476254-3476276--3991-3480134
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

— 72 — ein neues System, noch neue Methoden. Ich sehe nichts Wesentliches, von dem man sagen könnte: d a s ist das neue Actions-Comite. Wie gesagt. Ich übe hier keine Kritik aus. Ich weiß nicht, ob es seine Sache gut macht oder schlecht, ich meine nur, es macht die Sachen nicht anders. Macht es sie gut, so war es auch früher gut, macht es sie schlecht, so war es auch früher schlecht. (Ruf: Machen Sie es besser!) Nun, meine Herren, will ich Ihnen jetzt die dunkle Stelle zeigen, die auch die Sonne hat. (Hört! Hört!) Das ist meine innerste Ueberzeugung. Das E. A. C. behandelt die Vertreter der Minorität ungerecht und ich möchte sagen, ganz unpolitisch. Meine lieben Freunde, ich gehöre nicht zu dieser Minorität. Ich habe gesagt, ich habe am Kampfe nicht teilgenommen. Ich spreche hier nicht für Freunde und nicht für Gesinnungsgenossen im engeren Sinne des Wortes, ich spreche für Gesinnungsgenossen, die auch euere Freunde und Gesinnungsgenossen sind. Das erste, was ich auch heute bereits angeführt habe, ist die Frage Max N o r d a u. Ich glaube nicht, daß wir hier in diesem Saale die Vollmacht haben, die Handlungsweise von Max Nordau zu besprechen. (Unruhe und Zwischenrufe.) Aber, was wir tun können, ist, über das E. A. C. zu sprechen. Ich möchte nicht subjektiv sein. Als jemand gesagt hat, daß die Sache nicht ohne Verschulden des E. A. C. war, hat dies eine gewisse Unruhe hervorgerufen. Ich werde es vermeiden. Ich nehme an, wiewohl es nicht meine Ansicht ist, daß die Handlungsweise Max Nordaus durch das E. A. C. gar nicht hervorgerufen war. Aber ich frage Sie, wie sollen wir uns zu dieser Sache verhalten. Ich frage das E. A. C, unter dessen Aufsicht die Redaktion der „Welt" steht, ob diese die Sache mit richtigem Verständnis behandelt hat. (Sehr richtig!) Es kommt mir nicht darauf an, ob sie recht hatte, die Sache so oder so zu behandeln, sondern ob es zweckmäßig war. Ich will Ihnen kurz sagen, in einem Resume, was ich meine. Ich habe von hochstehenden Leuten in unserer Bewegung gehört, Max Nordau ist ein Mythos. Ich werde Ihnen sagen, was Nordau ist. Max Nordau ist ein Symbol des Zionismus. Für die ganze Bewegung, für das ganze jüdische Volk ist Max Nordau einer der Schöpfer des zionistischen Gedankens. Ob es wahr ist oder ob es nicht wahr ist, will ich auch nicht untersuchen; aber so glaubt man, und das genügt. In dem Moment, wo es heißt, Max Nordau hat keinen Platz in unserer Organisation, wo durch die weitere Handlungsweise Max Nordau gezwungen sein wird, nicht mit uns mitzuarbeiten, wird es heißen, daß der jetzige Zionismus nicht eine gewisse Modifikation, nicht eine Weiterentwicklung derjenigen Ideen ist, welche Herzl und Nordau gepredigt haben, sondern es wird heißen, wir haben jetzt einen ganz anderen Zionismus, an dem Max Nordau nicht mehr teilnehmen kann. (Unruhe und Zwischenrufe.) Ich weiß, es sind noch einige andere Personen, die mit Dr. Herzl mitgearbeitet haben, und die in nicht lärmender Weise allerdings, aber tatsächlich nicht mehr mit uns mitarbeiten. Ich weiß auch, daß dieser Kongreß vielleicht zur Folge haben wird, daß noch andere Leute, die mit Herzl zusammengearbeitet haben, mit uns nicht mehr werden mitarbeiten wollen. (Zwischenrufe.) In diesem Augenblick wird die Frage entstehen, was macht uns Nordau von größerer Bedeutung? Ein zweiter Punkt, wo ich finde, daß das Actions-Comite die Opposition nicht richtig und zweckmäßig behandelt hat, ist die Kritik von Herrn Kann. Ich weiß, wenn Kann spricht oder schreibt, glaubt man, da man weiß, daß er gegen die Arbeit in Palästina ist, man kann seine Ansicht nicht für gut finden, ob Kann recht hat oder nicht. Ich verstehe mich auf diese Sachen nicht, aber ich glaube, in dem Augenblick, wo

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.