Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 76)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 69 — Instrument" der Bewegung sei, und wenn. Sie konsequent sein wollten, müßten Sie im Gegenteil dafür plaidieren, daß von der Bank zugunsten der Leitung — die doch die politische Repräsentanz der Bewegung ist — genommen werden solle; wir aber sind konsequent und sagen: von der Bank soll für keinen Zweck als einzig und allein für Palästina genommen werden! Da spricht man aber so häufig über die Notwendigkeit, an die Spitze finanzieller Institute durchaus praktische Leute zu stellen. Wohl ist es wahr, so lange man das Direktorium im Sinne hat, wir aber reden vom Aufsichtsrat, der berufen ist, die politische Linie unserer Tätigkeit zu bestimmen, und da erlauben Sie mir, der Ansicht Ausdruck zu verleihen, daß hier ein Schriftsteller oft mehr zu sagen weiß, als mancher „geriebene" Kaufmann. Die Minderheit sagt uns: „ja, Pläne könnt Ihr wohl haben, die Macht aber bleibt unser!" und! das ist es, wogegen wir uns auflehnen müssen. Wir wollen nicht nur das Programm bestimmen, sondern auch die reale Möglichkeit besitzen, es in zweckdienliche Taten umzusetzen. Das habe ich Ihnen nur so flüchtig sagen wollen, denn etwas anderes zu sagen war meine Absicht. Es war meine Absicht, vor diesen Hunderten und Tausenden, die hergekommen sind, ein erlösendes Wort zu hören, über die großen Probleme unserer zionistischen Politik zu sprechen. Denn tatsächlich gehören die großen politischen Fragen hierher, während die kleinlichen sogenannten Bankfragen vor ein anderes Forum gehören. Ich werde also bloß über die Politik unserer Leitung sprechen und erklären, daß ich mit dieser Politik eben nicht zufrieden bin, und zwar deshalb nicht, weil unsere Leitung nicht ganz von der Gegenanschauung sich befreien konnte und doch noch etwas „Politik" getrieben hat. Ich wollte hingegen, daß man mit jenen Treibereien, die man Politik nennt, ganz abbricht. Es besteht zwischen uns und jener Gruppe, an deren Spitze Dr. N o r d a u steht, eine tiefeinschneidende Differenz der Ansichten. Wir sind immer noch die Jünger der „Auto- Emanzipationsschule" und wollen bloß auf unsere eigenen Kräfte bauen und vertrauen, während jene auch fremde Hilfe in Aussicht nehmen. Und dann zweitens: Unser Zentrum ist im Osten, während jene es im Westen suchen. Und weil wir auf nichts anderes als nur auf unsere Kräfte uns verlassen wollen, müssen wir arbeiten und in der Arbeit unsere Kräfte schmieden. Deshalb sagen wir: Für eine solche Arbeit, die irgendwo anders und nicht bloß im Osten Stützpunkte sucht, dürfen wir gar nichts übrig haben! Unsere Politik liegt einzig und allein im Osten, und ich meine da nicht nur Palästina, sondern den ganzen Orient! Meine Herren! Wir stehen vielleicht jetzt vor einer Wendung in der Weltgeschichte. Der tausendjährige Kampf zweier Weltkulturen, an deren Entstehen wir Juden einen sehr regen Anteil genommen haben, hat vor unseren Augen einen Abschluß gefunden, dessen Tragweite wir vielleicht gar nicht zu erfassen imstande sind. Der Islam ist in den Orient zurückgedrängt worden, aber der Orient will und wird aufleben. Und da können wir Juden wiederum eine Rolle spielen, da wir die geeignetsten Vermittler zwischen Ost und West sein können. Wir sollen nicht bloß Kolonien in Palästina gründen, sondern in den Mittelpunkt des Orients treten und dort die Erbauer einer neuen Kultur als Synthese zwischen Ost und West werden. Das ist die wichtigste politische Aussicht, der wir entgegenstreben müssen. Wir müssen den Osten daran gewöhnen, in uns Freunde, Verbündete und Kampfgenossen zu erblicken. Ferner aber ist es ebenfalls eine Zeitaufgabe der zionistischen Politik, das palästinensische Judentum zu ottomanisieren. (Lebhafter Beifall.) Ich war in Palästina und weiß, welche Schwierigkeiten damit verbunden