Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 77)
- Language
- German, English, Hebrew
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- Minsk 1× ep/1000754
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— 70 — sind. Aber es ist ein Gebot der politischen Weisheit und wir müssen darauf bestehen, daß es doch einmal geschieht! (Beifall.) Und zuletzt — die Organisierung des palästinensischen Judentums. Die Initiative hierzu wurde schon vor Jahren -ergriffen, und ich will nicht darauf näher eingehen, warum sie damals mißglückt ist. Genug, daß auch dies schließlich als zeitgemäße Aufgabe erkannt wurde, und nunmehr wird in Palästina darauf hingearbeitet. Dies sind die Richtlinien unserer zionistischen Politik, die ich unserer Leitung in Zukunft ans Herz legen möchte. Was aber die abgehende Leitung betrifft, so beantrage ich, den Rechenschaftsbericht zu genehmigen und dazu ihr unseren innigsten und vorbehaltlosen Dank für die bisherigen Leistungen zuteil werden zu lassen. Möge sie uns für die Zukunft erhalten werden! (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Vizepräsident Dr. Gaster (übernimmt den Vorsitz): Das Wort hat Herr Rosenbaum (Minsk). Del. S. Rosenbaum: Geehrter Kongreß! Ich habe nicht die Absicht, hier für oder gegen jemanden, für oder gegen etwas zu sprechen, und noch weniger möchte ich hier eine Agitationsrede halten. Ich halte es aber für meine Pflicht, Ihnen ganz kurz und ganz bestimmt meine Meinung über all die Fragen zu sagen, die im Berichte berührt worden sind. (Unruhe.) Vizepräsident Dr. Gaster: Ich möchte darauf aufmerksam machen, daß, wenn der Kongreß nicht ruhig ist, auch ein Riese nicht so sprechen kann, daß man ihn im ganzen Saale hören kann. Der Kongreß muß in erster Reihe absolute Ruhe wahren. Order! Order! Del. S. Rosenbaum (fortfahrend): Ich halte es aus folgendem Grunde für meine Pflicht. Sie wissen ja, daß vor den zwei Jahren der Ruhe vier Jahre des Kampfes waren. Im Verlaufe der letzten vier Jahre befand sich die ganze Bewegung unter dem Einflüsse einer bestimmten Hypnose, und diese Hypnose dauert selbstverständlich gemäß dem Trägheitsgesetze fort. Der gegenwärtige Zustand ist das Resultat des Kampfes, und deshalb ist es selbstverständlich, daß die einen, die den gegebenen Zustand als eine Folge ihres Sieges betrachten, diese ihre Errungenschaften bewahren wollen, noch mehr, daß sie ihren Sieg bis zu Ende führen wollen, daß wiederum die anderen, die sich besiegt glauben, alle ihre Kräfte anstrengen, um die Positionen zu schützen, die ihnen noch vom vorigen Kongreß geblieben sind. Ich stehe da ganz allein. Ich habe im Verlaufe der vier Jahre an all den Kämpfen nicht teilgenommen, und so glaube ich denn sagen zu dürfen, daß mein Urteil vielleicht unrichtig sein kann, wie das Urteil jedes anderen, daß es aber jedenfalls mein Urteil sein wird und nicht das Urteil einer bestimmten Hypnose. Ich glaube, meine Kollegen im Großen Actions-Comite werden mir das Zeugnis geben, daß ich, trotzdem ich das jetzige Actions-Comite nicht gewählt habe, niemals als Oppositioneller gegen dieses Actions- Comite aufgetreten bin. Wenn ich dem Actions-Comite vielleicht jetzt dennoch nicht in dem Maße Lob zollen. werde, wie es meine Freunde getan haben, wenn ich vielleicht — auch die Sonne hat ja dunkle Flecken — irgendeinen Fehler aufzeigen werde, so werde ich es keineswegs etwa deshalb tun, weil ich eben dieses Actions-Comite nicht gewählt habe. Nach diesen einleitenden Worten will ich mich kurz fassen: Vor allem muß ich bemerken, daß weder in dem Berichte noch von meinen Vorrednern das größte Verdienst des jetzigen Actions-Comites erwähnt worden ist. Dieses größte Verdienst besteht nicht in methodischen Dingen, nicht in taktischen Fragen, sondern in der Klärung des Prinzipes, in