Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 63)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 56 — Dr. Nordau für seine Wünsche zum Kongreß und hofft, ihn noch bei vielen Kongressen als Vorkämpfer für unsere Idee zu sehen und das Vergnügen zu haben, ihn in unserer Mitte zu haben." (Lebhafter Beifall.) Präsident Wolffsohn: Das Wort hat Herr Dr. Halpern: BeL Dr. Georg Halpern: Verehrter Kongreß! Sie alle haben das Begrüßungsschreiben, wie es unser verehrter Präsident bezeichnete, gehört, das Dr. Max Nordau an diesen ersten Kongreß, dem er nicht beiwohnt, gerichtet hat. Ich will, weil wir so viel an Nordau hatten, von diesem Begrüßungsschreiben nicht sprechen. Ich will mich darauf beschränken, Sie zu bitten, über den Antrag des 'Herrn Fischer zur Tagesordnung überzugehen. (Lebhafter Widerspruch.) Ich habe Ihnen vorgeschlagen . . . (Lebhafte Pfuirufe — andauernder Lärm.) Präsident Wolffsohn (das Hammerzeichen gebend): Ich bitte um Ruhe! Meine Herren, so können wir nicht verhandeln. Es wird noch mancher von Ihnen von mancher Seite manches zu hören bekommen, was Ihnen nicht gefallen wird. Bekanntlich gefällt dasjenige nie, was der Gegner sagt, aber da muß man ruhig zuhören. Wenn ein Redner von dieser Tribüne hier etwas sagt, was Ihnen nicht gefällt, so begreife ich wohl, daß Sie einmal aufschreien, aber höchstens einmal und nicht mehr. (Lebhafte Heiterkeit.) Ich bitte, die Ruhe und Würde des Kongresses, die Sie doch alle wünschen, dadurch zu wahren, daß Sie dem Gegner ebenso zuhören wie dem Freunde. (Beifall.) Weiter richte ich aber die Bitte an die Galerie, sich an Beifalls- oder Mißfallsäußerungen nicht zu beteiligen, da Sie hierzu eigentlich gar nicht berechtigt sind. (Heiterkeit.) Zum Kritisieren sind wir Delegierte da, und Sie sind unsere lieben Gäste. Ich richte daher dieselbe Bitte, die ich an die Delegierten gerichtet habe, auch an Sie: Helfen Sie uns mit, daß der Kongreß ruhig und würdig verlaufe. Und jetzt, Herr Dr. Halpern, fahren Sie fort. Del. Dr. Halpern: Verehrter Kongreß! Ich wäre auf dieser Tribüne nicht erschienen, wenn es sich um eine Begrüßung des Kongresses handeln würde, um den Wunsch eines so alten Gesinnungsgenossen, eines Führers, daß die Arbeit so verlaufen möge:, wie er und wie wir alle es wünschen. Darum handelt es sich nicht, wie jeder von Ihnen weiß, der den Brief angehört hat und nicht weltfremd in der Bewegung ist. Dieser Brief ist keine Begrüßung, dieser Brief ist eine energische und ausgesprochene Stellungnahme zu den Problemen, die einen großen Teil der Arbeit dieses Kongresses ausmachen sollen. Der Kongreß degradiert sich, wenn er die Beantwortung dieses Briefes beschließt, bevor er sich eine eigene Meinung gebildet und dazu Stellung genommen hat. Wenn man schon vor dem Kongresse die heftigsten energischesten Angriffe gegen die. Leitung geschleudert hat, so heftig, so energisch, wie man sie sonst nie von so prominenter Stelle aus, wie sie Max Nordau einnimmt, weil er eben Max Nordau ist, gewohnt war in den Reihen der Gesinnungsgenossen, ich sage, wenn man das vor dem Kongresse getan hat, und wenn man dann an den Kongreß ein solches Schreiben richtet, dann ist es nicht eine Frage der Begrüßung, eine Frage der Freude, eine Frage der Aussprache zwischen Freunden, es ist eine Frage von Politik und Taktik und von Entscheidungen, von maßgebenden Entscheidungen, für die Bewegung. (Lebhafter Beifall.) lieber solche Dinge geht ein zionistischer Kongreß nicht hinweg mit der Hurrastimmung eines Telegrammes; wir protestieren dagegen. (Beifall.) Ich stelle daher an Sie, meine Herren, die Sie es mit unserer Bewegung ernst meinen, die Sie es ernst meinesn mit der Arbeit ...