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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 33

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 33 (sequence 40)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 33 — Wollen wir denn die Räder der kulturellen Entwicklung rückwärts drehen? Auf diese naive Hagada-Frage brauchen wir nur eine kurze Antwort zu geben. Auch die anderen Organisationen, die mit der jüdischen Renaissance nichts gemein haben, ja sogar die Schulen der Missionare verkünden bekanntlich mit Stolz, daß sie durch ihr Erziehungswerk im Orient Kultur verbreiten. Nun also: es gibt doch offenbar Kultur und Kultur. Wer jene Frage immer wieder stellt, mag sich dies eine endlich merken, und er wird ein für alle Male den Unterschied begreifen. (Sehr richtig!) Aber noch aus einem anderen Grunde erwächst der Zionistischen Organisation die unbedingte Verpflichtung, die gesamte Kulturarbeit in Palästina in ihren Händen zu konzentrieren. Wir müssen die Regierung des Landes zu der Ueberzeugung bringen, daß wir keine abseits unserer jüdischen Bestrebungen liegenden Tendenzen verfolgen, und daß unsere Arbeit nur -unseren Zwecken dient. Denn es könnte für unsere Tätigkeit verhängnisvoll werden, wenn wir — und sei es noch so unbeabsichtigt — uns in den Konkurrenzstreit der verschiedenen fremden Gruppen einmischten. Wir dürfen unter gar keinen Umständen für andere die Kastanien aus dem Feuer holen, denn wir untergraben damit den jüdischen Jischub. Die Zionistische Organisation hat weiterhin die Pflicht, dem Problem des jüdischen Arbeiters in Palästina besonderes Interesse zu widmen, um durch ihre Institutionen möglichst für eine Besserung der Lage des jüdischen Arbeiters zu sorgen, sowie dafür, daß der jüdische Arbeiter im Lande und in der Gesellschaft die Stellung einnehme, die ihm zukommt. Ich will damit nicht sagen, daß nun die Zionistische Organisation sich etwa in die Differenzen einzumischen hätte, die in Palästina, wie in allen anderen Ländern, zuweilen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vorkommen. Der jüdische Arbeiter in Palästina ist aber ganz allein auf sich gestellt, md während in allen Kulturstaaten die Regierungen oder die aus gesellschaftlicher Initiative entstandenen Organe durch Gesetze oder durch soziale Hilfsarbeit für eine Besserung der Lage des Arbeiters wirken, existiert in Palästina noch keine soziale Instanz. Nun glauben manche und viele behaupten es, daß die Forderungen der jüdischen Arbeiter zu hoch geschraubt sind und daß sie deswegen im Lande nicht festen Fuß fassen könnten. Diese Ansicht ist indessen durchaus oberflächlich, und die Wirklichkeit rechtfertigt sie keinesfalls. Gewiß, es ist wahr, daß der jüdische Arbeiter meist in einem gewissen Grade Kulturmensch ist, und daß er mit dem äußersten Minimum, das dem Fellachen genügt, nicht existieren kann. Aber das ist ja gerade sein großer Vorzug, denn dieser jüdische Arbeiter ist, wie jeder an Kulturbedürfnisse gewöhnte Arbeiter, zu einer ganz anderen Steigerung seiner Leistungen fähig als der bedürfnislose Fellache. Die Quantität des höheren Lohnes wird durch die Qualität der Arbeit mehr als wettgemacht, und ich werde gewiß Gelegenheit haben, während der Debatte die Richtigkeit dieser Behauptung durch Mitteilung von Zahlen und Tatsachen zu beweisen. Menschenwürdige Wohnräume, Leihkassen, nicht für den einzelnen Arbeiter, sondern für die Arbeiter-Organisationen, Volkshäuser und Bibliotheken, kurz alles, was man unter dem Sammel-

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