Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 59)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 52 — Zeitschriften und die sozialistischen Bücher. Ebenso muß es bei uns sein. Wir müssen durch die Höhe unserer Diskussion in eigenen Zeitschriften die Aufmerksamkeit des gebildeten Europa auf uns lenken. Sehe ich von diesen beiden Wünschen ab, so muß ich sagen/daß ich sonst mit der Tätigkeit des A. C, wie schon gesagt, einverstanden bin. Auch ich stehe vollkommen auf dem Standpunkte des Herrn Simon, daß es absolut nicht angeht, daß zweierlei oder dreierlei abgeteilte Leitungen im Zionismus bestehen. Ich habe schon seit sechs oder acht Jahren dagegen Stellung genommen, daß man Dinge, die man aus juristischer Notwendigkeit macht, zur faktischen Notwendigkeit ausbildet, das heißt, daß man unsere Institution juristisch verklausuliert und so unabhängig machen will von der obersten Leitung. Es gibt für uns nur eine Leitung für die Organisation, für die Bank und für den Nationalfonds. (Lebhafter Beifall.) Das alles ist eines und es ist ganz Unmöglich, das zu trennendes ist unmöglich, unwürdig und führt zur Unfruchtbarkeit durch die unvermeidlichen Reibungen zwischen den verschiedenen Leitungen. Und ich frage jedermann von Ihnen, würden Sie — wie ich es nicht mehr tun würde — ein Mandat in das A. C. unter der Bedingung annehmen: Sie und noch zwei Herren dürfen aber nicht in den Aufsichtsrat hinein, da hinein gehören Sie nicht, es sind nur 20 darin, die übrigen 5 gehören nicht dazu, sind A. C.-Mitglieder zweiter Klasse? Zu so etwas wird sich ein aufrechter Zionist nie bereitfinden lassen, und ich wünsche und Tioffe und weiß es, daß niemand mehr dies tun wird. Geehrter Kongreß! Herr Dr. Hantke hat von den Angriffen gesprochen, welche der Leitung gegenüber in der heftigsten Weise erhoben wurden. Auch wir haben diese Angriffe alle gelesen und uns gesagt, was ist denn das Mittel, das bessere, das uns von den Gegnern des Actipns- Comites empfohlen wird, und da haben wir zwei Dinge gelesen. In der Rede des einen Gegners hat gestanden: der Nationalfonds ist zu thesaurieren; er war so gedacht und er darf nicht zersplittert werden. Ich möchte demgegenüber feststellen, daß im Momente, wo die zionistische Organisation von der Politik der Thesaurierung abgegangen ist — die diesbezüglichen Beschlüsse wurden im Januar 1908 gefaßt und es ist interessant, daß damals auch die P. L. D. C, die später so viel befehdete, dabei war — diese Beschlüsse damals e i n s t i m m i g angenommen wurden. Ich selbst als Praktiker habe damals die Politiker apostrophiert und befragt: Ja, wo bleibt Ihr prinzipieller Widerstand? Ich bitte Sie um ihn, damit ich vor Ihnen Achtung haben kann. Geehrter Kongreß! Es ist aber kein Widerspruch erfolgt. In der Sitzung vom 6. Januar 1908 ist vom Prinzip der Thesaurierung des Nationalfonds abgegangen worden mit Zustimmung sämtlicher Politiker — das stelle ich hier fest — und mit Zustimmung' der damaligen Leitung des E. A. Q, in welcher zwei Angehörige der heutigen „politischen Richtung" gesessen sind. Das muß ein für allemal festgestellt werden. Wenn die Herren heute sagen: Ja, Ihr System ist falsch, Sie hätten den Nationalfonds thesaurieren sollen — etwas, worüber heute nicht diskutiert wird; ich möchte sagen, das sind Gespenster, die man heraufbeschwört, mit solchen schlagen wir uns nicht herum; die Leute haben ihre Zeit verschlafen — so antworte ich den Herren: Eure Schuld ist es — wenn man von Schuld sprechen kann — nicht uns habt Ihr anzuklagen, sondern Eure Pflicht, solange Ihr noch die Macht in der Hand gehabt habt, wäre es gewesen, den Nationalfonds zu thesaurieren und ihn nicht „auszuliefern", wie das Wort lautet. Das haben sie nicht getan 'und deshalb bestreite ich den Herren das moralische Recht, uns deshalb anzugreifen, weil wir das tun, wozu sie ihre vollste Zustimmung gegeben haben. (Lebhafter Beifall.)