Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 41)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 34 — namen „sozialer Einrichtungen" zusammenfaßt; an allen derartigen Unternehmungen muß die zionistische Organisation durch ihre Repräsentanten und ihre Institutionen beteiligt sein. Die jüdischen Arbeiter setzten im allgemeinen ihre Gesundheit sehr vielen Gefahren aus. Infolge des Mangels an hygienischen Wohnungen, an gesundem Wasser, geben sie einen Boden ab für allerlei Krankheiten, und zwar in viel höherem Maße als die Kolonisten. Aber wir haben in Palästina noch einen ganz neuen Vorkämpfer und Pionier, der sich dauernd in Lebensgefahr im elementarsten Sinne befindet. Denn das Ziel, das diese Pioniere sich gestellt haben, erfordert es unter Umständen, daß sie gerade ihr Leben aufs Spiel setzen. Das sind unsere neuen Wächter, die Schomerim, die das jüdische Hab und Gut verteidigen und unter Umständen Leben und Gesundheit dafür einsetzen. (Lebhafter Beifall.) Ein ganz neuer Typ ist unter ihnen entstanden, der Jude ohne Furcht und Schrecken, wo es dem jischub und seiner Ehre gilt. Nicht viele kennen ihn aus eigener Anschauung, diesen neuen Judentypius, und manche, zu denen die Kunde von ihm gekommen ist, empfinden das Gerücht als eine phantasievolle Legende des glühenden Orients. Aber nein, es ist keine Dichtung, es ist eine Tatsache, die uns als Dichtung erscheinen mag, weil ihre ungewohnte Erhabenheit uns staunen macht. Die Organisation der Schomerim ist noch jung und verlangt noch viele Kräfte, um ihre Existenz und ihre Entwicklung zu sichern. Geld, Boden und Menschen brauchen wir zu unserer Arbeit. Aber für unser Ziel brauchen wir sie in umgekehrter Reihenfolge: Vor allem haben wir Menschen nötig, für die Menschen Boden und zur Erwerbung des Bodens brauchen wir Geld. Das sind die drei Pfeiler, die den jüdischen Jischub stützen müssen. Seine Krönung aber wird die jüdische Kultur sein, die lebendig, vielseitig und fruchtbar aus diesem Boden erwachsen wird. Wenn wir uns jetzt alles vergegenwärtigen, was im Laufe der letzten dreißig Jahre im Lande unserer Zukunft geschaffen worden ist, so empfinden wir jene große seelische Befriedigung, die nur aus einer gewissen Vollendung einer großen Arbeit kommt. Wir fühlen jene Genugtuung über unser Werk, weil wir nun wissen, daß wir aus dem Stadium des Anfangs heraus sind und uns mitten im Aufbau eines neuen Lebens befinden. (Tosender, langanhaltender, sich immer wieder erneuernder Beifall.) Vorsitzender Prof. Dr. Warburg: Geehrter Kongreß! Wir sind am Ende unserer heutigen Beratungen. Sie haben ein Bild von unseren Zielen und Bestrebungen im allgemeinen erhalten. Morgen werden wir mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Die morgige Sitzung beginnt um 1/2IO Uhr vormittags im Musikvereinsgebäude. Die Mitglieder des Zentralkomitees bitte ich, sich bereits eine Stunde früher im Zimmer 20 desselben Gebäudes versammeln zu wollen. Ich schließe hiermit die Eröffnungssitzung unseres Kongresses. (Stürmischer Beifall. Die Versammlung erhebt sich und singt die Hatikwah.) Schluß der Sitzung 11 Uhr nachts.