Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 57)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 50 — jene treffen, die in der ganzen Bewegung über unser Wohl und unser Wehe entscheiden. Ich werde darum dafür eintreten, daß die Identität des Aufsichtsrates der Bank, der diese Richtung bestimmt, mit dem Actions- Comite auf diesem Kongresse erfolgt. (Beifall.) Ebenso ist der Aufsichtsrat der Bank identisch mit dem Verwaltungsrat des Jüdischen Nationalfonds. Bedarf es in diesem Kreise noch eines Beweises, wie erforderlich es ist, eines unserer wichtigsten Institute, den Nationalfonds, in Einklang zu bringen mit dem Willen und Wünschen unserer obersten Leitung? (Lebhafter Beifall. — Ruf: Er ist es nicht!) Aus den gleichen Gründen, ja aus wichtigeren noch müssen wir fordern, daß das Große Actions-Comite zugleich Verwaltungsrat des Nationalfonds ist. Es sind bedeutsame Beschlüsse, die wir auf dieser Tagung zu fassen haben. Gehen wir ihnen mit Ernst entgegen und beobachten wir eins: wenn wir unserem Actions-Comite die Möglichkeit der Arbeit geben wollen, dann ist es unsere Pflicht auf dem Kongreß, die gesunde, die normale Basis und, wie Herr Dr. Hantke mit Recht hervorhob, die ursprüngliche Basis dieser Arbeit zu schaffen. (Lebhafter Beifall.) Präsident Wolffsohn: Das Wort hat Herr Boris Goldberg. (Verzichtet auf das Wort.) Dann erteile ich das Wort Herrn Adolf Böhm. Del. Adolf Böhm (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Geehrter Kongreß! Ich kann meine Rede nicht beginnen, ohne meinem Gefühle der tiefsten Dankbarkeit gegen unsere heutige Leitung- Ausdruck zu geben. Es ist dies ein Gefühl, das nicht nur mich allein bewegt, sondern, wie ich glaube, die weitaus überwiegende Majorität unserer Organisation. Dieses Gefühl entstammt nicht etwa irgendeinem parteimäßigen Empfinden, es ist nicht etwa darauf zurückzuführen, daß wir vielleicht deshalb glücklich sind^ daß unsere „Richtung" — wie man das nennt — ans Werk gelangte, nein, unser Gefühl der Dankbarkeit entstammt dem Beobachten und Miterleben der großartigen Tätigkeit der heutigen Leitung. (Beifall.) Wenn wir fragen: „Hat die Leitung dem entsprochen, was wir von ihr erwartet haben", dann können wir nicht mit einem einfachen „Ja" antworten, sondern wir müssen sagen: „Sie hat alles übertroffen, was wir von ihr erwartet haben." (Lebhafter Beifall.) Jeder von uns, auch derjenige, der von vornherein und seit Jahren für die Einsetzung dieser Leitung gekämpft hat, hat bei sich gewußt, daß es in gewissem Grade ein Versuch ist, daß es um etwas Neues, noch nicht Durchgeprobtes geht. Daß es in der Tat gut sein wird, das konnten wir am letzten Kongresse nocli nicht so bestimmt wissen wie heute. Was haben wir damals von dem Actions-Comite verlangt? Wir haben gesagt: Wir vermissen bisheV einen lebendigen Zusammenhang der Zentrale der zionistischen Organisation mit den einzelnen Gliedern, wir verlangen, daß vom Herzen unserer Organisation, vom Sitze des Engeren Actions-Comites — so waren die Worte — ein lebendiger Blutstrom durch alle Glieder unserer Organisation kreise, und ich glaube, wenn irgendeine Forderung, die wir damals an die neu zu wählende Leitung erhoben, erfüllt ist, dann ist es diese. (Beifall.) Die zionistische Organisation ist schon seit Jahren ein mechanisiertes, erstarrtes Gebilde gewesen und besaß kein einheitliches Leben. Die Organisation war aufgewühlt durch innere Kämpfe, das Gefühl des Zusammenhanges war nur schwach vorhanden, noch weniger das Gefühl eines einheitlichen Willens zur gemeinsamen Arbeit. Daß uns das Actions- Comite dieses Gefühl wiedergegeben, daß es uns belebt hat, das ist seine größte Tat, und sie ist so groß, daß es keine Kritik irgendeiner Einzelhandlung gibt, die dieses Verdienst mindern könnte. Denn das Wichtigste einer Leitung ist eben dieses: Wir sind eine durchaus freiwillige Organisation und zur freudigen Mitarbeit kann niemand gezwungen werden.