Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 48)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 41 — kommen, daß das Judentum in der Diaspora einen jährlich steigenden Kreis von Einwanderern für Palästina 3tellen muß. Diesen Zustrom von draußen kann aber Palästina nur #us den nationalen Kreisen des Volkes erhalten. Allein schon der Palästinagedanke zwingt uns somit zur Intensivierung unserer Propaganda. Diese aber hat zur Voraussetzung, daß wir diese Propaganda von einem einheitlichen nationalen Geiste getragen sein lassen. Die Anforderungen, die wir an unsere Anhänger stellen müssen, sind große. Die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina kann nicht das Ergebnis einer einmaligen, wenn auch noch so kraftvollen Anstrengung der Diaspora sein. Wäre sie es, so könnte man an der Richtigkeit der Tendenz, die unsere Propaganda beseelt, zweifeln. Ein fünfzehnjähriger Kampf hat uns aber bewiesen, daß unser Ziel nur durch eine systematische Erziehungsarbeit an der Gesamtheit unseres Volkes erreicht werden kann. Liegt doch die .Hauptschwierigkeit für uns nicht in der Zerstreuung unseres Volkes, nicht in der Enge des Gesichtskreises seiner führenden Männer, nicht einmal in den kulturellen Unterschieden in seiner Mitte oder in Unbequemlichkeiten der Sprachenfrage, sondern in der krankhaften Sucht weiter Kreise, sich ihrer Umgebung anzupassen, die eigenen Interessen bis zur Selbstverleugnung hinter den Forderungen der Außenwelt hintanzusetzen. Dieser Neigung zur Aufgabe des eigenen .Wesens gilt es entgegenzutreten und der neu heranwachsenden Generation den Geist nationaler Selbstachtung, den Stolz auf die Vergangenheit und ihre großen Träger, die Hoffnung auf eine Zukunft unseres Volkes einzuflößen. Diese Aufgabe kann aber nur dann gelingen, wenn wir unser Ideal von inneren Kompromissen frei halten (lebhafter Beifall), wenn wir es nicht selbst biegen und knicken, wenn wir ihm Vorbilder nationaler Pflichterfüllung sind, denen nachzueifern heiliges Ideal von Geschlechtern werden kann. Bei allen Völkern und zu allen Zeiten sind ideale Bewegungen von der Jugend getragen worden. In unserer Organisation ist diese Tatsache um deswillen häufig übersehen worden, weil der politische Zionismus bei seinem Auftreten in den Hauptländern schon .national gerüstete Bestrebungen vorfand, die ihm also bereits eine national erzogene Jugend zur Verfügung stellen konnten. Sie gilt aber auch für uns in vollem Maße. Es ergibt sich daher folgendes: Unsere Propaganda muß den Charakter einer nationalen Erziehungsarbeit annehmen. Sie muß radikal in der nationalen Tendenz und abhold jedem Kompromisse in der Idee sein. Ihr Ziel kann es daher nicht sein, möglichst viele zu überreden, in einmaliger Aufwallung sich für die Palästinaidee zu begeistern und dieser schönen Regung ein einmaliges großes oder kleines Opfer zu bringen. Für sie darf nur der Wert haben, der die nationale Tendenz, den Willen zum Leben für alle Zukunft in sich aufnehmen will und bereit ist, sich selbst diesem Willen zu opfern. (Beifall.) Menschen, nicht Geld — gilt die Losung. (Lebhafter Beifall.) Und so wäre unsere Propaganda selbst dann erfolgreich, wenn es ihr nicht gelingen sollte, alle Kräfte unseres Volkes zu sammeln, wenn nur die Scharen unserer Anhänger ^wirklich überall die radikalsten Juden sein werden. Aus diesem Gesichtspunkte heraus ist dann auch klar, daß uns die jetzt in assimilatorischen Kreisen so oft ostentativ geäußerte Palästinaliebe keinen Ersatz für die Ergebnisse nationaler Propaganda bieten kann. Denn die Ueberzeugung yon der Zukunft eines jüdischen Paäsltina nützt uns nicht, wenn sie ihren Bekenner nicht zur Aufopferung seiner eigenen Person für dieses Palästina treibt. Diese Aufopferung aber kann nur die Folge einer Revolution im Denken des einzelnen, einer vollständigen Umwälzung im .Empfinden des Juden, also im: Aufgeben aller assimilatorischen Tendenzen zugunsten eines nationalen Judentums sein. (Lebhafter Beifall.)