Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 58)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 51 — Das große Geheimnis^ das eine Leitung besitzen muß, ist, diese freiwillige Mitarbeit herauszuholen. Das ist die massenpsychologische Kunst der Leitung. Diese Aufgabe muß sie erfüllen, sie muß die Leute beseelen, damit sie nicht verdrossen in der Partei abseits stehen, damit sie nicht ungern mittun, sondern daß sie freiwillig, mit Freude, mit Selbstgefühl, mit Selbstbewußtsein und Stolz die Arbeit leisten. Diese freudige Mitarbeit hat das Actions-Comite aus uns herausgeholt, es hat uns wieder lebendig gemacht, und deshalb konnte Professor Warburg gestern mit Recht von einer neuen Periode des Zionismus sprechen. (Lebhafter Beifall.) Das Referat des Herrn Dr. Hantke unterschreibe ich vollständig. Ich habe nichts hinzuzufügen; ich möchte nur betonen: was speziell mich und meine näheren Freunde ganz besonders angenehm berührt hat, ist die scharfe nationale Stellung nach außen. Das war früher nicht so. Früher hat man Frieden gepredigt, Kompromisse usw. Heute geht aus den Worten des Actions-Comites ein Geist des Aufrechtseins, ein Geist des Unbedingtseins hervor. Und wir haben die Ueberzeugung, daß das Actions-Comite begriffen hat, daß wir radikal sein werden — oder nicht sein werden. (Lebhafter Beifall.) Wenn ich noch einige Wünsche habe, welche der neuen Leitung auf den Weg mitgegeben werden mögen, so sind sie in Anbetracht des Großen, das die Leitung geleistet hat, nicht als eine Kritik des Bisherigen zu betrachten. Die Leitung hat getan, was ihr möglich war, ja, sie hat viel mehr getan, als nach den schwachen, ihr zur Verfügung stehenden Kräften erwartet werden konnte, aber es wäre doch noch einiges, dem sie ihre Aufmerksamkeit schenken sollte. Da ist vor allem die Hebraisierung unserer Organisation. (Lebhafter Beifall.) Hoher Kongreß! Ich weiß so gut wie Sie, daß es eine Histadruth ibrith gibt und weiß, daß sie sich bemüht, etwas zu leisten. Aber mein Standpunkt ist immer gewesen und ich habe das wörtlich auf dem letzten Kongresse gesagt: Wozu brauchen wir eine Histadruth? Wozu ist überhaupt eine separate hebräische Organisation notwendig? Ist nicht die Hauptaufgabe unserer Leitung oder eine ihrer Hauptaufgaben, uns zu hebraisieren? Ich will hier keine Anklage erheben, ich weiß nicht, woran es liegt, daß die Histadruth nicht vorwärts kommt, es sind gewiß große Schwierigkeiten vorhanden. Jedenfalls haben wir gesehen, daß die separate Organisation das, was sie wollte und was wir von ihr erwartet hatten, nicht leisten konnte. Ich glaube, daß sie es niemals wird leisten können. Denn es ist in der „Welt" neulich sehr gut ausgeführt worden, man kann nicht die Sprache oder sonst einen organischen Teil des nationalen Lebens abtrennen und für sich behandeln. Es ist alles ein lebendiges Ganzes und ich betrachte es als eine der wichtigsten Aufgaben des nächsten Actions-Comites, alles zu tun, was für die Hebraisierung unserer Organisation und der Judenschaft überhaupt notwendig ist. Die Histadruth muß ein untergeordneter Teil der Leitung der Organisation, des Referenten für Hebräisch im E. A. C. sein, der das Ganze in die Wege leitet. Das Zweite, um das ich die Leitung bitten möchte, und was ich seit vielen Jahren betone, ist, daß sie der Ausbildung der Theorie ein größeres Augenmerk zuwende. Es geht nicht an, daß eine Organisation von unserer Bedeutung, von unserem Ideenreichtume, keine einzige Revue hat, in der wissenschaftliche oder rein theoretische, oder nennen Sie es prinzipielle Artikel erscheinen können. Wir erleben es, daß uns im Geiste Nahestehende uns angreifen, unsere Theorie herabsetzen und wir selbst keine Waffen dagegen haben. Deshalb möchte ich das A. C. bitten, im Vereine mit dem „Jüdischen Verlag" diese wichtige Sache zu unternehmen. Sie ist wichtig, nach innen und nach außen, denn von außen wird unser Niveau danach beurteilt, welches Gesicht wir nach außen zeigen. D^r Sozialismus ist lange nicht so verbreitet, wie die sozialistischen 4*