Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 58

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 58 (sequence 65)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476276--3977-3480120
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 58 — aus der klar ersichtlich sein wird, daß wir nicht mit allen Ansichten Dr. Nordaus einverstanden sind. (Ruf: Nicht einmal mit einer Zeile seines Briefes! — Lärm und Zwischenrufe.) Präsident Wolffsohn: Herr Ussischkin selbst soll übersetzen. (Lebhafter Beifall.) Dr. Nacht (übersetzend): Herr Ussischkin meinte, man soll die Antwort auf den Brief Nordaus in der Weise geben, daß darin zum Ausdruck kommt, wir sind Nordau für seine Vergangenheit im Zionismus dankbar, aber mit. dem Inhalte seines jetzigen Briefes nicht einverstanden. Präsident Wolffsohn: Das ist nicht richtig. Dr. Nacht: 'Das hat er ja gesagt. Herr Ussischkin sagt folgendes: Sie haben zwei verschiedene Ansichten gehört. Sie haben die Ansicht des Herrn Halpern und des Herrn Fischer gehört. Beide haben in gewisser Weise recht, der eine hat recht, wenn er von der Vergangenheit, der andere, wenn er von der Gegenwart spricht. (Rufe: Das hat er nicht gesagt! — Großer Lärm.) Präsident Wolffsohn: So geht es nicht weiter. I c h werde Ihnen sagen, was Herr Ussischkin beantragt hat. (Lebhafter Beifall.) Herr Ussischkin beantragt, man soll einer Kommission von drei Personen die Abfassung des Telegramms übergeben und dann erst das Telegramm absenden, damit keine Tendenz in das Telegramm hineinkommt. (Zwischenrufe und Unruhe.) Herr Simon und Herr Fischer, ich bitte um Ruhe. Wenn das so weitergeht, wird die Ausführung des Wunsches, den wir alle haben, daß man hier Hebräisch sprechen soll, geradezu zur Unmöglichkeit werden. (Sehr richtig!) Ich begreife nicht, daß man, wenn man der deutschen Sprache mächtig ist, nicht selbst übersetzen will. Wir sind nicht hier, um Demonstrationen zu veranstalten. (Lebhafter Beifall.) Herr Ussischkin hat beantragt, dieses Telegramm einer Kommission zu übergeben, damit man aus diesem Telegramm nicht eine Richtung ersehen kann. Dies soll nur die Dankbarkeit für die Vergangenheit zum1 Ausdruck bringen, aber keinen Wechsel auf die Zukunft. Del. Syrkin (spricht hebräisch und setzt dann deutsch fort): Ich beantrage die Absendung eines Begrüßungstelegramms an unseren Altmeister Nordau. Wir waren außerordentlich froh, daß wir hier wenigstens ein schwaches Echo seiner milden und holden Stimme gehört haben. Wir sehen darin einen Beweis, daß Nordau auch in Zukunft in unserer Mitte arbeiten und seine fruchtbare Tätigkeit uns widmen wird. Der Kongreß begeht einen Akt der Courtoisie und der Etikette und entscheidet hier nicht über eine Programmfrage. Es ist nur eine Frage der Dankbarkeit, die wir zum Ausdruck bringen für die glänzende Arbeit Nordaus, wenn wir jetzt ein Begrüßungstelegramm absenden und darin unseren innigsten Wunsch zum Ausdruck bringen, daß unser lieber, talentvoller Altmeister wieder in unserer Mitte weilen möge. (Lebhafter Beifall. — Große Unruhe und Zwischenrufe.) Del. Dr. Rosenfeld: Ich werde mit Ihnen Deutsch sprechen, damit meine Rede nicht übersetzt zu werden braucht. Ich habe mich bemüht, den Sinn der ganzen Debatte über das Telegramm an Dr. Nordau zu begreifen und weiß nicht, warum gerade dieser Punkt der bestrittenste des heutigen Tages ist. (Rufe: Sehr richtig! — Unruhe.) Sie wissen ganz gut, daß wir, die Vertreter der Poale Zion, uns nicht in jedem und allem mit Dr. Nordau iden$tifi-' zieren, insbesondere nicht mit seinen Prinzipien und seiner Auffassung des Zionismus in der letzten Zeit (Zustimmung). Aber wir sind der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.