Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 69)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 62 — wird er dem E. A. C. als Material für die neue Wahlordnung zur Verfügung stellen. (Beifall.) Del. Dr. Leon Reich (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Verehrter Kongreß! Ich habe im Legitimationsausschusse als dessen Mitglied ein Minoritätsvotum gegen den Beschluß über die Kassierung zweier galizischer Mandate eingelegt und befinde midi jetzt in der unangenehmen Lage, gewissermaßen als Verteidiger „galizischer Wahlen" hier aufzutreten. Trotzdem tue ich es gerne, weil ich es in dem Bewußtsein tue, daß ich eine gerechte Sache vertrete, in dem Bewußtsein, daß hinter mir alle diejenigen stehen, die die Verhältnisse in Galizien und die Verhältnisse, unter denen die Wahlen durchgeführt wurden, kennen, daß hinter mir die galizische Landsmannschaft steht, die mich beauftragt hat, eben hier dieses Minoritätsvotum zu begründen. (Lebhafter Beifall.) Es handelt sich um zwei Mandate, bei denen die Proteste tatsächlich nichts anderes als willkürliche Angaben gekränkter und durchgefallener Kandidaten enthalten. Ein Protest enthält als Hauptmotiv, daß die Wähler im dortigen Bezirke zu spät von dem Ausmaße des Wahlkreises erfahren haben, während tatsächlich dieselben Wähler wochenlang Opposition gegen das Ausmaß des Wahlkreises gemacht haben, weil sie fürchteten, dieser Wahlkreis werde nicht ganz ihrem zu wählenden Kandidaten entsprechen. Der andere Protest enthält auch Einwendungen dagegen, daß man Neuwahlen vom Zentralkomitee Galiziens angeordnet habe. Der Kandidat, der protestiert hat, glaubte nämlich, die ersten Wahlen dürften ihm genügen, wiewohl die ersten Wahlen statutenwidrig waren und deswegen vom galizischen Wahlkomitee kassiert wurden. Ich ersuche Sie deshalb, sich in gar keine Details einzulassen. Sie müssen Zutrauen haben zur zweitgrößten Organisation der zionistischen Weltbewegung. Sie müssen Zutrauen haben, daß eine Delegation, die hier über 54 Mandate verfügt und die in den letzten zwei Jahren einen solchen Ausbau ihrer Organisation und ein solches Anwachsen der Schekolim gezeigt hat, daß diese Organisation sich nicht unredlicher Mittel bedient hätte, um durchaus noch zwei Mandate zu ergattern. (Lebhafter Beifall.) Ich will Sie deswegen nicht länger aufhalten. Jede Diskussion über diese Sache wäre eine Ohrfeige, die die galizische Landsmannschaft sicher nidht verdient hat (erneuter lebhafter Beifall). Im Gegenteil, wenn wir nichts verlangen, weil wir wissen, im Bewußtsein unserer Pflicht gearbeitet zu haben, so wollen wir, daß Ihr in Würdigung unserer pflichtbewußten Arbeit unsere Mandate anerkennen sollt. Ich habe gesprochen. (Lebhafter Beifall.) Präsident Wolffsohn: Das Wort hat Herr Dr. Münk. Del. Dr. Münk: Geehrter Kongreß! In einem Punkte befindet sich die Majorität des Legitimationsausschusses, dem anzugehören ich die Ehre habe, in Uebereinstimmung mit Herrn Dr. Reich, nämlich in dem Punkte, daß es natürlich unmöglich ist, hier vor dem Kongreß in eine Prüfung der Einzelheiten der Wahlproteste sich einzulassen. Wir glauben, daß das Vertrauen, das Herr Dr. Reich für die galizische Landsmannschaft in Anspruch genommen hat, mindestens in demselben Maße Ihrem Legitimationsausschusse gebührt, der nach gewissenhaftester Prüfung (Unruhe) und von durchaus objektiven Gesichtspunkten (Ruf: Russische Wahlen! Unruhe) geleitet, Ihnen die Kassierung dieser beiden Mandate empfehlen muß. Der Legitimationsausschuß ist bereit, da es eine Unmöglichkeit ist, sich hier auf dem Kongresse in Details einzulassen, einer aus allen Fraktionen zu wählenden Kommission das Material vorzulegen. Sie werden aus dem Berichte des Legitimationsausschusses gesehen haben, daß die große Masse aller Proteste von ihm nicht berücksichtigt worden