Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 72)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 65 — werde das Wort ergreifen müssen. Unser Bankreferat, das ich, wie Sie wissen, immer erstatte, steht erst nächsten Dienstag auf der Tagesordnung, und ich glaubte, meine Ausführungen ruhig bis Dienstag aufschieben zu können; aber Herr Dr. Hantke hat im Namen des Actions-Comites bereits heute einige Anträge in bezug auf die Bank gestellt, und das zwingt mich, bereits heute aufzutreten, um meinen Standpunkt, der zugleich der Standpunkt des Direktoriums der Bank ist, vor Ihnen vorzubringen. Wie vielleicht manche gesehen haben, habe ich Herrn Dr. Hantke an einer Stelle seiner Rede aus Leibeskräften applaudiert. Es war an der Stelle, wo er erklärt hat, daß die Leitung von nun ab niemals die Bank und Gelder der Bank für Zwecke der Leitung beanspruchen wird. Das ist ein sehr schöner Beschluß, dem wir alle aus vollem Herzen beistimmen können. Es ist dies übrigens ein Beschluß des letzten und vorletzten Kongresses. Diese Evolution freut mich ganz besonders bei Herrn Dr. Hantke, bei ihm ganz besonders; denn vor zwei Jahren stand er ganz klar auf dem entgegengesetzten Standpunkte und sagte, als wir Garantien verlangten: nein, die Bank ist verpflichtet, ohne weiteres Geld zu geben, damit die Leitung sich halten kann. Voriges Jahr, bei der Jahreskonferenz hat er dieselbe Ansicht vertreten. Um so mehr freut es mich, daß er jetzt zu derselben Ueberzeugung gekommen ist, wie wir alle, daß dieser Standpunkt ganz unrichtig ist, und daß die Bank, der Nationalfonds und die anderen Institute für ganz andere Zwecke da sind als für die momentanen Bedürfnisse der Leitung. Nun aber wollen wir daraus einen Schluß ziehen. Es handelt sich hier um etwas Prinzipielles. Ich mache Herrn Dr. Hantke aus dieser Aenderung seiner Ansicht gar keinen Vorwurf. Er denkt in diesem Momente wie ein Mitglied eines Actions-Comites einer Bewegung, das sich an die Verhältnisse anpassen und mitunter anders über eine Sache denken muß als früher.. Ganz anders aber verhält es sich mit dem Direktorium oder dem Aufsichtsrate einer Bank. Stellen Sie sich vor, wenn wir vor zwei Jahren und voriges Jahr eine solche Anschauung gehabt hätten, wie Herr Dr. Hantke, so hätten wir vor zwei Jahren 70 000 und voriges Jahr 100 000 Francs mehr ausgegeben. Das wäre nicht das Richtige gewesen. Herr Dr. Hantke ist der Ansicht, daß das Actions-Comite der Bewegung und der Aufsichtsrat der Bank identifiziert werden müssen. Hier, meine Damen und Herren, möchte ich Sie vor dieser Ansicht warnen. Meiner Ansicht nach wäre es das größte Unglück, nicht nur für die Bank, sondern auch für das Actions-Comite. Meine Ansichten will ich dahin zusammenfassen: Man vergleicht uns oft mit einer Regierung und sagt, die Finanzinstitute der Regierung müssen in der Hand der Regierung sein. Ich halte das für einen sehr gewagten Vergleich, unsere Bewegung und unsere kleinen Finanzinstitute mit einer Regierung und ihren Finanzinstituten in eine Parallele zu stellen; aber gut, wollen wir bei diesem Vergleich bleiben. Gerade dieser Vergleich zeigt, daß nur die Steuern in der Hand der Regierung sein müssen, daß die Reichsbank nie in den Händen der Regierung ist und niemals sein darf, daß diese immer eine ganz besondere Leitung haben muß. Ja noch mehr! Als man in Frankreich versucht hat, eine Zeitlang die Reichsbank mit der Regierung zu vermengen, da hat die französische Reichsbank bankerottiert. Es ist allerdings ein Beispiel, das uns sehr ferne liegt, aber es zeigt sich, wie man hier die Begriffe nicht vermengen darf. Bei uns liegen die Verhältnisse viel einfacher. Vor allem ist das Actions-Comite Kunde der Bank, wir ^machen miteinander Geschäfte, wir haben für das Actions-Comite Aufträge zu erledigen. Die Herren kommen mit allerlei zu uns. Wir haben kein Mißtrauen ihnen gegenüber, nicht im geringsten. Aber ist es in der Ordnung, daß die Kunden und die Leitung der Bank dieselben Personen sind? Sie werden alle zugeben, daß das kein richtiges Verhältnis ist. 5