Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 53)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 46 — Unsere Arbeiten sind zu wichtig und zu unaufschiebbar, als daß wir uns gestatten sollten, sie einzuschränken, weil die wenigen Tausend Mark angeblich nicht aufzutreiben sind. Geehrter Kongreß! Ich habe versucht, Ihnen ein übersichtliches Bild unserer Arbeiten und deren systematischer Grundlage zu geben. Wir Mitglieder des E. A. C. sind uns dabei vollkommen bewußt, daß diese Arbeit, so sehr wir und die Beamten des Actions-Comites ihr unsere Kräfte gewidmet und so viel Unterstützung wir auch gefunden haben, nach den verschiedensten Richtungen kritisiert werden kann. Den positiven Leistungen stehen genug Arbeiten gegenüber, die wir nicht durchzuführen vermochten. Die Information der politisch maßgebenden Elemente müßte noch weit ausgedehnt werden. In der kulturellen Tätigkeit befinden wir uns noch in den ersten Anfangsstadien. Die Gegenwartsarbeit ist noch vollständig den Landesverbänden überlassen, obwohl auch hier eine Betätigung der Zentrale erforderlich wäre. Die wirtschaftliche Arbeit in Palästina zeigt noch starke Lücken. Hat doch das jüdische Element in Palästina noch nicht einmal den seiner Zahl entsprechenden politischen und kulturellen Einfluß im Lande. Die Versuche, die öffentliche Stimmung der zivilisierten Welt, die Parlamente, die Vertreter der Wissenschaft, die Presse für uns zu interessieren, sind über tastende Anfänge noch nicht herausgekommen, und in der Propaganda beginnen wir erst die Kinderschuhe auszuziehen. Trotzdem glauben wir, nicht mit leeren Händen vor Sie zu treten. Was berechtigt, mit dem Schluß des X. Kongresses den Beginn einer neuen Periode im Leben unserer Organisation zu setzen, ist die Tatsache, daß unsere Organisation die Zeit des Stillstandes, die Zeit der inneren Kämpfe überwunden hat, daß im Inneren Friede, im Gesamtleben eine Tendenz des Fortschrittes zum Durchbruch gelangt ist. (Lebhafter Beifall.) Nach einem kräftigen Anlauf, den wir der Neuheit der Idee, der radikalen, jedem Idee-Kompromiß abgeneigten Methode der ersten Jahre und der überragenden Persönlichkeit Dr. H e r z I s verdankten (langanhaltender, lebhafter Beifall), brauchte die Organisation über ein Jahrzehnt, um sich in dem einmal gewonnenen Rahmen einzurichten, ihn mit nationalem Leben zu erfüllen. Hand in Hand mit der Notwendigkeit, im Inneren der Organisation ausgleichend zu wirken, verfiel man vielfach auch in der Propaganda einem opportunistischen System, verlor sogar das unbedingte Selbstvertrauen in der Vertretung unserer Ideen selbst, ohne das ein Erfolg nicht möglich ist. Diese Zeit liegt hinter uns. Innerhalb der /Organisation herrscht Frieden. Nicht daß alle Differenzen in der Auffassung vom Zionismus, von seinen Arbeitsmethoden geschwunden sind. Das ist jin einem lebendigen Organismus unmöglich, der ständig neue Ideen, neue Tendenzen aus sich gebiert, und deshalb auch nicht wünschenswert. Aber die organisatorischen Differenzen, die die Arbeit in den Landes- und Sonderverbänden gestört hatten, sind mit einer einzigen Ausnahme gelöst. Die Ehrenhändel, die wir übernommen haben, sind geschlichtet. > Neue sind nicht entstanden. Die Arbeit der Gruppen hat sich auf die Propaganda, auf den Kampf nach außen konzentriert. Und so sind wir denn, wenn wir von der mystischen und unzweifelhaft falschen Zahl des Jahres 1903 absehen, zum erstenmal über den so lange festgehaltenen Stand von rund 100 000 Schekelzahlern weit hinausgekommen und haben trotz gesteigerter Ausgaben dieselben ausschließlich durch eigene Einnahmen gedeckt. Auch die unseren Institutionen zufließenden Einnahmen (sowie die Investitionen von Gesinnungsgenossen in Palästina sind erheblich gestiegen. Die Einheitlichkeit der Organisation wird immer;merklicher, die Straffheit ihres Auftretens nach außen, die geistige iHöhe der Propaganda und ihr sittlicher Ernst auch dem verbissensten Gegner immer deutlicher. Diese Tendenz zum Fortschritt und die Ergebnisse, die sie noch für die Zu-