Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 37)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 30 — hatten, gab dieser Mann ihnen sein Herz, und er begriff, daß die nationale Wiedergeburt eines Volkes auch heroische Mittel erfordert. Dreißig Jahre der ungeheueren Arbeit sind jetzt vollendet. Was noch von früher her faul war, ist verschwunden, und ein lebenskräftiger, gesunder Kern ist geblieben. So anhänglich und ergeben Baron Rothschild seinem Volke ist, so bescheiden ist dieser treffliche Mann zugleich. Niemals hat er nach äußeren Ehren und nach Anerkennung gestrebt, und nicht, um ihm den Lorbeer zu winden, den er niemals begehrte, erinnern wir uns in dieser Stunde seines Werkes. Denn er schuf, was er tat, als ein treuer Sohn seines Volkes und erfüllte seine Pflicht als ein wahrhaft edler Mensch, der Lohn und Dank weder erwartet noch wünscht. War es ihm beschieden, einst die erste Saat zu streuen, so wird er seinem Werke gewiß auch weiter seine Liebe und seine Sympathie nicht versagen, und wir sind sicher, daß das jüdische Volk in seiner Gesamtheit es einst verstehen wird, eines Mannes Werk zu würdigen, der ein wirklich großer Mensch war. (Lebhafter Beifall.) In den letzten dreißig Jahren ist der neue Jischub zu einem wichtigen und bedeutsamen Faktor in unserer Renaissancebewegung geworden. Auch die Kleinmütigen und die Ungläubigen, die an die selbständige Existenz der Kolonien nicht glauben wollten und dem ganzen neuen Jischub den Untergang prophezeiten, sobald ihm die Unterstützung von außen genommen würde, auch sie müssen zugeben, daß sie sich geirrt haben, und sie können nicht mehr anders, als den Wert und die Bedeutung des Jischub anerkennen. Das ist der erste entscheidende Wendepunkt in der Geschichte des neuen Jischub von Erez Israel. (Lebhafte Zustimmung.) Betrachten wir die anderen großen Bewegungen um uns herum, seien es Bewegungen nationaler oder sozialer Art, so sehen wir meist, daß das Feld ihrer Arbeit auch der Zielpunkt ihres letzten Wollens ist. Ganz anders dagegen verhält es sich mit unserer Renaissancebewegung. Unser Endziel liegt im Osten, während das Zentrum unserer Arbeit, unserer Bewegung sich im Westen befindet. Hierin ist der Grund für unsere innere Zwiespältigkeit ziu suchen, für die Zwiespältigkeit der Seelen und Kräfte. Die innerhalb der Bewegung stehen, vergessen bisweilen das Endziel, und die sich dem Endziele nähern, vergessen nicht selten, weil sie vom Zentrum der Arbeit entfernt leben, die Bedeutung jener Bewegung im Westen. Wir pendeln ständig zwischen diesen beiden Punkten hin und her. Gewiß ergänzen sich Ziel und Bewegung gegenseitig, aber es fehlt der gemeinsame Mittelpunkt, durch den unsere ganze Arbeit zur Vollkommenheit gelangen könnte. Damit kommen wir zu dem zweiten bedeutsamen Moment in der Entwicklung des neuen Jischub, der sich nicht nur von der Vormundschaft der Geldgeber, sondern von der Bevormundung durch das. Gallith überhaupt zu befreien beginnt. (Lebhafter Beifall.) Der neue Jischub verlangt jetzt, daß man mit ihm nicht mehr als mit einem Mittel rechne, das die Notwendigkeit der Renaissancearbeit zu beweisen habe, — er will im Gegenteil das Zentrum werden, auf das sich die